Bank – Vom Sitzmöbel zum Geldinstitut

Bänke am Waldrand | Foto: Karl Traintinger| Dorfbild.com

Im Allgemeinen bezeichnet das Wort Bank ein längliches Sitzmöbel, auf dem mehrere Personen neben einander sitzen können. Das Wort kann aber auch eine Bezeichnung für Naturerscheinungen, Arbeitsflächen, Tische, Verkaufsstände oder Geldinstitute sein.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Mit dem Wort Bank wurde ursprünglich eine erhöhte Stelle bezeichnet, die sich zum Sitzen, Liegen oder Stellen eignete. Erhöhungen in der Landschaft oder in Gewässern werden bis heute Bank genannt. Eine Sandbank ist eine Erhöhung in einem Gewässer, größere Ansiedlungen von Austern und Muscheln werden Austernbank und Muschelbank genannt. Aber auch bei Wetterphänomenen finden sich Bänke. Eine Nebelbank ist eine größere Masse von Nebel, eine Wolkenbank eine ausgedehnte Wolkenmasse, die sich waagrecht über den Himmel erstreckt.

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Als Bezeichnung für Möbelstücke kann Bank sowohl ein Sitzmöbel als auch eine Liege bezeichnen. Daher unterscheiden wir zwischen Sitzbank und Liegebank. Der Unterschied dieser beiden Bänke liegt nicht nur in der Art der Nutzung, sondern auch in der Anzahl der Personen, für die das Möbel ausgelegt ist. Eine Liegebank ist meistens für eine Person gedacht. Auf einer Sitzbank können mehrere Personen Platz nehmen. Daher stammt auch der Ausdruck durch die Bank, der bereits im Mittelalter belegt ist. Sie waren alle durch die Bank ungeeignet bedeutet, keiner, der auf der Bank saß, war geeignet. Heute verwenden wir den Ausdruck mit der Bedeutung „ohne Ausnahme, ohne Unterschied“. So sagen wir beispielsweise das Obst war durch die Bank verdorben und meinen, das gesamte Obst war schlecht.

Die Redensart auf die lange Bank schieben bezieht sich nicht auf die Länge der Bank, sondern auf einen Zeitraum. Dieser Ausdruck geht auf die Bänke zurück, auf denen bei Gericht Angeklagte und Schöffen saßen. Auf die lange Bank schieben bedeutete ursprünglich, dass Gerichtsverhandlungen und Urteilsfindungen sich über einen längeren Zeitraum hinzogen. Heute können wir den Ausdruck in jedem beliebigen Zusammenhang verwenden, wenn wir etwas nicht sofort erledigen und über einen längeren Zeitraum hinauszögern.

Mit Bank wurden im Mittelalter auch die Arbeitstische von Handwerkern bezeichnet. Diese Verwendung des Wortes hat sich bis heute erhalten. Es gibt die Hobelbank des Tischlers, die Drechselbank des Drechslers oder die Schlachtbank des Fleischers. Auch die Verkaufstische von Kaufleuten und Händlern auf Märkten wurden Bank genannt. So gab es die Brotbänke der Bäcker, die Fleischbänke der Metzger oder die Wechselbänke der Geldwechsler. Mit der Bedeutung „Wechselbank“ gelangte das Wort Bank in die romanischen Sprachen, erhielt dort die Bedeutung „Institution des Geldhandels“ und begegnet uns heute im italienischen banca und im französischen banque. Mit der Bedeutung „Geldinstitut“ kam das Wort im 13. Jahrhundert wieder ins Deutsche zurück. Deshalb drücken wir heute für diese beiden Worte die Mehrzahl unterschiedlich aus. Wir sagen zwar die Bank steht in der Bank, aber in der Mehrzahl sagen wir die Bänke stehen in den Banken. Und auch das Wort Bankrott kam aus dem Italienischen ins Deutsche. Bankrott „Zahlungsunfähigkeit“ geht zurück auf das italienische bancarotta und bedeutet eigentlich „zerstörte Bank“.

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Dorfladen

1 Kommentar zu "Bank – Vom Sitzmöbel zum Geldinstitut"

  1. Wolfgang Ecker Wolfgang Ecker | 13. Januar 2020 um 18:19 |

    In Regensburg hat man uns bei einer Führung erzählt, gibt es den “grünen Tisch”. Dort sind Entscheidungen am grünen Tisch gefällt worden, denen oft der Bezug zur Wirklichkeit gefehlt hat. Im selben Raum befindet sich eine lange Bank. Dort sind Honoratioren gesessen, an diese wurden knifflige Fälle weitergeleitet. Sie wurden also auf die “lange Bank” geschoben.
    Ob die Geschichte stimmt oder nur eine gute Erfindung ist, weiß ich nicht.

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