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Das Finale

Trump. Das Finale

Es steht schon in der Bibel: „Denn sie säen Wind und werden Sturm ernten“ (Kapitel 8, Vers 7 Hos 8,7). Donald Trump ist ein schlechter Verlierer, das war zu befürchten. Aber so schlecht?

Der Sturm einiger seiner militanten Anhänger auf das Kapitol in Washington DC ist selbst für trumpsche Verhältnisse heftig. Im Aufruf zur Beruhigung der Lage im Kapitol spricht Trump zuerst von den “gestohlenen Wahlen” und fordert erst anschließend seine Anhänger mögen friedlich nach Hause gehen.

Es wird Zeit, dass die Ära Trump zu Ende geht. Er wird wohl in die Geschichte auch als gefährliche und unberechenbare Witzfigur eingehen.

“Make Amerika great again” ist zum Rohrkrepierer geworden. Kein amerikanischer Präsident vor ihm hat derartig viele politische Scherben national wie international hinterlassen, wie dieser narzistische Blondschopf. Die weltbeste Demokratie muss künftig wohl etwas an ihrem vorbildhaften Image feilen.

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Unwort

Mein Unwort für 2020

Ich habe lange hin- und herüberlegt, welches Wort mir letztes Jahr im öffentlichen Diskurs am meisten auf die Nerven gegangen ist. Und nein, Corona ist es nicht!

Mein Unwort ist Experte und dessen weibliche Form. Kaum steigt ein Politiker in den medialen Coronaring, werden Expertinnen und Experten zitiert. Ich kann das schon nicht mehr hören, dazu noch das unsägliche Gendern, einfach unerträglich. Es ist ja kaum zu glauben, wer alles im letzten Jahr zum Experten und zur Expertin geworden ist!

Wortspenden zur Pandemiebekämpfung sowohl von der Salzburger FPÖ-Chefin Marlene Svazek als auch von SPÖ-Frontmann David Egger können selbst von Kabarettisten nicht mehr getoppt werden!

Vorbei ist die Zeit der Fachleute, Spezialisten, Koryphäen, Sachkundigen und so weiter. Das Expertenzeitalter hat begonnen.

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Corona Xmas

Corona X-mas

Weihnachten steht unmittelbar vor der Tür, ebenso ein neuer Lockdown für Österreich. Das letzte Zusperren hat zu wenig gebracht. Es werden wohl doch ruhige Weihnachten und ein beschaulicher Silvester werden. Stille Nacht.

Die aktuellen Lockerungen bei uns im Land waren wohl eher ein Zugeständnis an die Wirtschaft als an die Epidemiologen. Die Seilbahnwirtschaft sieht im Hinblick auf die Schi-Openings Parallelen zum U-Bahnfahren, was die Ansteckungsgefahr betrifft.

Die Europäer warten sehnsüchtig auf einen Impfstoff, in manchen außereuropäischen Ländern hat die Vakzination der Menschen schon begonnen. Experten rechnen mit einer Entspannung der Pandemie-Situation frühestens im Herbst 2021.

Verschwörungstheoretiker, Aluhutträger und Impfgegner bereiten gemeinsame Aktivitäten vor, berichten gewöhnlich gut informierte Kreise und stimmen sich zu Weihnachten mit dem IGT 2020 darauf ein.

Tatsache ist, die Coronatodeszahlen und Neuinfektionen sind allerorts beängstigend hoch. Trotzdem, ohne eine funktionierende Wirtschaft wird die Pandemie auch nicht zu stemmen sein!


Corona Massentest

Corona Massentest

Dieser Tage gehen die von der Regierung verordneten, aber freiwilligen Massentests in Österreich zu Ende. Die Beteiligung der Bevölkerung war in Summe überschaubar.

Die Idee dahinter macht Sinn, jeder Virusträger, der gefunden wird, ist ein Spreader weniger. Nicht verstehen kann ich die Marktschreier, die gegen Corona-Tests wettern. Damit kann man nicht einmal politisches Kleinholz gewinnen. Ja, es gibt falsch positive und falsch negative Tests. Das ändert nichts an der Tatsache, dass Tests im Rahmen der Pandemiebekämpfung wichtig sind.

