Antigone/ Das Produkt – Landestheater Salzburg – Kammerspiele

Foto: Salzburger Landestheater/ Jürgen Frahm
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Elisabeth Pichler. Griechisches Drama und Gegenwartsdramatik, Sophokles und Mark Ravenhill, wie passt das zusammen? Regisseur Christian Nickel stellt zwei Frauen gegenüber, deren Schicksal von religiösem Fanatismus und Gewalt geprägt ist. Premiere war am Freitag, den 20. November 2009  in den Kammerspielen.

Foto: Salzburger Landestheater/ Jürgen Frahm

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Weißer Strand, ein Weg mit Kieselsteinen, große Felsbrocken malerisch verteilt, hier wandelt Antigone wild entschlossen, ihrem Bruder das laut Gesetz verweigerte Begräbnis zu verschaffen. Sie ist ein Mensch mit festen Prinzipien und davon überzeugt, dass die Gunst der ewigen Götter für den Einzelnen wichtiger sei als das Wohlwollen anderer Menschen. Ihre Schwester Ismene ist ihre keine große Hilfe und so verurteilt König Kreon sie trotz der Bitten seines Sohnes Haimon, der Antigone in Liebe verbunden ist, zum Tode. Als der Seher Teiresias ihm schwerwiegende Folgen vorhersagt, ändert er seinen Entschluss, doch kommt die Einsicht zu spät. Kreon bleibt als gebrochener Mann zurück, der Familienfluch hat schließlich auch ihn erreicht.

Foto: Salzburger Landestheater/ Jürgen Frahm

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Mehr als zweitausend Jahre alt ist diese Geschichte und sie berührt noch immer. Christian Nickel hat das Stück textgetreu, leicht gekürzt, in sehr klassischer Form auf die Bühne gebracht. Die sieben Hauptdarsteller bilden auch den Chor. Sie halten sich Masken vors Gesicht, die sie einfach weiterreichen, wenn sie in ihre Rollen schlüpfen. Anna Unterberger ist eine kindlich zarte Antigone, die ohne Rücksicht auf ihr Leben nur ihrem Gewissen folgt. Ihr Gegenspieler, Peter Kaghanovitsch als König Kreon, wirkt in seinem schicken Anzug wie ein etwas zynischer Politiker unserer Tage, doch mit Charisma. Auch die übrigen Mitglieder des Ensembles haben jeweils ihren großen Auftritt. Shantia Ullmann als Antigones Schwester Ismene, Susanna Szameit als Seher Teiresias, Sebastian Fischer als Wächter, Britta Bayer als Gattin und Christoph Wieschke als Sohn des Kreon.

Durch die perfekte Bühnenausstattung Manuela Weilgunis bekommt diese große Tragödie auch einen sehr intimen Charakter, das Knirschen der Kieselsteine unterstreicht die Handlung wie Musik.

Nach der Pause ist die Bühne zwar unverändert, doch einige Requisiten verraten den Wechsel ins Filmmilieu. Aus Antigone ist die Schauspielerin Olivia geworden, die sich gelangweilt, mit undurchschaubarem, permanentem Leinwandlächeln, das abstruse Drehbuch des Produzenten James erklären lässt. Christoph Wieschkes Monolog ist eine One-Man-Show, die übrigen Ensemblemitglieder dürfen nur mehr Stichworte liefern.

Die  aberwitzige Story handelt von Amy, einer junge Geschäftsfrau, deren Freund beim Anschlag auf das World Trade Center starb. Sie verliebt sich ausgerechnet in den attraktiven Al-Qaida-Kämpfer Mohammed. Hautnah erlebt sie die Planung eines Selbstmordattentats auf Disneyland Paris und verrät Mohammed an die Polizei. Als Amy Fernsehbilder von seiner Misshandlung im Gefängnis sieht, wird auch sie zur Kampfmaschine.

So sehr sich James auch bemüht, er kann Olivia von der Qualität des Drehbuchs nicht überzeugen, kopfschüttelnd verlässt sie die Bühne, es ist wohl besser, diesen Film nie zu drehen.

Das Stück ist eine Satire auf die Traumfabrik Hollywoods mit schwarzem britischem Humor und zeigt auf, wer heute die Feindbilder schafft. Schonungslos werden die Vorurteile der westlichen Welt gegen den Islam aufgezeigt, doch durch Übertreibung werden die Ängste zur Groteske.

Ein interessanter und abwechslungsreicher Abend, der vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Das Ensemble schafft bravourös den Sprung von der Klassik zur Moderne, von der griechischen Tragödie zur englischen Komödie.

Antigone. Das Produkt /Von Sophokles. Mark Ravenhill /Ein Doppelabend über Fanatismus und Gewalt /Inszenierung: Christian Nickel /Ausstattung: Manuela Weilguni /Dramaturgie: Heiko Voss /Mit: Anna Unterberger, Shantia Ullmann, Peter Kaghanovitsch, Christoph Wieschke, Susanna Szameit, Britta Bayer, Sebastian Fischer.


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