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Opernball

Corona und der Opernball

Alles Walzer?

Jetzt ist es doch tatsächlich passiert, der weltberühmte Wiener Opernball wurde coronabedingt abgesagt. Angeblich sind die notwendigen Coronamaßnahmen nicht umzusetzen und eine große Familie sind die Ballbesucher ja auch nicht, obwohl es ab und an den Anschein hatte.

Mörtl Lugner und mit ihm die funkelnde Glitzerwelt trifft es wohl am härtesten, kann er doch diesmal keinen Promigast präsentieren. Schillernde Adabeis gibt es auch keine.

Spannend wäre es schon gewesen, jeden Ballbesucher zu testen und Listen darüber zu führen, wer gerade wo mit wem wie unterwegs ist.

Den frei werdenden Fernsehplatz könnte der ORF mit Coronastatistiken und möglichen Anstreckungsszenarien am nicht stattfindenden Ball füllen. Anstatt der Opernballdemonstanten könnten Corona-Verschwörungstheoretiker zu Wort kommen.


Luis Stabauer

Luis Stabauer: Brüchige Zeiten

Luis Stabauer: Brüchige Zeiten

Autor: Luis Stabauer
Titel: Brüchige Zeiten
ISBN: 978-3-99012-809-1
Verlag: Hollitzer Verlag
Erschienen: 2020

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Klappentext:

Lucía ist vierzig, als sie ihren Job verliert. Auch ihr 17-jähriger Sohn kommt ihr abhanden, er driftet nach rechts, wird Mitglied der Identitären Bewegung.

Der Mann und Vater hat die Familie schon vor Jahren verlassen. Lucía befreit sich von alten Zwängen und Vorstellungen, tauscht ihre Wohnung gegen ein Wohnmobil und bricht auf. Quer durch Europa begibt sie sich auf die Suche nach einer möglichen Zukunft – für sich, aber auch für die anderen, für alle.

Zurück in Wien, wird sie nach einer politischen Aktion verhaftet und landet im Frauengefängnis Schwarzau. Danach verlässt sie Österreich in Richtung Bulgarien. Ihrem Sohn, dessen politische Karriere inzwischen steil nach oben geht und der nun die Chance hat, im Bundeskanzleramt mitzumischen, ist sie trotzdem ein Hindernis.

Anni Lemberger

Rezension von Anni Lemberger

Fabian, genannt Faber, der Sohn von Lucia findet in Hermann einen väterlichen Freund, der immer für ihn da ist und den er selbstverständlich auch nachts anrufen darf, wenn ihm danach ist. Enttäuscht von seinen getrennt lebenden Eltern, die sich aber in der Sache einig sind, dass Fabian während der Woche in einem katholischen Internat leben soll („sei nicht so zimperlich, das Leben ist nun mal kein Honiglecken“, sagte der Vater). Und die Mutter unterrichtete in „seiner“ Schule und hatte ihn ständig unter Beobachtung.

Da kam das Angebot von Hermann, seinem Busfahrer gerade richtig. Der Weg zu den Identitären und ihrer rechten Orientierung war somit offen.

Als die Mutter die Fahnen dieser rechten Bewegung bei Fabian findet, wirft sie aus der Wohnung. Er zieht für die internatsfreie Zeit am Wochenende, beim, ebenfalls rechts orientierten, Vater ein.

Die Verbindung zur Mutter bricht ab und es dauert viele Jahre bis sie wieder einen Weg zueinander finden.

Während Lucia, eine Frau mit spanischen Wurzeln, deren Eltern der Francodiktatur entronnen sind, auf ihrem Weg durch Europa den Multikulturellen Weg sucht, trifftet Fabian immer mehr in die rechte Ecke ab – unterstützt von einem rechts denkenden Bundeskanzler.

Erst als Faber den dunkelhäutigen Bayern Fußballspieler Kanios kennen- und schätzen lernt, beginnt sich sein Weltbild zu ändern….

Das Buch endet mit dem Jahr 2026. Der Autor zeichnet ein Horrorszenario, wie es Orwells Buch entsprungen sein könnte. Die „Rechten“ dominieren Europa und lehnen alle Andersdenkenden ab. Erst als das Fremde und „Anders – Aussehende“ in Form von Kaino einen Namen und eine Persönlichkeit bekommt, hört es auf „fremd und anders“ zu sein. 

Ein Buch, das nachdenklich und hoffend zugleich macht – absolut empfehlenswert.


Coronaampel

Der Ampelmann

Die Einführung der neuen “Corona-Ampel” steht unmittelbar bevor. Die Neugierde darüber, was da wohl daherkommt, ist schier unerträglich.

