Flanieren in Triest

Triest

In Istrien sagt man: Die Bora kommt in Senj auf die Welt, herrscht in Rijeka und stirbt in Triest. Ja, das mag so sein, spürbar ist sie dennoch, ein überaus lebhafter Tod, der ihr in Triest widerfährt.

Leo Fellinger

Von Leo Fellinger

Für uns sechs Karst-Reisende ein Segen, denn entgegen aller Wetterberichte bläst die Bora heute alle Wolken vom Himmel, just an dem Morgen, an dem wir nach Triest fahren wollen. Gesagt, getan. Schon die Fahrt von Hruševica nach Opicina offenbart die karge Schönheit des Karsts, dann öffnet sich der Blick aufs Meer und – obwohl schon vielmal gesehen – immer wieder imposant.

Genussvoll flanieren wir zwischen den neoklassizistischen Palazzi aus dem goldenen Zeitalter der k.u.k. Monarchie, das alles hat einen melancholischen Charme. Am Canal Grande genießen wir einen Cappuccino in der Sonne, im Hintergrund die bombastische, neoklassizistische Kirche Sant’Antonio Nuovo und rechter Hand erkennt man die Kuppeln der serbisch-orthodoxen Kirche San Spiridione mit ihren byzantinischen Mosaiken.

Ja, Triest ist Grenzort und Schmelztiegel der Kulturen, eine Stadt der Dichter, wo sich beim Espresso mit Claudio Magris plaudern lässt. Nicht nur die Zeit der österreichischen Herrschaft, sondern auch die neuere, tragische Vergangenheit von Krieg und Nachkriegsterror hat hier Spuren hinterlassen. Wir genießen den Sonntagvormittag und suchen ein geeignetes Lokal zum Mittagessen, was nach vielen Fehlversuchen auch gelingt.

In einer Seitengasse nah am Hafen erobern wir einen Tisch im urigen Fischlokal El Fornel, ein echter Geheimtipp für die, die es gerne authentisch mögen und mit der Weinqualität nicht allzu kritisch sind. Aber: was für all die Einheimischen an den Tischen um uns herum gut genug ist, soll auch uns munden….

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