„Meine Stille Nacht“ – Broadway-Atmosphäre in der Felsenreitschule

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Anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums des Weihnachtsliedes „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ entstand auf Initiative des Intendanten des Salzburger Landestheaters, Carl Philip von Maldeghem, ein berührendes, modernes Weihnachtsmärchen.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Das glamouröse, aufwendig inszenierte Musical Play des renommierten Filmkomponisten John Debney begeisterte bei der Weltpremiere am 24. November 2018 das Publikum. Standing Ovations für die über 100 Mitwirkenden und das gesamte Leading Team.

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„Weihnachten liebt jeder außer mir!“ singt frustriert Justin, der lustlos im weihnachtlich dekorierten Kaufhaus seiner Eltern in Pittsburgh arbeitet. Obwohl bald 30 befindet er sich immer noch in der Findungsphase. Der Weihnachtsrummel setzt ihm immer besonders zu, denn dann erinnert er sich wieder an die österreichische Austauschschülerin Elisabeth Kärner, mit der als er 13-Jähriger ein Referat über das Lied „Stille Nacht“ gehalten hat.

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Dank Google ist die junge Dame schnell gefunden. Kurzentschlossen fliegt Justin nach Salzburg und trifft dort tatsächlich seine Jugendliebe wieder, die für ein Salzburger Musikfestival arbeitet. Er gibt sich jedoch nicht zu erkennen, sondern lässt sich als Chorleiter engagieren, um ihr vielleicht so wieder näherzukommen. Seine modernen Ideen kommen in Salzburg gar nicht gut an und so steht er bald ohne Chor da.

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Schließlich muss er sich mit einer bunt zusammengewürfelten Gruppe aus jungen Straßenmusikanten begnügen. Diese Band kann zwar bei Elisabeth punkten, doch ihre Mutter, eine gestrenge Verfechterin der Tradition, muss erst noch überzeugt werden. Der fiese, fremdenfeindliche Konzertmanager Hans (sehr überzeugend Sascha Oscar Weis) hat ein Auge auf Elisabeth geworfen und kämpft mit allen Mitteln um sie. Um seine Bandmitglieder vor der Abschiebung oder dem Gefängnis zu bewahren, erklärt sich Justin bereit, das Feld zu räumen, und kehrt in seine Heimat zurück. Damit sind die Kids aber gar nicht einverstanden. Sie schicken eine Videobotschaft nach Amerika, die ihn zurück nach Salzburg lockt. Einem Happy End sollte nichts mehr im Wege stehen.

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Das Musical Play „Meine Stille Nacht“ greift die in Salzburg immer aktuellen Spannungen zwischen innovativen Ideen und liebgewonnenen Traditionen auf. So wird Elisabeth (Milica Jovanović ) gleich zu Beginn von Journalisten niedergemacht, will sie doch tatsächlich das traditionelle Weihnachtskonzert in Salzburg modernisieren. „Nicht in Salzburg, was Neues ist hier tabu“ lautet der allgemeine Tenor. Auch die Schwierigkeiten mit Ausländern, Immigranten und Bettlern spielen in dem Stück eine große Rolle, denn Justin (Dominik Hess) gründet eine Band mit jungen Leuten, die alle etwas im Abseits stehen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten schweißt die Außenseiter, die sich „Allstars“ nennen, jedoch das gemeinsame Musizieren zusammen und so schaffen sie es sogar, Elisabeths Mutter, die etwas steife Frau Baronin (Bettina Mönch), zu überzeugen. Im Finale wird dann ein wunderbar kitschiges Krippenspiel von der jungen Band gestürmt und schließlich rocken Maria und Josef, viele kleine Schäfchen, Engel und sogar die Heiligen Drei Könige mit den „Allstars“.

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Das Salzburger Landestheater hat ein wahrhaft luxuriöses Weihnachtspaket geschnürt. Neben hochdekorierten Künstlern aus den USA, John Debney (Komposition), Hannah Friedman (Buch) und Siedah Garrett (Liedtexte), zeichnet auch ein hochkarätiges heimisches Team für den Erfolg verantwortlich. Andreas Gergen (Regie) gelingt gemeinsam mit den Videokünstlern von fettFilm (Bühne und Video) ein weihnachtliches Spektakel in Cinemascope, das mit wunderschönen Projektionen der Festspielstadt die große Bühne mit Leichtigkeit bezwingt. Ein eigenes Musical-Ensemble, das Ballett-Ensemble, ein Chor samt Extrachor sowie der Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor sorgen in der bewährten Choreografie von Kim Duddy dafür, dass die Friedensbotschaft mit enormer Power transportiert wird. Eine mit Skepsis erwartete Produktion wurde so zum Triumph.

„Meine Stille Nacht“ Musical Play von John Debney. Uraufführung am 24.11.2018 in der Felsenreitschule. Musikalische Leitung: John Debney / Robin Davis. Inszenierung: Andreas Gergen. Choreographie: Kim Duddy. Bühne und Videodesign: fettFilm. Kostüme: Regina Schill. Choreinstudierung: Stefan Müller. Mit: Dominik Hees, Milica Jovanović, Kurt Pavel Fieber, Marco Dott, Eleonora Talamini, Noah Obermair / Leonhard Radauer, Christine Rothacker, Michael Schober, Sascha Oskar Weis, Bettina Mönch, Franziska Becker, Julius von Maldeghem / Fabio Ziegler, Elisa Afie Agbaglah, Benjamin Aster / Leonhard Radauer, Ivan Vlatković, Savio David Byrczak, Johanna Melanie Maderegger / Franziska Stebler, Elias Karl / Paul Stein, Flora Menslin / Maria Straßl. Musical-Ensemble: Genia Maria Karasek, Oliver Mülich, Stefan Schmitz, Philipp Andreas Sievers, Dominik Tiefgraber. Ballett-Ensemble: Naila Fiol, Gabrielly Juvêncio, Mikino Karube, Karine de Matos, Diego da Cunha, Lucas Leonardo, Paulo Muniz, Pedro Pires. Orchester: Mozarteumorchester Salzburg. Chor: Chor des Salzburger Landestheaters. Kinderchor: Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor. Fotos: © Anna-Maria Löffelberger

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