Auch die Streitereien im Parlament rund um das Coronavirus machen die Pandemiebekämpfung nicht einfacher. Das fängt beim Testen an und hört beim Impfen auf. Woran soll sich ein Laie orientieren?

Wesentlich ist, dass hinter der Testerei eine vernünftige Strategie steht und es nicht bei einer Eintagsfliege bleibt. Ich gehe davon aus, dass die Verantwortlichen wissen, was sie tun.

Warum die Beteiligung bescheiden ist, ist logisch. Testen lassen sich die vorsichtigen, gesunden Menschen, die keine Angst um den Arbeitsplatz haben. Alle die, die ohnedies am wirtschaftlichen Abgrund stehen und eine Quarantäne befürchten müssen, werden nicht zulassen, dass irgendwer aus der Familie zum Test geht.

Ich persönlich bin nicht zum Test gegangen, weil bei mir in der Firma wöchentlich getestet wird.

Für Interssierte: Phase III – Studie vom BionTech/Pfizer – Impfstoff im NEJM


KHG Grasser

KHG. Intelligent, schön, schuldig.

Es ist kaum zu glauben, aber diese Woche ist der BUWOG Prozess rund um den ehemaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser mit Schuldsprüchen zu Ende gegangen.

Es gab lange Gesichter bei der Urteilsvrkündigung, die als unkaputtbar erscheinende Marke KHG wurde zerbröselt. Die Mühlen der Justiz haben langsam, dafür aber sehr gründlich gemahlen. Freilich ist es noch nicht vorbei, die Urteile werden auf jeden Fall angefochten.

Trotzdem, ein erster Schritt in die richtige Richtung wurde gemacht und das ist gut so.

Karl-Heinz Grasser in der Dorfzeitung >


Corona alpin

Corona “alpin”

Die heurige Schisaison steht inneralpin unmittelbar vor der Tür. Mehr oder weniger. Touristiker, Hoteliers, Wirte und Liftler träumen noch immer von einer vielleicht zu rettenden Saison.

So richtig daran glauben kann man aber eher nicht, ein zeitverzögerter Start irgendwann im Jänner erscheint nicht ganz unwahrscheinlich. Einige EU-Staatsmänner möchten die Schisaison europaweit frühestens im Jänner starten.

Manche europäische Nachbarn sehen den österreichischen Schiwinter ganz anders und bringen gebetsmühlenartig immer wieder Ischgl ins Gespräch. Das Krisenmanagement rund um diese Tiroler Gemeinde war eher suboptimal, dafür aber imagemäßig extrem nachhaltig.

Freilich war Ischgl nicht der Auslöser der Corona-Pandemie. Auch das Schifahren an sich nicht.

Nachdenken könnte man jetzt aber schon über die Dimension des ganzen Vermarktens der Berge. Was muss noch alles touristisch erschlossen werden, bevor der Klimawandel die Schneekanonen-Speicherseen zu hochalpinen Badeseen werden lässt?

Ist Wachstum um jeden Preis wirklich so erstrebenswert? Mediziner sprechen bei grenzenlosem, wucherndem Zellwachstum oft von Krebs.


Der systemrelevante Einkaufszettel

Der system-relevante Einkaufszettel

Der aktuelle Corona-Lockdown trägt auch zur staatsbürgerlichen Allgemeinbildung bei. Er zeigt auf, was im Notfall alles systemrelevant ist. Zivilschutztechnische Wissenslücken der Bevölkerung können so geschlossen werden.

Die Öffnung der Lebensmittelgeschäfte ist logisch. Die Trafiken müssen das Volk mit legalen Drogen beruhigen. Naja. Die Reisebüros können zwar nichts verkaufen, da man ohnedies nirgends hinfliegen darf. Da geht es offensichtlich um Illusionen.

Eher schwieriger zu verstehen ist es, wozu man in Zeiten wie diesen offene Waffengeschäfte braucht, wir sind ja nicht im Amiland. Die systemrelevante Pirsch könnte sicherlich auch eine Auszeit vertragen.

Jagdliche Schalldämpfer >

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Blaupfeiferling

Blaues Covid-Gezwitscher

Man muss in Zeiten wie diesen nicht alles verstehen. Da ist einmal die Salzburger FPÖ, deren Chefin “die Pandemie durchpfeifen lassen” möchte, wie kürzlich in einem SN-Interview zu lesen war.

