Così fan tutte
Die Schule der Liebenden

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Den Zuhörer erwartet eine spannende Landestheaterproduktion mit insgesamt soliden gesanglichen und sehr guten darstellerischen Darbietungen. Das Mozarteumorchester und sein Dirigent Leo Hussain bilden eine verlässliche Einheit, so als gehörten sie untrennbar zusammen. Das Produkt dieser so wohltuenden künstlerischen Zusammenarbeit bietet für das Sängerensemble einen Rahmen, in dem es sicher agieren kann. Bezeichnenderweise waren die stärksten Momente der Salzburger Premiere die zahlreichen Ensembleszenen, voll von berührenden Passagen.

Von Siegfried Steinkogler.

Den Zuhörer erwartet in jedem Fall ein Meisterwerk aus der Feder W. A. Mozarts, ein Reigen aus schönen Arien, Duetten und Terzetten, eine zeitlos schöne Musik, in der eine wunderbare Melodie die andere jagt. Besonders in den Duetten konnten die SängerInnen in diversen Konstellationen ihre Klasse ausspielen. So harmonieren etwa die Stimmen von Gillian Ramm (als Fiordiligi) und Tamara Gura (als Dorabella) ganz vortrefflich miteinander. Doch stehen die Herren den Damen nicht nach. Simon Schnorr (Guglielmo) und Sergey Romanovsky (Ferrando) bringen sich immer wieder mit viel echter und auch simulierter Theatralik ein. Die beiden ,,moralischen Verführer“ Don Alfonso (Marcell Bakonyi) und Despina, dargestellt von Laura Nicorescu, bilden stimmlich einen Kontrapunkt zu den beiden Paaren, was der Dramaturgie des Handlungsablaufs sehr zuträglich ist. Beide verfügen auch über achtbare stimmliche Qualitäten, Marcell Bakonyi besitzt ein Timbre, das man immer wieder gerne hört. Lediglich die von der Rolle der Despina geforderte Abgebrühtheit konnte man Laura Nicorescu nicht immer abnehmen. Ein Umstand, den sie mit ihrer bewundernswerten Wandlungsfähigkeit wieder wett macht. (Neben ihrer Rolle spielt sie auch einen Arzt und eine Standesbeamte mit amerikanischem Akzent).

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Das führt uns unweigerlich zur Handlung:
Guglielmo und Fiordiligi sowie ihre Schwester Dorabella und Ferrando sind frisch verliebt und frisch verlobt. Die beiden jungen Männer prahlen vor ihrem Freund Don Alfonso mit der Treue ihrer beiden Verlobten. Alfonso wettet hundert Zechinen, dass Dorabella und Fiordiligi unter bestimmten Umständen in ihrer Treue wankelmütig werden. Guglielmo und Ferrando wollen das nicht glauben und wetten dagegen. Folgender Plan kommt zur Ausführung: Guglielmo und Ferrando suggerieren, als Marinesoldaten in den Krieg ziehen zu müssen.

Um die Standhaftigkeit der Frauen auf die Probe zu stellen, versuchen beiden in Verkleidung jeweils die Geliebte des anderen zu verführen. Dazu scheint den jungen Männern jedes Mittel recht zu sein. Sie geben sogar vor, Gift zu sich genommen zu haben, um die beiden Geliebten via Mitleidsmasche zu verführen, was im Falle Dorabellas denn auch prompt gelingt. Den größten Anteil an der Verführung haben allerdings Don Alfonso und seine Mitstreiterin Despina, die Kammerzofe der beiden Schwestern, die die Ansicht vertritt, hehre Gefühle Männer gegenüber seinen ohnehin pure Verschwendung. Nach und nach setzt sich diese Ansicht auch bei der vorerst so standhaften Fiordiligi durch.

Nachdem die Männer sukzessive einsehen müssen, dass ihre zukünftigen Angetrauten doch keine Muster an Treue sind, arrangiert Don Alfonso eine Doppelhochzeit mit den „fremden“ Männern. Während der Vermählungszeremonie kommen die echten Verlobten von der angeblichen Seeschlacht zurück und werden – alles simuliert! – fuchsteufelswild, weil sie ihre Bräute quasi in flagranti beim Heiraten erwischt haben. Selten sind zwei Frauen unnützerweise so blamiert worden, dafür beweisen sie viel Verständnis dem männlichen Geschlecht gegenüber, als Don Alfonso die Paare – wie auch immer – wieder versöhnt .…

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„Così fan tutte“ auf Amerikanisch
Regisseur Jacopo Spirei hat eine Lösung für diese kleinen Ungereimtheiten gefunden. In seinem Regiekonzept wird die ,, Così fan tutte“ an eine amerikanische Universität verlegt. Diese Assoziation legt der Untertitel der Oper – Die Schule der Liebenden – nahe. In dieser Inszenierung erhält zu guter Letzt jeder sein Diplom, seinen ,,Bachelor“ , jeder hat sein Lehrgeld bezahlt, hat seine Lektion gelernt. Das ist im Sinne der Handlung schlüssig – schade nur, dass man damit der tiefgehenden Musik Mozarts nicht gerecht wird!

Dessen ungeachtet war die Premiere im Salzburger Landestheater ein Erfolg auf vielen Linien. Und wenn der kräftige Applauspegel bei Gillian Ramm und Simon Schnorr etwas angehoben wurde, dann entsprach das den musikalisch-gesanglichen Tatsachen.

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“Cosi fan tutte” von Wolfgang Amadeus Mozart / Premiere: 20.01 2013 Salzburger Landestheater / Musikalische Leitung: Leo Hussain \ Adrian Kelly / Inszenierung: Jacopo Spirei / Ausstattung: Bettina Richter / Dramaturgie: Andreas Gergen / Mit: Fiordiligi – Gillian Ramm, Dorabella – Tamara Gura, Guglielmo – Simon Schnorr, Ferrando – Sergey Romanovsky, Despina – Laura Nicorescu \ Katharina Bergrath, Don Alfonso – Marcell Bakonyi, Chor des Salzburger Landestheaters, Mozarteumorchester Salzburg / Fotos: Christina Canaval

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