Wer, was, wann, wo? Wird es einen ampeltechnischen, österreichweiten Fleckerteppich geben? Kann es sein, dass der Bezirkshauptmann aus Hintertupfing noch nicht genau weiß, wie es ganz genau funktionieren wird?

Minister Anschober betont gebetsmühlenartig, dass es in Abstimmung mit den Epidemie-Experten und unter Einbindung der aktuellsten COVID-Daten am Freitag zum Aktivieren der Corona-Ampel kommen wird. Wie bei jeder Ampel, wird die Farbschaltung auf die jeweilige Situation angepasst, eigentlich genau so wie im Straßenverkehr. Eine spätestens zur Aktivierung veröffentlichte ToDo-Liste soll die zur jeweiligen Ampelfarbe notwendigen Maßnahmen erklären.

Die Idee mit der Ampel ist sehr gut, ich hoffe, dass es ein guter Weg in ein klein wenig mehr Normalität sein wird! (kat)


Die Mattersburg Kicker

Treffen sich zwei Mattersburger beim Würstlstand am Fussballplatz der örtlichen Sportvereinigung auf einen Spritzwein.

Sagt der eine zum andern: “Was glaubst, wie lange werden sich unsere Burschen noch in der Bundesliga halten?” Meint der andere süffisant: “Bis sie uns dawischen.”

Postskriptum

Martin Pucher, dem Chef der Commerzbank Mattersburg, der zugleich Präsident des SV Mattersburg war, wurde im Juli/ August 2020 nahegelegt, das Sponsoring des Vereines einzustellen und sich auf eine längere Dienstreise vorzubereiten.


Corona macht es möglich

Es gab Zeiten, da wurden Bankdirektoren sehr nervös, wenn maskierte Gestalten die Kassenhalle betraten. Heute ist es genau umgekehrt: Das Betreten eines Geldinstitutes ohne Gesichtsmaske ist verboten.

Der Grund ist pandemiebedingt logisch, die Coronainfektionszahlen steigen wieder und daher hat die Regierung das Tragen eines Nasen-/ Mundschutzes neuerlich verordnet.

Das Virus weilt nach wie vor unter uns und wartet auf seine Chance.

Es müssen alle Möglichkeiten zur Verhinderung einer größeren Ausbreitung genutzt werden! Daher sind diese ganz speziellen Gesichts-Verkleidungen durchaus sinnvoll, wiewohl nur mäßig beliebt.

Infos zur Stopp Corona App >


Donald´s Maske

Donald´s Maske

Der amerikanische Präsident hat es gemacht. Vor einigen Tagen hat er sich in aller Öffentlichkeit mit einer Nasen-/ Mundmaske gezeigt.

Er glaubt zwar noch immer, dass das Coronavirus nicht gefährlich ist. Seine großzügigerweise den Medizinern vorgeschlagenen Therapieansätze, wie zum Beispiel die Injektion von Desinfektionsmitteln, haben diese ja auch nicht ernst genommen. Und in Wirklichkeit sind an dem Dilemma ohnedies nur die Chinesen schuld.

Es sind aber Wahlen in Sicht und da gelten selbst für Donald Trump andere Regeln. Die US amerikanischen Pandemiezahlen beeindrucken ihn aber offensichtlich deutlich weniger als eine mögliche Wahlniederlage!


Das Flucht-, Panik- oder “eh schon wurscht” Seiterl

Ja, PolitkerInnen sind auch nur Menschen, auch solche außer Dienst. Trotzdem sollten sie sich vorbildlich an die für alle Autofahrer geltenden Gesetze halten und kein zweites Bierlein zum Abschied trinken.

So mancher Prominente durfte schon den Führerschein für eine mehr oder weniger lange Zeit zur sicheren Verwahrung abgeben.

Die öffentliche Diskussion über das gar nicht beispielhafte Verhalten trifft die Damen und Herren weit mehr als die verhängte Geldstrafe.

Die Frage des Durstes ist dabei in der Regel nebensächlich.


Strache und die Potenz dr FPÖ

Strache und die Potenz der FPÖ

“Pikante Vorwürfe im Spesen-Skandal um Strache. Partei zahlte für Sex-Pillen” konnte man am Freitag in der Kronenzeitung lesen. Die Aufarbeitung der Probleme rund um den ehemaligen FPÖ Chef treibt bizarre Blüten.

Vergessen ist die Zeit, als er der nach Knittelfeld am Boden liegenden FPÖ zu einem sensationellen, für die politischen Gegner beunruhigenden Höhenflug verhalf. Offensichtlich war er seiner Zeit weit voraus, als er sich damals schon nachhaltig um neue Parteimitglieder bemühte.

