„Müllers Büro“ – Salzburger Landestheater – Kammerspiele

Nach einer Vorwarnung, dass bald scharf geschossen werde und daher kugelsichere Westen von Vorteil wären, befinden wir uns im Büro von Max Müller. Der chronisch pleite Privatdetektiv und Damenschuhsammler trinkt das letzte Glas Whisky und ignoriert wie immer die zarten Annäherungsversuche seiner lispelnden Sekretärin Fräulein Schick. Da naht Rettung in Gestalt einer schönen, geheimnisvollen, eleganten Blondine, die sich als Ingrid Bergmann vorstellt, ihm ein Bündel Geld auf den Tisch legt und einen Auftrag erteilt, der natürlich alles andere als harmlos ist. Max und sein Kompagnon Larry schlittern ungebremst zwischen die Fronten der lokalen Unterweltgangs. Dort gelandet, lassen die beiden keinen Flirt aus – die Frauen sind zahlreich und vor allem willig – und treiben sich auf den zügellosen Mafiosi-Partys herum.

Den Film noch im Hinterkopf fragt man sich, wie es der Regisseur wohl schaffen wird, die ständigen Szenenwechsel auf einer so kleinen Bühne zu bewerkstelligen. Die Lösung ist eine Rampe, die auf die Bühne führt und so den Weg freigibt zum Seitengang, wo sich der Eingang ins Etablissement „Maria“ befindet. Auf dieser gefährlichen Straße flanieren nicht nur die Freudenmädchen, hier wird vor allem scharf geschossen. Das Publikum sitzt mitten im Geschehen und ist versucht, einen Blick hinter die verbotene Tür zu erhaschen, hinter der Maria mit ihrer Kundschaft und immer wieder auch mit Max verschwindet. Das gesamte Ensemble ist voll im Einsatz, denn ständiger Rollenwechsel ist angesagt. So ist Werner Friedl nicht nur als desinteressierter Ober Jeff und als äußerst zufriedener Kunde bei Maria im Einsatz, nein, er entpuppt sich zum Schluss auch noch als der gesuchte „Nuttenmörder“ Kant.

Musikalisch reicht der Bogen vom Tango über Schlager der fünfziger Jahre bis hin zum Discosound, wobei die sängerischen Begabungen doch sehr unterschiedlich sind. Sie reichen vom reinen Sprechgesang bis zur perfekten Interpretation durch Anja Clementi, die sowohl als Fräulein Schick als auch als traumwandelnde Frau Copain ihre sängerischen Qualitäten ausspielen kann. Ebenso bräuchte der mexikanische Tenor Juan Carlos Navarro als Henry eigentlich keinen Verstärker. Eine positive Überraschung ist Maria Gruber, die als Nutte Maria ihre schauspielerischen Qualitäten erstmals unter Beweis stellen darf, nachdem sie lange Jahre Primaballerina des Ballettensembles war.

Sascha Oskar Weis als Max Müller liefert die perfekte Parodie eines coolen Privatdetektivs, der sich unwiderstehlich findet, denn er ist ja schön „wie Brando, wie Valentino, ist wie Clark Gable, ist schön wie Kino“. An seiner Seite kämpft der liebenswerte, etwas tollpatschige, doch immer nach Frauen Ausschau haltende Larry (Tim Oberließen). Für die musikalische Untermalung sorgt in bewährter Weise Johannes Pillinger.

Der Film und auch das Musical „Müllers Büro“ sind völlig zu Recht Kult. Der Schweizer Musicaldarsteller, Choreograf und Regisseur Kurt Schrepfer hat dieses Stück mit einem bunt zusammengewürfelten Ensemble überzeugend auf die Bühne gebracht: ein wunderbar lockerer Spaß für Freunde des schwarzen Humors, ein irrer, unbekümmerter Mix aus Trash und Kunst. So kann auch junges Publikum gewonnen werden. Vergnügen pur!

Müllers Büro / Musical von Niki List / Musikalische Leitung: Johannes Pillinger / Inszenierung Kurt Schrepfer, Ausstattung Manuela Weilguni / Mit: Britta Bayer, Anja Clementi, Christina Einbock, Maria Gruber, Caroline Richards; Sebastian Fischer, Werner Friedl, Matthias Hungerbühler, Juan Carlos Navarro, Gerhard Peilstein, Tim Oberließen, Sascha Weis

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