Eugène Ionesco: Die Nashörner

Michaela Essler. „Die Nashörner“ von Eugène Ionesco ist ein anspruchsvolles Stück, das die Auswirkungen von einem (vorerst) auftretenden Einzelphänomen – ein Nashorn läuft durch die Stadt – auf die Gesellschaft beschreibt.

Zunächst nur eine Einzelerscheinung, die der örtlichen Tageszeitung nur eine kleine Randnotiz wert ist, tauchen im weiteren Verlauf immer mehr Nashörner auf.

Die Reaktionen der Protagonisten reichen von Ungläubigkeit bis hin zu Unverständnis. So versucht jeder seinem Weltbild gemäß dieses Ereignis zu erklären – vom „logischen“ Denkansatz bis hin zur Gesellschaftskritik wird das gesamte Spektrum der Erklärungsversuche abgedeckt, jedoch bleibt die Frage, warum zunehmend Nashörner auftauchen ungeklärt. Vielmehr überwiegt die Diskussion über Randfragen, z.B. ob es sich um ein indisches oder afrikanisches Nashorn handelt.

Als klar wird, dass es sich bei diesen vermehrt in Erscheinung tretenden Nashörnern um Menschen handelt, die sich in Nashörner verwandelt haben, greift allgemein die Furcht um sich. Behringer, ausgezeichnet dargestellt von Harald Fröhlich, ein farbloser Typ, der sich überwiegend außerhalb der von seinem Umfeld festgelegten Werte bewegt, steht dem zunehmenden Massenwahn hilflos gegenüber und tut das, was er immer tut: er verweigert sich den herrschenden Werten.

Die Inszenierung von Andreas Döring im Salzburger Schauspielhaus/ Elisabethbühne lässt jedoch etwas von der gewohnten Dynamik vermissen, was nur teilweise von dem sehr guten Bühnenbild und der gelungenen Lichttechnik wettgemacht werden kann.
(Alle Fotos: Bergauer/ Schauspielhaus)

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