Denkt man an seine zahlreichen Auftritte beispielsweise in Bierzelten und anderen Massenveranstaltungen, dann ist es doch verständlich, dass er jede nur erdenkliche Hilfe annahm, um “seinen Mann zu stellen”. In den Ausbau der kommenden Fangemeinde wurde kräftig investiert. Was soll daran falsch gewesen sein? Jetzt mit dem Groschenzählen anzufangen ist doch Kleinkrämerei. Oder?


Und Trump twittert

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind anders. Waren es immer schon. Das ist die einzig logische Erklärung für den latenten Alltagsrassismus und die Tatsache, dass Donald Trump der Präsident ist.

Es kommt immer wieder zu tätlichen Polizeiübergriffen gegen Nicht-Weiße, selbst die COVID-Pandemie und die Arbeitslosigkeit trifft die farbige Bevölkerung weit härter. Unruhen sind da vorprogrammiert.

Dazu kommt dann noch ein Präsident Donald Trump (73), der nicht deeskaliert, sondern mit seinen Tweets sinnlos Öl ins Feuer gießt. Ein gefährlicher Mann am falschen Platz. Wenn ein Präsident der eigenen Bevölkerung mit dem schwer bewaffneten Militär droht, hat er für mich seine Legitimation als Staatschef verloren.

Und zu guter Letzt wird er womöglich sogar die kommende Präsidenten-Wahl erneut gewinnen. So wirklich erst zu nehmen ist sein Gegner Joe Biden (77) leider auch nicht.

Wieso die Amis glauben, sie hätten die beste Demokratie der Welt, verstehe ich nicht.


Politische Gustostückerl

Politische Gustostückerl

In Copronazeiten wie diesen werden von der Politik auch in Österreich Glanzleistungen verlangt, es geht schließlich um das Wohl der Bevölkerung. Da kann es offensichtlich schon einmal zu interessanten Verhaltensweisen kommen.

Der hochgeschätze Bundespräsident Alexander van der Bellen “verratscht” sich und bleibt mit seiner Frau und ihrer Tischgesellschaft beim Wirt´n bis halb Eins in der Nacht sitzen, trotz bestehender Ausgangsbeschränkung bis 23 Uhr. Für mich unverständlich, so etwas darf einem Bundespräsidenten ganz einfach nicht passieren, ohne wenn und aber.

Finanzminister Blümel schaffte es nicht, korrekte Budgetzahlen zu präsentieren. Auch wenn das Budget letztendlich doch beschlossen wurde, sechs Nullen sollte man nicht vergessen.

Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl in den Salzburger Nachrichten: “Ich halte an den Flügen (von Salzburg, Red.) nach Wien fest, so lange es geht”. Umweltschutz ist offensichtlich kein vordringliches Thema für ihm. So nebenbei, der ÖBB-Railjet fährt diese Strecke in 2:20 Stunden.


Die Corona Impfung

Die Corona-Impfung

Die Fallzahlen in Österreich sind stabil niedrig, so nach und nach werden die “Maßnahmen” zur Verhinderung der Ausbreitung der Pandemie herunter gefahren. Das nächste Ziel sollte sein, das Virus wieder los zu werden.

Eine Seuchenbekämpfung funktioniert mehr oder weniger immer nach dem gleichen Prinzip, es gibt im Wesentlichen genau 2 Möglichkeiten: Erstens man versucht, die Krankheitsträger und damit auch den Erreger los zu werden. Merzung ist hier das Schlagwort, eingesetzt wird diese Methode bei Tieren (Beispiel Schweinepest), im humanen Bereich ist sie eher nicht geeignet.

Hier kommt die zweite Methode zum Tragen, man braucht die sogenannte Herdenimmunität. Die kann man wiederum über 2 Wege erreichen: über eine Durchseuchung der Polulation und über eine Impfung. Die Szenarien der Durchseuchung sind unterschiedlich dramatisch, die Anzahl der Opfer ist von einigen mehr oder weniger gut beeinflussbaren Faktoren abhängig.

Aktuell wird weltweit nach einer wirksamen Impfung gegen Corona gesucht. Gegen wir davon aus, dass sie gut Immunität bildend sein wird und der Schutz auch einige Zeit anhält. Es stellen sich dann in weiterer Folge einige interessante Fragen: Wer wird geimpft? Zu welchem Preis? Kommt eine Zwangsimpfung für die gesamte Bevölkerung? Gibt es bevorzugte Personen? Donald Trump und Co?

