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„Spem in alium“: Ein vierzigstimmiges Klanggebäude, vom Bachchor erbaut

Ingrid Kreiter. Die Stiftskirche St. Peter/ Salzburg ist bis auf den letzten Platz besetzt. Menschen drängen sich nicht nur in den Kirchenbänken, sondern auch in den Seitengängen. Auf dem Boden im Mittelschiff sitzen dutzende Zuhörerinnen und Zuhörer. Manch ein Pfarrer würde sich ein solches Publikum bei der Sonntagsmesse sehnlichst wünschen. Doch es ist Donnerstag, 15 Uhr, und es ist kein kirchliches, sondern ein geistlich-musikalisches Ereignis, das die vielen Menschen in die Kirche gelockt hat.

Mit einer vierzigstimmigen (!) Motette entführt der traditionsreiche Salzburger Bachchor das Publikum in eine mystische Klangwelt. „Spem in alium“ heißt das Meisterstück, das 1573 von Thomas Tallis komponiert wurde, und nicht nur den Sängerinnen und Sängern, sondern auch dem Dirigenten einiges abverlangt. Immerhin werden rund um die Zuhörerinnen und Zuhörer acht Chöre zu je fünf Stimmen postiert. Zehn Minuten lang umweben vierzig Solistinnen und Solisten das Publikum mit mal eindringlichen, mal sanften Klängen.

Und im Mittelpunkt von allem steht der künstlerische Leiter des Bachchores, Alois Glaßner, der mit energischen Armbewegungen die Klangwolken zusammenhält. „Gänsehautverdächtig“ sei das Stück, raunt eine ältere Dame ihrer Begleiterin zu. Zu Füßen des Dirigenten lehnt ein blonder Vierjähriger den Kopf andächtig an die Schulter seiner älteren Schwester. Nach einem brausenden Crescendo baut sich die Spannung langsam ab, bevor der letzte Ton im Kirchenschiff verhallt. Der Applaus fällt lang und heftig aus, das Stück hat Kinder und Senioren, Touristen und Einheimische gleichermaßen beeindruckt. Die Aufführung ist durchwegs gelungen: eine harmonische Klanginsel im Trubel des Alltags.