„Alice im Wunderland“ – Überraschungen ohne Ende

Das erstmals 1865 erschienene Kinderbuch des britischen Schriftstellers Lewis Carroll zählt zu den Klassikern der Weltliteratur. Das Schauspielhaus Salzburg bietet nun die Gelegenheit, Alice auf ihrer aufregenden Reise in eine Welt voll Phantasie und Abenteuer zu begleiten. Die entzückende, äußerst vergnügliche Inszenierung von Robert Pienz und Christoph Batscheider feierte am 3. Dezember 2018 Premiere. Absolut sehenswert!

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Eigentlich sollte Alice nur den Müll rausbringen. Sie findet das aber voll langweilig, ebenso wie Hausaufgaben und das Zimmer aufzuräumen. Warum geschieht eigentlich nie etwas Überraschendes? Da fährt ein weißer Hase auf einem Tretroller an ihr vorbei, der es schrecklich eilig hat. Als er in der Mülltonne verschwindet, folgt Alice dem Tier, fällt tief hinunter und landet schließlich im Wunderland. Dort ist nichts, wie es auf den ersten Blick erscheint. Eine Grinsekatze versichert ihr, dass hier einer verrückter als der andere sei, gibt Ratschläge in Rätselform und benutzt eigenwillige Wortspiele.

alice-im-wunderland

lice trifft auf Kaugummi kauende Zwillinge, eine Gitarre spielende Raupe, den Märzhasen und den verrückten Hutmacher, die gemeinsam eine Nicht-Geburtstagsfeier veranstalten, Tweedldee und Tweedledum, Käpt’n Dodo und den Herzbuben, der ständig die Rosen rot anmalt. Dabei stellt Alice fest, dass in diesem eigenwilligen Königreich alle sehr schnell beleidigt sind. Essen und Trinken sind hier stets mit Gefahren und Überraschungen verbunden, so wird Alice einmal winzig klein, dann wieder riesengroß. Die Grinsekatze hat völlig Recht, hier scheinen wirklich alle den Verstand verloren zu haben. Die Herzkönigin ist jedoch noch verrückter als ihre Untertanen, denn sie kennt nur eins: „Kopf ab!“ Alice aber lässt sich so schnell nicht einschüchtern.

alice-im-wunderland

Isabel Graf (Ausstattung) hat für die eigenwilligen Bewohner dieses Wunderlandes eine entzückende, pastellfarbene Traumlandschaft auf die Bühne gestellt. Jakob Kucher erweist sich als perfekte, geschmeidige, superschlaue Grinsekatze, die mit ihren Weisheiten die kleine Alice mehr als verwirrt. Helena May Heber wirkt in ihrem blauen Rüschenkleidchen und den wippenden Stoppellocken, als wäre sie geradewegs dem Kinderbuch entstiegen. Mit großen Augen bestaunt und genießt sie die verrückten Dinge, die um sie herum passieren. Genau das hat sie sich ja immer gewünscht: Überraschungen, nichts als Überraschungen. Während Julian Dorner als riesengroßer weißer Hase ständig in großer Eile, doch völlig planlos unterwegs ist, verkörpern Julia Rajsp, Sophia Fischbacher, Raphael Steiner und Tim Erkert mit sichtlichem Vergnügen all die schrägen Typen, die im Wunderland unterwegs sind.

alice-im-wunderland

Alice im Wunderland zählt zum Genre des literarischen Nonsens und ich muss gestehen, dass ich normalerweise mit diesen eigenwilligen Geschichten meine Probleme habe. Robert Pienz und der vor kurzem verstorbene Christoph Batscheider haben daraus jedoch ein ganz entzückendes, wenn auch etwas verrücktes Märchen gemacht. 70 Minuten reinstes Theatervergnügen für Groß und Klein.

„Alice im Wunderland“ nach dem Kinderbuch von Lewis Carroll. Regie: Christoph Batscheider, Robert Pienz. Ausstattung: Isabel Graf. Musik: Raphael Busá. Mit: Helena May Heber, Julian Dorner, Jakob Kücher, Julia Rajsp, Sophia Fischbacher, Raphael Steiner, Tim Erkert. Fotos: Jan Friese

image_pdfimage_print

Kommentar hinterlassen zu "„Alice im Wunderland“ – Überraschungen ohne Ende"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*