„Der kleine Prinz“ – vom klitzekleinen Planeten

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Frei nach Antoine de Saint-Exupérys Klassiker schuf Choreograph Flavio Salamanka ein „Phantastisches Ballett“, das am 20. Februar 2019 bei der Uraufführung in den Kammerspielen Jung und Alt verzauberte.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Ein 6-jähriger Knabe ist schwer enttäuscht, als seine Mutter seine kreative Zeichnung einfach nicht verstehen will. Er wird schließlich Pilot, denn wirklich frei fühlt er sich nur, wenn er fliegen kann. Als er einmal in der Wüste notlanden muss, trifft er auf den kleinen Prinzen. Der liebenswerte, verspielte Knabe nimmt ihn mit auf „eine Reise durch seine Erinnerungen“. Er kommt von einem winzigen Planeten mit drei Vulkanen und ein paar Affenbrotbäumen. Soziale Kontakte hat er nur mit einer Rose, die aber ständig schwächelt und hohe Ansprüche an ihn stellt, und so verlässt er sie, um andere Wesen kennenzulernen, die nicht so anstrengend sind.

Auf seiner Reise kommt er an sechs Planeten vorbei, die von sehr eigentümlichen, ichbezogenen Menschen bewohnt werden. Er trifft auf einen einsamen König, einen Eitlen, der ständig beklatscht werden möchte, einen Alkoholiker, einen gestressten Geschäftsmann, einen pflichtbewussten Laternenanzünder und einen gelehrten Geographen, der ihm schließlich rät, die Erde zu besuchen.

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Hier begegnet er einer riesigen, furchteinflößenden Schlange und einem frechen Fuchs. Die Sehnsucht nach seinem Heimatplaneten wächst jedoch, denn er muss ständig an seine Rose denken. Wer wird ihm wohl zur Rückkehr verhelfen können?

Eine Erzählerstimme (Gregor Schulz) hilft, diese poetische Parabel leichter verständlich zu machen. Herzerwärmend, übermütig und doch verträumt tanzt Niccolò Masini die Titelpartie und trägt dabei gerne drei weiße Luftballons, die an riesige Seifenblasen erinnern, vor sich her. Flavio Salamanka hat für jeden der eigenwilligen Bewohner der sechs Planeten (jeweils Lúcio Kalbusch) ganz spezielle Bewegungsmuster kreiert, so dass sechs sehr unterschiedliche Pas de Deux mit dem kleinen Prinzen zu sehen sind. Erfrischend das Zusammentreffen des kleinen Prinzen mit dem frechen, kleinen Fuchs (Chigusa Fujiyoshi). Die riesige, äußerst biegsame Schlange (Iure de Castro) wirkt hingegen stets gefährlich. Ein raffiniert konstruierter weißer Stuhl kommt auf der schlichten, weißen Bühne immer wieder in anderer Funktion zum Einsatz, vom Königsthron bis zum Brunnen (Bühne: Sonja Böhm).

In Antoine de Saint-Exupérys Erzählung steckt so viel Weisheit, dass man endlos darüber grübeln kann und vielleicht doch nie alles verstehen wird, was uns der Dichter sagen will. Vielleicht hilft das bekannte Zitat des schlauen Fuchses weiter: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Das Plädoyer für Freundschaft und Menschlichkeit verfehlt an diesem Ballettabend, der für Kinder ab fünf Jahren empfohlen wird, auch fast ohne Worte seine Wirkung nicht.

„Der kleine Prinz“ – Phantastisches Ballett frei nach Antoine de Saint-Exupéry. Choreographie und szenische Konzeption: Flavio Salamanka. Bühne und Kostüme: Sonja Böhm. Lichtdesign: Lukas Breitfuss. Mit wechselnder Besetzung: Niccolò Masini/Paulo Muniz, Paulo Muniz/Lúcio Kalbusch, Rose Márcia Jaqueline/Anna Yanchuk/Mikino Karube, Chigusa Fujiyoshi/Larissa Mota/Mikino Karube, Diego da Cunha/Gabrielly Juvêncio, Lúcio Kalbusch/ Iure de Castro. Erzählerstimme: Gregor Schulz. Fotos: SLT/ © Anna-Maria Löffelberger

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