Wichtig wäre es, vorerst einmal eine leistbare Therapie zu finden, mit der man das Virus wirkungsvoll bekämpfen kann, damit wären die Optionen für eine saubere Impflösung wohl deutlich besser.


Löwenzahn - Corona

Coronale Disruptionen

Ab 16. März war klar: Aufgrund der Corona-Pandemie kommt es zu einem lockdown mit einem Verbot öffentlicher Veranstaltungen. Von nun an hatten die Virologen, Mathematiker und Gesundheitspolitiker das Sagen. Vieles andere war von da an – wenn nicht kritische Infrastruktur oder systemrelevantes Schlüsselpersonal – sekundär.

Karl Bauer

Von Karl Bauer

Wirtschaft, Schulen, Sport, Konsum und Kultur standen von einem Tag auf den anderen still, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit stiegen vorübergehend an. Alles richtete sich auf die Bekämpfung der Virusausbreitung aus, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten und alte bzw. vorbelastete Menschen nicht zu gefährden. Das Ausgehen ohne einem der vier genannten Gründe wurde deshalb verboten und bestraft, einige fürchteten sogar einen Verlust unserer demokratischen Grundrechte. Der Lebensalltag verlegte sich nach Hause, wo neue Probleme warteten: Ständiges Zusammenleben in der Familie in einer engen Wohnung bzw. Einsamkeit, tägliches Kochen statt konsumieren, eingeschränkter Lebensraum und home-office. Eine Folge ist der sprunghafte Anstieg von Telefonaten, Internet, social media und von Videokonferenzen.

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Nach dem relativ schnell gelungenen Abflachen der Infektionskurve und hunderter Todesfälle beginnt man nun mit stufenweisen Lockerungen des lockdowns, wissend, dass es jederzeit und überall zu einem Wiederausbruch durch Bildung von Hot-spots kommen könnte. Veranstaltungen sind bis auf weiteres verboten und treffen gerade Sport und Kultur hart. Aufführungen, Ausstellungen und Konzerte bleiben im Kulturland Österreich geschlossen und haben schwerwiegende Folgen auf die dort Beschäftigten oder Freiberufler, die gesamte Branche stöhnt unter dem Stillstand und auch das (v.a. internationale) Publikum bleibt aus. Andererseits gelten die allgemein zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der Kurzarbeit auch hier. Damit hat die Kultur nicht gerechnet, war nicht vorbereitet und ist erst nach einer einmonatigen Schrecksekunde wach geworden. Kulturmedizinisch werden uns längerfristig chronische Auswirkungen in Form von andauernden Gleichgewichtsstörungen verfolgen, bis sich eine belastbare Resistenz gegenüber der Krise entwickelt. Der Angst vor dem Virustod folgt nun die Angst vor einem Kulturtod, dem ein (äußerst seltener) shockdown-Infarkt vorausging.

Wie kann sich unter diesen Umständen die Kunst neu definieren, neu erfinden, welche Antworten gibt es aus der Szene und der Politik? Die Kulturpolitik war bisher schon sehr ausdifferenziert und hat die Hochkultur im Kulturland Österreich dominiert. Kleine, regionale Initiativen oder EPUs haben es da schwerer, die Voraussetzungen zu erfüllen und werden meist nur projektbezogen gefördert, was ihnen in krisenhaften Zeiten auf den Kopf fällt. Reflexartig wurde mit traditionellen Politikerbeschimpfungen und mit Forderungen nach einem bedingungslosen Grundeinkommen begonnen, frei nach der ewig erhobenen, gebetsmühlenartigen Litanei, die schon aufgrund jahrzehntelanger Wiederholungen nicht mehr wahrgenommen wird. Ohne zuvor konkrete Vorschläge kooperativ zu erarbeiten, haben sich einzelne Kulturgrößen für sich wortgewaltig, aber ergebnisoffen zur weiteren Vorgehensweise exponiert.  Es verwundert auch, dass die Bundespolitik die Kulturszene von sich aus bislang wenig beachtet hat und deren Vertreter noch eher “grün” sind. Regelungen für Kurzarbeit und Härtefälle werden vom Bund zwar angeboten, dringliche Lösungen für EPU blieben bislang offen. Auf steirischer Landesebene sichert man  zwar die laufenden Projekte ab, steht aber prekären Lebenssituationen bzw. den dahinterstehenden Menschen passiv gegenüber. Eine Corona-Stiftung und Soforthilfen werden nun angeboten, die Ausschreibung zur Errichtung von “Coronadenkmälern” fällt da ob ihrer Originalität auf. Vergleichend sei auch ein Lichtblick nach Wien erlaubt, wo zumindest die Fiakerpferde einen 250.- Futtergutschein bekommen, in Salzburg sind es noch 140.-! – Was für ein Hohn den Künstler_innen gegenüber! Und auf Gemeindeebene – ausserhalb der großen Kulturhauptstädte – kann man ja den üblichen Heizkostenzuschuss, den Sozialladen oder die Gratis-Lebensmittelzustellung in Anspruch nehmen.

