Die Buchrezensionen von Annelore Achatz

Buchtitel: Schlepping durch die Alpen
Autor: Sam Apple
Verlag: btb
Erschienen: 2009
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Klapptext:
Hans Breuer ist der letzte Wanderschäfer Österreichs – und mit Sicherheit auch der ungewöhnlichste, den es je gab. Denn welcher Schäfer singt schon seinen 625 Schafen zum Einschlafen jiddische Lieder vor? Das fragt sich auch Sam, ein junger jüdischer Journalist aus New York, der von seiner Großmutter Bashy zur ständigen Wachsamkeit vor an jeder Ecke lauernden Pogromen erzogen wurde. Als er Hans in New York kennenlernt, beschließt er, ihn durch die Alpen zu begleiten. Ausgestattet mit Diktaphon und nagelneuen Designerboots muss der neurotische Hypochonder schmerzlich erfahren, dass die Spaziergänge durch den Central Park nicht die rechte Vorbereitung auf die Herausforderungen der alpinen Welt waren. Doch allen Widrigkeiten zum Trotz wird die Reise für Sam zu einer Spurensuche nach seinen jüdischen Wurzeln und zu einer Begegnung mit sich selbst.

Rezension:
Sam Apple bringt den Lesern das Judentum näher, anhand des Schäfers Hans Breuer und Dessen Lebensweise. Ich fand Schlepping durch die Alpen informativ, interessant und durchaus humorvoll. Die jüdische Lebensweise und Geschichte so kennen zu lernen war spannend für mich und erweiterte auch meine Sichtweise. Bücher aus Denen ich mir etwas “herausholen” kann, finde ich sowieso gut und das konnte ich mir definitiv.
Jedem, sich für die jüdische Sichtweise Interessierten, sei Schlepping durch die Alpen wärmstens empfohlen!

Buchtitel: Nachricht an alle
Autor: Michael Kumpfmüller
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Erschienen: 2008
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Klapptext:
“Wir stürzen ab, betet für mich” – diese SMS erhält ein Vater von seiner Tochter mitten in der Nacht, in einem Hotelzimmer in Nordamerika. Was wie ein grausamer Scherz klingt, erweist sich als der modernste aller Albträume: Selbst aus todgeweihten Flugzeugen können wir noch Nachrichten empfangen, Nachrichten an alle. Mit diesem Donnerschlag beginnt Michael Kumpfmüllers Roman, der die Politik zurück in die deutsche Literatur bringt. Denn der Vater, der diese Nachricht bekommt, ist Innenminister eines westeuropäischen Landes, das gerade in eine schwere Krise stürzt. Streiks, soziale Unruhen und diffuse terroristische Bedrohungen lassen Minister Selden keine Zeit für Trauer. In “Nachricht an alle” treibt Michael Kumpfmüller eine Sonde durch die Schichten unserer westlichen Demokratien. Nicht nur Seldens privates und politisches Schicksal interessieren ihn, sondern die monströsen Mechanismen innerer Sicherheit, die gegenseitige Durchdringung von privater und öffentlicher Sphäre. Dazu gehört auch das dröhnende Räsonnement von Medien, Experten und vermeintlicher Volkes Stimme, das als Hintergrundrauschen den politischen Diskurs begleitet und aushöhlt. Kumpfmüller gelingt ein flirrendes Porträt der Gleichzeitigkeiten: Während in den klimatisierten Büros der Eliten Entscheidungen getroffen werden, beginnt sich unten in den Großstadtschluchten, an den heißen Rändern der Gesellschaft, eine Gruppe von Menschen zu regen, die auf den großen Schlag wartet. So kenntnisreich, packend und klug ist in der deutschen Literatur noch nicht über Politik und Gesellschaft geschrieben worden.
Mit diesem groß angelegten, sprachlich fein gearbeiteten und vielstimmigen Roman erweist sich Michael Kumpfmüller als bedeutender Romancier unserer Zeit.

