Zwei weitere Premieren beim Winterfest 2012 im Volksgarten

Foto: Winterfest/ Olivier Calicis

Foto: Winterfest/ Olivier Calicis

Mit einem uralten LKW nach Salzburg gekommen, bietet das Artistenduo von Cie Circ’ombelico auf einer winzigen Bühne im Laderaum den Taschenzirkus „Da/Fort“ (Premiere am 4.12.2012). Die vier Artisten des Théâtre d’un jour bespielten ein Kuppelzelt mit „L’enfant qui“ (Premiere 5. 12.2012). Die beiden belgischen Truppen begeisterten das Publikum mit zwei sehr unterschiedlichen Produktionen.

Von Elisabeth Pichler.

Eng beisammen, doch überaus erwartungsvoll sitzen 32 Personen auf Holzbänken im improvisierten Zuschauerraum des LKW. Ein gespannter Besucher drückte die positive Stimmung so aus: „Die Idee ist super, egal, was passiert.“ Der Vorhang hebt sich und ganz nahe vor uns sitzt ein Pärchen, das sich nicht mehr viel zu sagen hat. Doch statt in den Fernseher zu starren, wird hier gestrickt. Die Dame scheint fleißig zu sein. Der Schal, an dem sie gerade arbeitet, ist schon unendlich lang. Der Mann sollte eigentlich die Wolle halten, aber sein Gesichtsausdruck zeugt von Widerwillen und Resignation. Kein Wunder, dass er immer wieder versucht, dieser „Familienidylle“ zu entkommen. Viele Klappen, Türchen und Fenster ermöglichen ihm zwar die Flucht, doch so leicht gibt seine Liebste nicht auf, sie macht sich auf die Verfolgung. Die 45-minütige Show verzaubert das Publikum mit skurrilen, surrealistisch anmutenden Einlagen sowie gespenstischen Traumsequenzen. Ein Abend, den man nicht so schnell vergisst, ein ganz besonderes Erlebnis.

Foto: Winterfest/ Jean Christophe Sounalet

Tags darauf geht es archaisch zu, denn das Kuppelzelt riecht streng nach feuchter Erde. Zwei kraftstrotzende, furchteinflößende Männer schwingen ihre Äxte gefährlich nahe am Publikum, bevor sie sie mit unendlicher Wucht auf einen Holzblock niedersausen lassen. Die zierliche Dame, die sich auf allen Vieren anpirscht, wird von ihnen ebenso kraftvoll in die Luft geschleudert. Eine sehr erwachsen wirkende, kleine Puppe mit eindringlichem Blick treibt anfangs mit dem Publikum ihre Späße. Die Stimmung kippt, als ein Krankenbett hereingeschoben wird. Die Geschichte thematisiert die traumatische, von schmerzhaften Erfahrungen durch Krankheit geprägte Kindheit des französischen Künstlers Jephan de Villiers (geb.1940), der für seine mysteriösen Holzfiguren und fremdartig anmutenden Skulpturen bekannt ist und als „Nomade der Stille“ bezeichnet wird. Claire Goldfarb sorgt mit ihrem Cello für die musikalische Untermalung. Eine kraftvolle, aber auch erschreckende Performance, die Artistik, Musik und Puppenspiel gekonnt verbindet.

Die beiden Produktionen sind ein gelungener Beweis für die Vielseitigkeit des zeitgenössischen Zirkus. Georg Daxner gelingt es auch heuer wieder, das Publikum mit sensationellen Vorstellungen, die unterhalten, aber auch immer Tiefgang besitzen, zu überraschen. Um dieser Kunstform, die in Europa schon lange anerkannt ist, auch in Österreich eine Chance zu geben, wurde der „Verein der Freunde des zeitgenössischen Circus in Salzburg“ gegründet. Das Beitrittsformular ist unter circusfreunde@gmail.com erhältlich.

„Da/Fort“ – Cie Circ’ombelico. Konzept: Iris Carta, Jef Naets. Auf der Bühne: Iris Carta, Jef Naets. Musik: Jochem Baelus, Regie: Titoune. Technik: Emmanuel Tillieux.

„L’enfant qui“ – Théȃtre d’un jour. Auf der Bühne: Noémi Vincart (Puppenspielerin), Laura Trefiletti/Miriam de Sela (Akrobatinnen), Julien Pierrot und Valentin Pythoud (Akrobaten), Claire Goldfarb (Musikerin). Autor, Licht und Regie: Patrick Masset.

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Dorfladen

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