“in pieces” Sommerszene – ARGEkultur

F.Ikeda © W. Kirchner
F.Ikeda © W. Kirchner

F.Ikeda © W. Kirchner

Elisabeth Pichler

Elisabeth Pichler

„in pieces“ Fumiyo Ikeda & Tim Etchells (Brüssel/London)   Österreichpremiere am 5.7.2009

„Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir es dann? (…) ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.“
Franz Kafka

Für ihre erste Zusammenarbeit „in pieces“ haben der  Performer, Regisseur und Autor Tim Etchells und die Tänzerin  Fumiyo Ikeda ihren Ausgangspunkt in einem Zitat Franz Kafkas gefunden. Dieser dramatische Satz hat sie zuallererst angezogen und die Aufmerksamkeit auf das innere Wesen gelenkt. Sie suchen gemeinsam Wege zu dem, was im inneren Meer verborgen, vergessen  und versteckt sein mag.

Fumiyo Ikeda hat ihre tänzerische Ausbildung bei Maurice Béjard in Brüssel absolviert und war über 25 Jahre Mitglied bei Anne Teresa De Keersmaeker´s Dance Company „Rosas“, einer der weltweit bekanntesten Ensembles des zeitgenössischen Tanzes. Tim Etchell ist bekannt für seine Arbeit bei einer der besten britischen Performance Gruppen „Forced Entertainment“.

F.Ikeda © W. Kirchner

F.Ikeda © W. Kirchner

Die Bühne wird im Hintergrund von einer einfachen Holzwand begrenzt, vor der ein einzelner Sessel steht. Ikeda in ihrem braunen Kleidchen beginnt furios, sie tanzt zu Ligetis Streichquartett Nr.1 so intensiv und mit größter Einfühlungskraft, dass man mehr davon sehen möchte.
Doch war dies, wie der Titel schon andeutet,  nur ein Fragment der Soloperformance. Denn nun nimmt sie mit dem Publikum Kontakt auf und beginnt  mit dem schlichten Wort „Yes“. Sie zählt genau mit und kommt auf über 50 verschiedene Ausdrucksarten: von fröhlich bis weinerlich, von euphorisch bis aggressiv.  Diese Listen stellt sie immer wieder auf, es sind verschiedene Arten von Erinnerungen, die sie ständig mit den Zuschauern teilt. Doch unser Gedächtnis kann leider nicht mithalten, wenn sie weit über hundert verschiedene Statements mit „Sorry“ beginnt. Bald schon  konzentriert man sich mehr auf ihre schauspielerische Wandlungsfähigkeit und ihren immer durchblitzenden Sinn für Humor.

Dann erzählt sie eine wahre Geschichte und sie tut dies auf Japanisch, so kann sie sicher sein, dass niemand versteht, was sie eigentlich sagen möchte. Doch wiederholt sie ihre Geschichte, um zu beweisen, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, sich an etwas zu erinnern. Hier kommt nun auch die einzige Requisite, der Sessel, zum Einsatz und es ist faszinierend, wozu sich der gebrauchen und missbrauchen lässt.

Zum Abschluss kehrt sie nochmals zu Ligetis Musik zurück und wieder genießen wir Tanztheater pur. Doch darf dieser Abend nicht ohne eine weitere Auflistung enden und so werden wir zu den Klängen von „I will say goodbye“ nochmals ausführlich und mit einer überzeugenden Vielfalt von Ausdrucksmöglichkeiten verabschiedet.

Es war eine erstaunliche Soloperformance, denn Fumiyo Ikeda konnte nicht nur als Tänzerin, sondern auch als Schauspielerin, Pantomimin und Komödiantin überzeugen.

Elisabeth Pichler
Dorfzeitung

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