Es ist schon verständlich, dass es als politisch unwichtige Partei schwierig ist, medial zu punkten. Trotzdem, etwas speziell ist diese Meldung angesichts der sich stetig füllenden Spitäler schon.

Auf der anderen Seite sind Möbelhaus-Eröffnungen mit 8500 Besuchern erlaubt. Zuhauf drängten sich die einkaufswilligen Gäste durch die Gänge mit gröberen Staus an den Kassen. Besuchertrauben vorm Hendlstand ließen Corona scheinbar vergessen.

Das sind schon eher sehr schwierige Botschaften, die da ausgesendet werden.

Alle Kulturveranstaltungen sind abgesagt. Vor einigen Wochen besuchte ich eine Vorstellung im Salzburger Landestheater. Mit dem ausgeklügelten Hygieneplan (personalisierte Sitzplätze, Abstand, Maskenpflicht, …) fühlte ich mich dort sehr sicher. In Lockdownzeiten wie diesen gäbe es zudem davor und danach keinen Gasthausbesuch.

Wieso sollte ein Theaterbesuch unter Einhaltung aller Hygieneregeln gefährlicher sein als eine Möbelhauseröffnung?

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Amerika hat gewählt

Amerika hat gewählt

Die weltbeste Demokratie hat gewählt. Und wie nicht anders zu erwarten war, fängt jetzt der Zirkus erst so richtig an.

Der Twitter-Mann im Weißen Haus läuft in Höchstform auf und stellt noch am Wahlabend fest, er hätte gewonnen. Daher könnte man seiner meinung nach eigentlich sofort mit der Stimmenauszählung aufhören und so einem möglichen Wahlbetrug vorbeugen. Ein Schelm, wer an Bananenrepubliken denkt.

Das ist natürlich schon ein etwas spezielles Demokratieverständnis, passt aber perfekt zum Narzissten Donald Trump. Wie es sich gegenwärtig darstellt, werden die Gerichte demnächst reichlich Arbeit bekommen, hat Trump doch schon vor der Wahl verkündet, falls er nicht gewinnt, kann es sich nur um Wahlbetrug handeln.

Das uralte, amerikanische 2-Parteiensystem hat mit modernen europäischen Demokratien eher sehr wenig gemein. Es ist schwierig zu verstehen, warum die Bewohner des Amilandes glauben, ihre Demokratie wäre vorbildhaft.

Die Querelen rund um die Wahl wären nicht so dramatisch, ginge es nur um den Stammeshäuptling von Hintertupfing und nicht um einen der mächtigsten Männer der Welt.

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Reisewarnungslotterie

Europas Reisewarnungslotterie

Natürlich geht es in erster Linie um die Gesundheit, das ist ja gar keine Frage. Ganzheitlich gesehen geht das aber nur dann, wenn auch die Marie gesund ist.

So wirklich nachzuvollziehen sind die ganzen Reisewarnungen in Europa epidemiologisch nicht immer, oft hat man den Eindruck, es könnten in Wirklichkeit ganz einfach wirtschaftliche Interessen dahinter stehen. Ich erinnere mich noch sinngemäß an die Söder-Aussage: Urlauben kann man auch in Bayern, dazu braucht es Österreich nicht.

So richtig zurückhaltend waren aber unsere Gott-Obersten im Sommer auch nicht mit ihren Reisewarnungen. Daher ist es nicht unlogisch, wenn die Reisewarnungen für die österreichischen Schigebiete nur sehr zögerlich, wenn überhaupt, aufgehoben werden. Die Nachwehen von Ischgl kommen offensichtlich in schmerzhaften Wellen daher.

Die aktuelle Corona-Pandemie könnte eine Chance für ein starkes, gemeinsames Europa werden. Es wird spannend, ob sie genützt wird.

Info zu Marie >

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Opernball

Corona und der Opernball

Alles Walzer?

Jetzt ist es doch tatsächlich passiert, der weltberühmte Wiener Opernball wurde coronabedingt abgesagt. Angeblich sind die notwendigen Coronamaßnahmen nicht umzusetzen und eine große Familie sind die Ballbesucher ja auch nicht, obwohl es ab und an den Anschein hatte.

