„Sieben Türen“. Keine Lösung. Alles in Schwebe

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Botho Strauß, einer der erfolgreichsten und meistgespielten deutschen Schriftsteller und Dramatiker, feiert heuer seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlass hat das Schauspielhaus Salzburg eines seiner frühen Werke ins Programm genommen. Die Premiere der 1988 uraufgeführten „Bagatellen“ fand am 6. März 2014 im Studio statt.

Von Elisabeth Pichler.

Sieben völlig gleiche Türen nehmen die Bühne ein. Dahinter verbergen sich zwei Damen und fünf Herren, die mit ganz speziellen, etwas absurden Problemen zu kämpfen haben. Eine Mieterin sucht ihren Hausherren, doch sie kommt nur bis zum Vorstandsvorsitzenden, der ihr Problem leider nicht wirklich ernst nimmt. Ihre Beschwerde, dass sich in ihrem Haus ein weiteres Haus befinde, will er nicht zur Kenntnis nehmen. Doch im Laufe des Abends melden sich immer mehr Mieter der Otto-Heinrich-Straße 15 bei ihm, kein Wunder, dass er zum Nervenbündel wird. Ein Mann versagt in einem Fernsehquiz. Zu Hause erwarten ihn statt Trost nur Hohn und Spott, er wird als „Wissensverlierer“ abgekanzelt. Zwei philosophisch angehauchte Kunden machen es einem Autoverkäufer nicht leicht. Probleme hat auch ein junges Paar, denn „glücklich bis zum Gehtnichtmehr“ hat es vergessen, zu seiner Hochzeit Gäste einzuladen. Jetzt sitzen sie frustriert in ihrer Wohnung, ein erster Streit ist vorprogrammiert. Ein Selbstmörder macht Bekanntschaft mit dem „Nichts“, das ihn nun erwartet. Er muss zur Kenntnis nehmen, dass jeder nur das bekommt, was er verdient.

Die grotesk-tragischen Szenen aus dem Alltagsleben werden in der Inszenierung von Bernadette Heidegger mit viel Witz und Humor serviert. Musikalische Einlagen erleichtern die Konzentration bei den anspruchsvollen Texten. Die Schauspieler stecken in grauen, anzugähnlichen Overalls und tragen alle grellrote Socken zu Tennisschuhen ohne Schnürsenkel. Die Sitzgelegenheiten auf der Bühne sind brutal zersägt und gestatten Einblick in ihr trostloses Innenleben, da ist Schaumstoff und sonst „Nichts“ (Ausstattung: Vincent Mesnaritsch). Der kurzweilige Abend über die Nebensächlichkeiten des Lebens, in denen sich Abgründe auftun, wurde vom Publikum freundlich aufgenommen, auch wenn manches unklar blieb. Die Mischung aus Geheimnis und Mehrdeutigkeit macht jedoch den Reiz dieses Stückes aus.

„Sieben Türen“ von Botho Strauß. Regie: Bernadette Heidegger. Ausstattung: Vincent Mesnaritsch. Musik: Christopher Biribauer. Mit: Anna Katharina Frommann, Katharina Pizzera, Simon Ahlborn, Martin Brunnemann, Magnus Pflüger, Olaf Salzer, Nenad Subat. Fotos: Marco Riebler

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