Kunst und Krise passen nicht zusammen; noch dazu, wenn sie plötzlich kommt und sie unvorbereitet trifft. Was aber tun, wenn sich die Prioritäten ändern und das Einkommen bzw. die Wohlfühlfunktionen eingeschränkt werden? Die Kunst lotet meist bewusst die Grenzen aus, Künstler_innen sind oft Grenzgänger und einer Krise existentiell ausgeliefert.  Als kulturelle Präventionsmöglichkeit kann man sich als Kunstschaffende/r als auch -konsument/-in in Heimarbeit (auch mit online-Aktivitäten) flüchten, reflektieren, auftanken, spezialisieren, probieren….! Das schärft zwar den Blick und die Technik, schafft aber noch keine Wertschöpfung. Mögen dabei die Reproduktionsraten (welche auch immer) steigen, als Künstler/-in braucht man auch Einnahmen, die vom Verkauf der Werke kommen sollten. Dies setzt ein platziertes Anbieten und eine Nachfrage voraus, die mit (Eigen-) Werbung ergänzt werden soll. Gratis-Balkonkonzerte, virtuelle Galerieführungen oder online-Lesungen bringen nichts, solange die Besucher keinen Eintritt bezahlen oder kaufen können. Beim Kunstkonsum daheim fehlt es auch an Kommunikation und am Buffeterlebnis.  Kunst allein zu produzieren macht evtl. Spass, Kunst allein zu konsumieren eher nicht. Gerade in dieser Krise hat die Kunst aber eine neue Bedeutung und Aufmerksamkeit gewonnen: Wer von uns hat nicht im lockdown mehrere Bücher gelesen, Musik gehört oder virtuelle Ausstellungen besucht? Diese neue Bedeutung der Netzkunst müsste jedenfalls neu definiert und kommerziell zugänglich und genützt werden, um in Zukunft krisenfester zu werden. Dafür müsste das Publikum bereit sein, kleine Beträge zu bezahlen. Der ORF überträgt zwar exklusive Opern und Kabarettprogramme, regionale Festivals gehen dabei leer aus. Genauso wichtig wird es sein, online-Diskussionen, Videokonferenzen, usw., anzubieten, um sich fachlich auszutauschen oder zu planen.

Die Tatsache, keine Rücklagen für schlechte Zeiten angespart zu haben und dadurch in Krisenzeiten wenig resistent zu sein, ist in der Wirtschaft längst bekannt. Deswegen versucht man dort auch, die Liquidität zu erhalten, was in der Kultur bislang auf allen Ebenen unbekannt scheint. Die persönliche Durchhaltefähigkeit ist dann begrenzt, wenn man nur in der Gegenwart und ohne persönliche Sicherheiten lebt, um plötzlich festzustellen zu müssen, dass die elementaren Bedürfnisse nicht länger erfüllt werden können. Hier liegt es an uns allen, unsere Umgebung dahingehend zu beobachten, eine menschliche Notlage zu erkennen und direkt zu helfen. Die Gemeinden sollten dabei einem sozialem Abtriften rechtzeitig entgegenwirken, eine Notversorgung anbieten und damit die biologische Überlebensfähigkeit prekärer Lebensmodelle auf Zeit absichern – sie tun dies schon in der Jugendarbeit, bei Drogenabhängigen oder Obdachlosen. Dann wird uns auch klar: Die saturierte, grenzenlose Spaßgesellschaft wie vorher wird es so nicht mehr geben können, es braucht mehr Achtsamkeit, Perspektive, Kooperationswillen und Wertschätzung!

Ob Kunst und Kultur ein Lebens- oder Genussmittel sind, darüber kann man nicht nur in Salzburg herzhaft streiten, aber:

„Der tiefere Skandal liegt darin, dass die Kunst Verschwendung ist. Zum physischen Überleben brauchen sie wir nicht. Was der Mensch zum Überleben braucht, sind Brot und Früchte und sauberes Wasser, und tatsächlich leben auf diesem Planeten Abertausende, denen Brot und Früchte, denen insbesondere das saubere Wasser fehlt. Das einzige, was nirgendwo zu fehlen scheint, sind die Kalaschnikows.” (Peter von Matt, Eröffnungsrede bei den Salzburger Festspielen, 2012, in: Kleine Ztg. vom 28.7.2012).