Mörtl Lugner und mit ihm die funkelnde Glitzerwelt trifft es wohl am härtesten, kann er doch diesmal keinen Promigast präsentieren. Schillernde Adabeis gibt es auch keine.

Spannend wäre es schon gewesen, jeden Ballbesucher zu testen und Listen darüber zu führen, wer gerade wo mit wem wie unterwegs ist.

Den frei werdenden Fernsehplatz könnte der ORF mit Coronastatistiken und möglichen Anstreckungsszenarien am nicht stattfindenden Ball füllen. Anstatt der Opernballdemonstanten könnten Corona-Verschwörungstheoretiker zu Wort kommen.

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Luis Stabauer

Luis Stabauer: Brüchige Zeiten

Luis Stabauer: Brüchige Zeiten

Autor: Luis Stabauer
Titel: Brüchige Zeiten
ISBN: 978-3-99012-809-1
Verlag: Hollitzer Verlag
Erschienen: 2020

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Klappentext:

Lucía ist vierzig, als sie ihren Job verliert. Auch ihr 17-jähriger Sohn kommt ihr abhanden, er driftet nach rechts, wird Mitglied der Identitären Bewegung.

Der Mann und Vater hat die Familie schon vor Jahren verlassen. Lucía befreit sich von alten Zwängen und Vorstellungen, tauscht ihre Wohnung gegen ein Wohnmobil und bricht auf. Quer durch Europa begibt sie sich auf die Suche nach einer möglichen Zukunft – für sich, aber auch für die anderen, für alle.

Zurück in Wien, wird sie nach einer politischen Aktion verhaftet und landet im Frauengefängnis Schwarzau. Danach verlässt sie Österreich in Richtung Bulgarien. Ihrem Sohn, dessen politische Karriere inzwischen steil nach oben geht und der nun die Chance hat, im Bundeskanzleramt mitzumischen, ist sie trotzdem ein Hindernis.

Anni Lemberger

Rezension von Anni Lemberger

Fabian, genannt Faber, der Sohn von Lucia findet in Hermann einen väterlichen Freund, der immer für ihn da ist und den er selbstverständlich auch nachts anrufen darf, wenn ihm danach ist. Enttäuscht von seinen getrennt lebenden Eltern, die sich aber in der Sache einig sind, dass Fabian während der Woche in einem katholischen Internat leben soll („sei nicht so zimperlich, das Leben ist nun mal kein Honiglecken“, sagte der Vater). Und die Mutter unterrichtete in „seiner“ Schule und hatte ihn ständig unter Beobachtung.

Da kam das Angebot von Hermann, seinem Busfahrer gerade richtig. Der Weg zu den Identitären und ihrer rechten Orientierung war somit offen.

Als die Mutter die Fahnen dieser rechten Bewegung bei Fabian findet, wirft sie aus der Wohnung. Er zieht für die internatsfreie Zeit am Wochenende, beim, ebenfalls rechts orientierten, Vater ein.

Die Verbindung zur Mutter bricht ab und es dauert viele Jahre bis sie wieder einen Weg zueinander finden.

Während Lucia, eine Frau mit spanischen Wurzeln, deren Eltern der Francodiktatur entronnen sind, auf ihrem Weg durch Europa den Multikulturellen Weg sucht, trifftet Fabian immer mehr in die rechte Ecke ab – unterstützt von einem rechts denkenden Bundeskanzler.

Erst als Faber den dunkelhäutigen Bayern Fußballspieler Kanios kennen- und schätzen lernt, beginnt sich sein Weltbild zu ändern….

Das Buch endet mit dem Jahr 2026. Der Autor zeichnet ein Horrorszenario, wie es Orwells Buch entsprungen sein könnte. Die „Rechten“ dominieren Europa und lehnen alle Andersdenkenden ab. Erst als das Fremde und „Anders – Aussehende“ in Form von Kaino einen Namen und eine Persönlichkeit bekommt, hört es auf „fremd und anders“ zu sein. 

Ein Buch, das nachdenklich und hoffend zugleich macht – absolut empfehlenswert.