Und der Haifisch, der hat Zähne …

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Der Bettlerkönig Peachum macht erfolgreiche Geschäfte mit dem Mitleid. Er stattet seine Mitarbeiter als Krüppel aus, damit die Bürger sich von ihrem schlechten Gewissen freikaufen. Der Verbrecherkönig Macheath, genannt Mackie Messer, und seine Mitarbeiter ziehen es vor, die Reichen der Stadt ungefragt um ihren Besitz zu erleichtern.

Heidi_seVon Heide-Maria Müller.

Das Streitobjekt der beiden »Geschäftsleute« ist Peachums Tochter Polly. Als Peachum von der heimlichen Hochzeit seiner Tochter mit Maceath erfährt, hetzt er ihm den Polizeikommissar Brown auf den Hals. Und nun wird es selbst für einen Verbrecherkönig mit erstklassigen Kontakten eng, sich zu befreien.

Das Bühnenbild besteht aus dunkelgrauen Platten, die die Rückwand der Bühne bedecken, davor sitzten die Musiker und davor wiederum in einer Stuhlreihe die Schauspieler, die auch auf der Bühne in ihre jeweiligen Kostüme schlüpfen. Der Boden ist mit Kleidungsstücken und Lumpen übersät. Die Darsteller verkörpern bis zu vier verschiedene Charaktere , wobei nur schnell die Oberbekleidung oder die Frisuren -durch Perücken-gewechselt werden. Die hübschen Pettycoat-Kleider von Polly und Celia Peachum werden durch graue, lange Stoffhosen „verschandelt“, die die Damen ständig tragen müssen. Bei den Mädchen des Horizontalen Gewerbes hängen diese Hosen teilweise ständig um die Knöchel, sodass sie Schwierigkeiten beim Gehen haben – Sinn ??

Walter Sachers ist ein überzeugender Peachum, zynisch und doch nicht ganz ohne einen gewissen Charme. Britta Bayer als seine Frau Celia führt ein strenges Regiment, ihre Stimme passt besonders gut zu den Liedern von Kurt Weill – nicht zu lieblich, aber auch nicht zu „grell“. Bettina Mönch als Polly Peachum wandelt sich von der hingebungsvolle n, frisch verliebten jungen Frau zur gerissenen Anführerin der Gängsterplatte,, stimmlich allerdings scheint sie an diesem Abend etwas indisponiert zu sein. Sascha Oskar Weis ist ein eleganter Macheath, der ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen geht und sowohl seine Kumpel, wie auch seine verflossenen und aktuellen Geliebten opfert, wenn es ihm nur nützt – schauspielerisch und gesanglich ein Vergnügen. Ein besonderes Highlight ist Franziska Becker als Spelunkenjenny, auch Christoph Wieschke (Captain Brown) und Elisabeth Halikiopoulos als Lucy überzeugen.

Das überaus kitschige Finale, in dem Mackie Messer vor dem Galgen gerettet wird (barocke Engerl, fliegender Reiter auf Schimmel) bringt noch eine humoristische Note in das Stück. Die Zuschauer danken mit freundlichem Applaus.

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Die Dreigroschenoper / Schauspiel von Bert Brecht / Musik von Kurt Weill / Salzburger Landestheater Premiere: 04.04.2014 / Regieteam Inszenierung: Stephanie Mohr; Musikalische Leitung: Christian Frank, Stefan Müller; Ausstattung: Miriam Busch; Dramaturgie: Maren Zimmermann / Besetzung: Jonathan Jeremiah Peachum \ Robert \ Bettler – Walter Sachers; Frau Peachum \ Ede \ Bettlerin – Britta Bayer; Polly Peachum \ Molly – Bettina Mönch; Macheath – Sascha Oskar Weis; Tiger-Brown \ Bettler – Christoph Wieschke; Lucy \ Dolly – Elisabeth Halikiopoulos; Spelunkenjenny \ Bettlerin – Franziska Becker; Moritatensänger \ Ansager \ Jimmy \ Smith – Axel Meinhardt; Filch \ Matthias \ Bettler 2 \ Vixen \ Konstabler 1 – Paul Maresch; Suky Tawdry \ Ansagerin \ Bettlerin \ Walter – Claudia Carus; Jakob \ Bettler 1 \ Konstabler 2 – Clemens Ansorg; Betty \ Bettlerin – Eva Christine Just / Fotos: Christina Canaval / Video: SLT

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