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Cliffhanger – herrlich provokant

Cliffhanger

Kaum ein Jahr ist es her, da sprach man in Salzburg oder Hallstatt nur noch von Overtourism, zuviele Asiaten, zuviele Reisebusse. Man dachte tatsächlich laut darüber nach, wie man es schaffen könnte, weniger, dafür aber gut betuchte Gäste anzusprechen. Schaut man genau hin, war das schon Jammern auf allerhöchstem Niveau.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Und dann kam Corona. Plötzlich gibt es Reisewarnungen für Österreich und die Branche ist in hellem Aufruhr. Leere Betten und Reisestornierungen lassen Panik aufkommen, viele Gastrobetriebe sind am Rande ihrer Existenz. Schockstarre ist über Teile der Tourismusbrache hereingebrochen. Was bringt die kommende Wintersaison? Gibt es überhaut eine?

Vor diesem Hintergrund wurde dieser Tage “Cliffhanger”, eine Intervention im öffentlichen Raum der Wiener Künstlergruppe Steinbrenner/ Dempf & Huber in der Nähe von Mariazell eröffnet. 13 Jahre nach dem ersten Projektentwurf haben Industriekletterer eine “Tourist Information” montiert. Sie befindet sich inmitten einer unzugänglichen Felswand, gleich neben dem Mirafall in den Ötschergräbern.

Welchen Sinn macht eine Touristeninformation, die auch nach einer mehrstündigen Wanderung fast nicht zu erreichen ist?

Hält uns diese Installation, diese provokante “Kunst am Berg” einen Spiegel vor? Wie weit darf die Vermarktung einer Gegend, eines Landstriches, einer Sehenswürdigkeit gehen und wann wird sie zur Prostitution? Wie gesund ist Wachstum um jeden Preis?

Aktionen wie der “Cliffhanger” sind gut und notwendig in einer Zeit, in der es scheinbar in erster Linie um Gewinne und Margen geht!

Die “Tourist Information” ist noch bis September 2021 zu sehen.
Steinbrener/ Dempf & Huber >