Besuch in der „Pannonischen Salzsteppe“

Neusiedlersee

Besucht man in diesen Tagen den Nationalpark Neusiedlersee, scheint augenscheinlich alles wieder in Ordnung. Nun, es gab schon mal mehr Wasser im See, aber auch weniger, wenn man Experten Glauben schenkt.

Leo Fellinger

Von Leo Fellinger

Das Austrocknen sei für den Neusiedler See nicht nur normal, sondern er braucht sogar solche Dürrezeiten. Im Durchschnitt trocknet er ein bis zwei Mal in 100 Jahren aus. Klingt ein wenig wie Beruhigungspost, versandt vom burgenländischen Tourismusverband. Denn wie man es auch dreht und wendet – hier ist ein 13.000 Jahre altes Ökosystem in Gefahr. Der See selbst wehrt sich mit allen Mitteln: Damit er nicht verschwindet, obwohl er zwischendurch immer wieder austrocknet, dafür sorgt das Salz. Nicht so viel wie das Meer, aber doch eine beachtliche Menge. Das Salz sorgt dafür, dass kleine Mineralteilchen im Wasser schweben, wodurch das Wasser trüb bleibt. So können sich Algen kaum vermehren, da ihnen das Sonnenlicht fehlt. Ein geniales System. Wenn das Wasser wegtrocknet, kann sich der Schlamm an der Luft zersetzen, die Reste werden vom Wind weggeblasen, das gibt Raum für neues Wasser. Die nächsten starken Regenfälle füllen ihn wieder auf, und der Kreislauf kann von vorne beginnen.

Was aber, wenn die Regenfälle nicht kommen? Dann wird Grundwasser nach oben in den See gepumpt, wie beispielsweise beim naheliegenden Zicksee. Aber weil auch der Grundwasserpegel bedrohlich sinkt, musste das im Juni letzten Jahres eingestellt werden. In einer spektakulären Rettungsaktion forderte der Bürgermeister von St. Andrä am Zicksee die örtlichen Sport­fischer auf, die im 20 Zentimeter flachen Wasser zappelnden Fische einzusammeln und in Baggerteiche in der Nähe auszusetzen. Rund 30 Tonnen Fische sollen es gewesen sein. Im Juli 2022 trocknete der Zicksee dann endgültig aus.

Dabei sind im europäischen Binnenland salzhaltige Gewässer Raritäten: Man findet sie nur im Seewinkel und der großen ungarischen Tiefebene. Ganze 80 % der pannonischen Salzlebensräume wurden in den letzten eineinhalb Jahrhunderten bereits zerstört. Gab es 1858 im Seewinkel noch 139 Lacken, so sind es heute noch knapp 40 – bei vielen ist der Niedergang so weit fortgeschritten, dass mit ihrem baldigen Verschwinden gerechnet werden muss.

Ein Paradies, das zum Verschwinden verurteilt ist, weil die Untätigkeit der österreichischen Politik alle menschlichen Bemühungen, diese wertvollen Regionen zu retten, zunichte macht. Konsequent stimmt die ÖVP in Österreich, aber auch auf der europäischen Ebene gegen jedes Klima- oder Umweltschutzgesetz. Gegen alle Mahnrufe der Wissenschaft, gegen alle Forschungserkenntnisse. Gerade für eine Region wie den Nationalpark Neusiedlersee ist ein Initiative wie das vom EU-Parlament beschlossene Gesetz zu Renaturierung, mit dem Ökosysteme vor dem Kollaps gerettet werden sollen, enorm wichtig. Vor allem die Europäische Volkspartei (EVP), darunter die ÖVP, stimmte dagegen. Ebenso die FPÖ. Das Gesetz ist ein zentraler Teil des umfassenden Klimaschutzpakets Green Deal, mit dem die EU bis 2050 klimaneutral werden soll. Man muss zur Kenntnis nehmen, dass manche Parteien das einfach nicht wollen….

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