Elegie für junge Liebende

Elegie

Ein Edelweiß als Inspiration

Studierende des Departments für Oper und Musiktheater der Universität Mozarteum haben eine gekürzte Fassung von Hans Werner Henzes 1961 in Schwetzingen uraufgeführtem Werk erarbeitet. Die Geschichte eines egozentrischen Dichters, der seine Umgebung tyrannisiert, wurde von Alexander von Pfeil atmosphärisch dicht in Szene gesetzt. Die Premiere fand am 26. Jänner 2024 im Max Schlereth Saal statt und bewies, dass auch moderne Oper das Publikum zu begeistern weiß.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Vor vierzig Jahren bestieg Hilde Macks Bräutigam nach der Hochzeitsnacht einen Berg und kehrte nicht zurück. Umnachtet und von Visionen gequält wartet sie seither auf die Rückkehr ihres Liebsten. Der Dichter Gregor Mittenhofer logiert mit seinem Tross, dem Arzt Dr. Wilhelm Reischmann, seiner Sekretärin Carolina Gräfin von Kirchstetten und seiner Geliebten und Muse, Elisabeth Zimmer, in diesem einsamen Berghotel und lässt sich von den Visionen und Anfällen der verwirrten Hilde Mack inspirieren.

Als Toni, der Sohn des Arztes, auftaucht und Elisabeth umwirbt, ist es mit der Harmonie vorbei. Widerwillig gibt Mittenhofer Elisabeth frei, doch nur unter einer Bedingung. Die jungen Liebenden sollen das gefährliche Hammerhorn besteigen und ihm zur Inspiration für sein Gedicht ein Edelweiß holen. Ein nahender Schneesturm verheißt nicht Gutes und Mittenhofer schickt sie mit diesem Auftrag in den sicheren Tod. Nun kann er seine Elegie vollenden und an seinem 60. Geburtstag stolz präsentieren.

Wie ein Gespenst sitzt die verwirrte Hilda Mack (Claire Jung Eun Oh) in einem rustikalen Berggasthaus, das mit seinen hölzernen Liegestühlen an ein Sanatorium erinnert. Ihr Wahnsinnsmonolog voll exaltierter Koloraturen wird vom Orchester mit voller Wucht unterstützt. Den einzelnen Figuren werden vom Komponisten außerdem spezielle Soloinstrumente oder Klanggruppen zugeordnet, die ihre Befindlichkeiten kommentieren. Hilde Macks Leitinstrument ist die Altflöte, die ihre grandiosen Koloratur-Kapriolen begleitet.

Bei Gregor Mittenhofer (Yannik Junzhe Zeng) kommen Blechbläser, das Horn und das jaulende Flexaton zum Einsatz. Das Fagott ist für Dr. Wilhelm Reischmann (Volodymyr Morozov) zuständig, während beim Liebespaar Toni (Ilyá Dovnar) und Elisabeth (Nicolett Mráz) lyrische Streicher für schlichte Töne sorgen. Der armen gräflichen Sekretärin von Kirchstetten (Génesis Beatriz López Da Silva) ist das klagende, wehleidige Englischhorn zuzuordnen. Eisige Gletscherklänge aus dem Orchester sind deutliche Warnsignale und prophezeien kein gutes Ende.

Sehr hilfreich sind diesmal die Untertitel, die die Handlung in Kapitel einteilen und die theatralen Elemente dieser Oper betonen. Der Komponist und seine Librettisten, die englischen Dichter Wystan Hugh Auden und Chester Simon Kallman, widmeten das Werk „der Erinnerung an Hugo von Hofmannsthal, Österreicher, Europäer und Meisterlibrettist“.

„Im Wesentlichen geht es um die Geburt eines Gedichtes, dessen Werden wir verfolgen vom ersten Augenblick der ersten Idee bis zum schließlichen Vorlesen. Was sich abspielt, um diesen Geburtsprozeß herum an Groteskem, Lächerlichem, Vulgärem, Bösartigem, Gemeinem, dient dazu, die Figur des Künstlers als Helden, dieses Konzept vom Heldenleben, in Frage zu stellen, wie es das 19. Jahrhundert geschaffen und das 20. Jahrhundert noch nicht vollständig losgeworden ist.“ (Hans Werner Henze)

Gernot Sahler dirigiert das Kammerorchester der Universität Mozarteum, in dem diesmal das Schlagzeug eine besonders wichtige Rolle spielt. Auch Harfe, Marimba und Vibraphon haben ihre großen Soli. Viel Jubel im Publikum, nicht nur von Freunden und Mitstudierenden, sondern auch von Opernliebhabern, die die grandiosen Aufführungen und Inszenierungen im Mozarteum zu schätzen wissen.

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