„Der nackte Wahnsinn“ auf der Seebühne in Seeham

der nackte wahnsinn

Mit Michael Frayns irrwitziger Chaos-Komödie über die beruflichen und privaten Schwierigkeiten einer Theatertruppe begeistert das Ensemble der Seebühne Seeham im bereits 15. FestSpielSommer das Publikum. Sie gewährt uns einen Blick hinter die Kulissen und da geht es richtig rund.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Diese Generalprobe treibt den Regisseur Lloyd Dallas fast in den Wahnsinn. Die Bühne ist noch nicht ganz fertig, die Schauspieler beherrschen den Text nicht und kommen dauernd mit Änderungsvorschlägen. Der dem Alkohol nicht abgeneigte Selsdon ist nicht auffindbar, so muss der völlig übermüdete Techniker einspringen. Die etwas unbedarfte, doch absolut gut aussehende Vicky verliert ständig ihre Linsen und tappt halb blind über die Bühne, und Dotty hat sowohl mit dem Text als auch mit ihren Sardinen große Probleme. Man probt den 1. Akt bis spät nach Mitternacht und wünscht sich „toi toi toi“ für die Premiere.

Nach der Pause erlebt das Publikum den ersten Akt der Premiere dieses Erfolg versprechenden, grandiosen Stückes nochmals. Doch befinden wir uns nun hinter der Bühne und da herrschen Eifersucht und blanke Gewalt. Es kristallisiert sich nämlich heraus, dass zwischen den Schauspielern so einige Beziehungen parallel laufen. Und wie es sich für einen Regisseur, der sich für einen Gott hält, geziemt, ist Lloyd mit fast allen Damen, vom Skript-Girl bis zur jungen Naiven, verbandelt. Ein Wunder, dass alle diese Vorstellung überleben. Als krönenden Abschluss darf das Publikum auch noch die letzte Aufführung genießen. Es fragt sich nur, ob der Text jetzt endlich sitzt und ob die privaten Verstrickungen vergessen sind.

Michael Frayn, der Meister der englischen Farce, nimmt in dieser Boulevardkomödie das Theaterleben aufs Korn und gewährt dem Publikum einen äußerst amüsanten Blick hinter die Kulissen der Bretter, die die Welt bedeuten. Jurek Milewski ist es gelungen, dieses Chaos leicht und locker auf die Bühne zu zaubern, eine temporeiche Inszenierung, die das Publikum begeisterte. Franz Angerer und sein Team haben auf der Seebühne ein riesiges Wohnzimmer, „eine ausgebaute Molkerei aus dem 16. Jahrhundert“, mit Treppe aufgebaut, die vielen Türen laden zum Verstecken und Verwechseln ein. Erstaunlich, mit wie wenigen Handgriffen das Wohnzimmer der Bühne in eine sehr realistische Hinterbühne umgebaut werden kann.

Das Ensemble hat sich am Freitag, dem 15.Juli 2011 nicht nur durch Spielfreudigkeit ausgezeichnet, sondern auch als absolut wetterfest erwiesen. Das Publikum befürchtete bereits einen Spielabbruch, da nach der Pause ein paar Regenschauer niedergingen. Die Schauspieler ließen sich davon jedoch nicht irritieren und spielten das Stück auf nasser und rutschiger Bühne zu Ende. Das dankbare Publikum spendete kräftigen Applaus.

„Der nackte Wahnsinn“ von Michael Frayn. Regie: Jurek Milewski. Regieassistenz: Cornelia Macher, Silvia Anna Skergeth. Technik: Christian Greischberger, Rainer Niederreiter. Bühnenbild, Bühnenbau: Franz Angerer und Team. Kostüme: Christine und Irmgard Esterbauer, Katrin Wallner. Maske: Christina Schausberger. Mit: Veronika Kaiser, Fritz Liebert, Thomas Peschke, Martina Huthmann, Wolfgang Neu, Bianca Huber, Rudi Waltran, Cornelia Macher, Thomas Herbst.

Aufführungstermine: bis 1.August jeweils Mittwoch, Freitag und Sonntag (Beginn 21 Uhr).

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