Rezension:
Nachricht an alle ist wie ein Spinnennetz. Einzelne Geschichten (Situationen) kreuzen sich, bis ein feines Gewebe entsteht. Der Erzähler ist die Spinne, die es, mit einer gewissen Distanz webt. Dann wird der Leser, einer Fliege gleich, hineingezogen, unwiderstehlich und unaufhaltsam, dem Mittel- (Höhe-) punkt zu. Ich finde Nachricht an alle sehr gut geschrieben und vor allem aktuell! Facettenreich, politisch und dabei sehr spannend, würde ich es ebenso beschreiben.
Jeder, am Weltgeschehen Interessierte sollte sich Nachricht an alle zulegen!

Buchtitel: Schweigeminute
Autor: Siegfried Lenz
Verlag: Hoffmann und Campe
Erschienen: 2008
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Klapptext:
Ein warmer Sommer in einer Kleinstadt an der Ostsee vor vielen Jahren. Benny Goodman und Ray Charles sind noch en vogue, in des Gassen spielt der Drehorgelmann, man bezahlt in „Mark“, und wenn die Englischlehrerin vor die Oberprima tritt, stehen alle auf:“ Good morning, Mrs. Petersen.“
Daß Stella Petersen und ihr Schüler Christian sich lieben, weiß niemand, und doch handelt die Novelle von nichts anderem. Wie es zu dieser Liebe kommt, wie aus Worten und Gesten, aus zufälligen Begegnungen und Berührungen Leidenschaft wird, wie die Leidenschaft sich an der Realität messen muß, wie Christian mit einem ebenso kühnen wie illusionären Plan seiner Liebe Dauer geben will und wie dann mit einemmal alle zu Ende ist – und doch auch nicht. Wie die Liebe gerade durch den Tod unsterblich wird: das erzählt Siegfried Lenz mit meisterhafter Einfühlungskraft, mit Distanz und Humor, zügig, stringent, geschlossen.
Im Thema des Vergänglichen, der Zeitverfallenheit irdischer Liebe, der Unmöglichkeit vollendeten Glücks schwingt die Melancholie eines Theodor Storm. In der Lakonie des Erzählens spürt man die existentielle Härte eines Ernest Hemingway. Und doch spricht hier vor allem die Sympathie und Integrität des Erzählers Siegfried Lenz, der aus Liebe, Erlebnis, Entscheidung und Tod im knappen Raum der Novelle eine Menschheitsfrage entfaltet, die immer gültig ist – zu allen Zeiten und an allen Orten.

Rezension:
Schweigeminute ist eine zeitlose Liebeserklärung voller Poesie. Nur aus der Sichtweise des jungen Mannes; die Ihre wäre interessant, ist jedoch natürlich unmöglich. So mancher Leser wird sich dabei eventuell selber an eine unmög-/ ungewöhnliche Liebe/ Schwärmerei erinnern. Oder steckt womöglich gerade mittendrin? Schweigeminute kann jeden, egal ob Mann oder Frau Alt oder Jung, verzaubern.
Ich empfehle es wärmstens weiter!!

Buchtitel: Herzlos
Autor: Franz Zeller
Verlag: Pendragon
Erschienen: 2009
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Klapptext:
Eine alte Frau stirbt in einem Salzburger Spital an einem klinischen Versuch. Aber niemand merkt´s – fast niemand. Ein junger Arzt wird im Keller der Herzklinik ermordet. Ein Obdachloser soll´s gewesen sein. Und ist selber bald tot. Und dann noch eine Leiche, die alles aufklären soll, der aber das wichtigste fehlt: das Herz. Chefinspektor Franco Moll hat seines noch, aber es ist liebeswund. Und sein Saufkumpan Weinmeister ist in Herzensdingen sowieso ein Einzeller.
Der urbane Moll und der wuchtig- rustikale Oberhollenzer ermitteln gegen ein unausgesprochenes Gesetz der Stadt, wonach die tonangebende Schicht über jeden Verdacht erhaben ist und in Ruhe gelassen werden soll.

Rezension:
Die Verbrechen sind eher Nebensache in Herzlos, es geht vielmehr um die zwischenmenschlichen Beziehungen aller Art. Wobei sich das HERZ wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht. Tatsächlich kommt es so gut wie auf JEDER Seite vor und das fand ich persönlich störend. Die Beschreibung Salzburgs und des St. Johanns- Spitals bzw. die herrschende Atmosphäre hat Franz Zeller gut getroffen. Salzburg – Kenner dürften derselben Meinung sein.
Ich finde Herzlos gut geschrieben, jedoch für mich als eher Thriller- Leserin einfach zu wenig spannend (blutig…).

Buchtitel: Vater Morgana
Autor: Michael Niavarani
Verlag: Amalthea
Erschienen: 2009
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Klapptext:
So. Jetzt stehen Sie also in der Buchhandlung und lesen den Klappentext. Da möchte ich Sie herzlich willkommen heißen! Mein Name ist Michael Niavarani und ich habe ein Buch geschrieben.
Ein Buch über die Familie Ansari, eine deutsch-österreichisch-amerikanisch-schwedisch-britisch-persische Familie. Natürlich hat sie sehr große Ähnlichkeit mit meiner eigenen Familie. Natürlich sind die Onkeln und Tanten meinen Onkeln und Tanten sehr ähnlich. Denn auch unsere Familie ist über die ganze Welt verstreut. Und so wie die Familie Ansari ist auch die Familie Niavarani in der Situation gewesen, dass die Mutter meines Vaters – meine Mamanbosorg – noch am Leben war, als er verstarb. Wie die Familie Ansari, so hat auch meine Familie beschlossen, dass es das Beste wäre, diesen traurigen Umstand vor ihr geheim zu halten. Aber wie kann das funktionieren? Warum ruft er sie nicht mehr an? Was, wenn sie ihn einmal besuchen möchte?
So! Mehr darf ich Ihnen noch nicht verraten……Schnell, laufen Sie zur Kassa und kaufen Sie das Buch, sonst wird die Warteschlange noch länger!
Viel Vergnügen mit dieser Komödie wünscht Ihnen Michael Niavarani

Rezension:
Eines Vorweg, ich bin ein großer Fan von Michael Niavarani!!!!! Weshalb ich mich schon echt auf Vater Morgana freute. (Und nach DEM Klapptext war meine Vorfreude NOCH größer…)
Tja, nun zu meiner Rezension: Als Kabarett-Programm oder Film wäre es DER Hit gewesen. Warum? Die an sich flüssig geschriebene Geschichte wird immer wieder mit Rückblenden, der gerade vorkommenden Person, unterbrochen. Allerdings werden daraus eigene Geschichten, dabei erfährt man als Leser z. B. einiges über die Geschichte Persiens (durchaus wissenswert!) bzw. lernt die Familienmitglieder sehr genau kennen. Zu genau. Soviel wollte, ich zumindest, gar nicht wissen….
Nia hat sein Buch geschrieben wie er auch auftritt; sehr amüsant, jedoch sprunghaft und sehr ausschweifend. Super zum Zuschauen – eher anstrengend zum Lesen. Wobei ich durchaus immer wieder laut auflachen musste, sein (schwarzer) Humor verfehlt auch beim Lesen seine Wirkung nicht!
Vater Morgana ist amüsant, mir jedoch zu ausschweifend und wie auch meine Schwiegermutter bemerkte, kein „Reißer“. Als Kabarettist ist mir Nia wesentlich lieber!!!

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1 Kommentar zu "Die Buchrezensionen von Annelore Achatz"

  1. oute mich hiermit ebenfalls als großer Nia-Fan. Das Programm “Gefühlsecht” hab ich auf youtube rauf und runter gesehen.

    Warum alle immer ein Buch schreiben müssen. Jeder, der irgendwo irgendwann mal was oder nix grissn hat, schreibt ein Buch.

    so, ich werde jetzt gehen…….ein Buch schreiben!

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