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Die Thüringer haben Ende letzten Jahres einen neuen Landtag gewählt. Das Wahlergebnis stärkte in erster Linie die AfD, ein klein wenig die Linke und noch ein bisschen weniger die FDP. Alle anderen haben verloren.

Nichts desto trotz haben die Abgeordneten mit den Stimmen der AfD, FDP und CDU Herrn Kemmerich von der FDP zum Ministerpräsidenten gewählt, dessen Partei immerhin 5% der Wählerstimmen erreicht hatte.

Ob das mit dem kürzlichen Besuch von Herbert Kickl bei der AfD zusammenhängt weiß niemand. Wahrscheinlich ist es nur ein Zufall.

Schräg ist diese Ministerpräsidentenkür allemal. Freilich ist Kemmerich zwischenzeitlich zurück getreten und dicke Gewitterwolken ziehen in manchen Parteizentralen auf. Die Stimmen von AfD und FDP allein hätten nicht gereicht, es gab offensichtlich Helferleins. in Europa spricht auch niemand mehr von Sanktionen. Das Gezetere der Polulisten ist normal geworden.

Fakt ist aber, der gesinnungstechnische Rechtsruck in Europa ist schon lange nicht mehr auf ein einzelnes Land oder eine Region beschränkt und das sollte Sorge bereiten.


Autobahn

Meine Gedanken schweifen um Sprache.
Sprache enthüllt. Sprache zieht Vorhänge zur Seite. Sprache macht sichtbar.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg & Sarród

Words cut deeper than a knife…
Worte sind Taten.

Norbert Hofer bezeichnet die mögliche Abschaffung der Teststrecken als “Anschlag auf die Autofahrer”. Anschlag sagen meine Gedanken. Anschlag.

Weiß Hofer eigentlich, was das Wort ANSCHLAG in der deutschen Sprache bedeutet?

Wenn nicht, helfe ich ihm gerne.
Nach Duden bedeutet Anschlag “gewalttätiger, auf Vernichtung, Zerstörung zielender Angriff”.

Diesen Akt unterstellt er den Grünen in der neuen Regierung.

Eine Ungeheuerlichkeit, wenn er die Bedeutung des Wortes kennt. Eine ungeheure Dummheit, wenn er, der sich ja einmal zum Glück vergeblich, um das höchste Amt in Österreich beworben hat, die Bedeutung nicht kennt.

Und ein weiterer Beweis dafür, dass die FPÖ und deren Chef mit den Themen Umweltschutz und Verkehrssicherheit nichts am Hut haben. Gedankenlos sind, sagen meine Gedanken.

Ohne jede Rücksicht.

Ewig gestrig.

Weiterführende Info:

Dorfzeitung.com


brexit

Nach langem Gezetere ist es heute soweit, die Briten verlassen die EU. Das heißt im Klartext: Europa schrumpft um knapp 66.600.000 Menschen und 248.527,80 Quadratkilometer. Das EU-Parlament wird um 73 britische Abgeordnete erleichtert.

Das königliche Nationalgericht Fish ’n’ Chips wird es wohl nicht mehr auf die Hitlisten der europäischen Haubenköche schaffen. Dafür könnten die Diskussionen um die Fischereirechte rund um die Insel wieder aufflammen. Als einer der vielen möglichen Streitpunkte. Die freiwillige Entköniglichung von Prinz Harry und seiner Frau Meghan hat höchstwahrscheinlich mit dem Brexit eher gar nichts zu tun.

Ob es bei der ganzen Aktion einen wirklichen Gewinner geben wird, steht in den Sternen. Fakt ist, Populisten haben eine Schlacht gewonnen. Fakt ist aber auch, dass es in der Weltpolitik schon lange nicht mehr um das Wohl einelner Menschen geht. Es stellt sich sowieso die Frage, war das jemals anders?

Wenn ich auf die aktuelle Weltpolitik schaue und dabei einige selbstherrliche Weltensheriffs in ihrem gefährlichen Treiben beobachte, möchte ich ganz unabhängig vom Brexit und prinzipiell Leopold Kohr mit seiner These “small ist beautiful” in Erinnerung rufen.

Brexit in der Dorfzeitung >


Dorfzeitung.com


Schulombutsfrau

Das österreichische Schulsystem ist das Beste. Selbstverständlich. Kostentechnisch stimmt das auch. Jede der Parteien heftet sich zudem den Ausbau der Bildung an die wahlkämpfende Brust.

In der Umsetzung schaut es oft ein klein wenig anders aus. Freilich, wir sind noch immer Schulversuchsexperten. Bei den nicht unumstrittenen internationalen Vergleichstests der Schüler haben die Ergebnisse aber oft die Schieflage eines berühmten italienischen Turmes. Das stört die politischen Verantwortlichen meist eher nicht, da sie ihre Sprösslinge sowieso gerne in Privatschulen schicken und da gelten defintiv andere Regeln. Gleiche beste Bildung für alle, die es sich leisten können.

Viele Probleme in öffentlichen Schulen sind bekannt. Ich kann mich noch gut an die Aussage des Vaters eines Mitschülers meines jüngsten Sohnes zur Klassenelternvertreterin erinnern: “Ich bin Moslem und mit ihnen rede ich nicht, sie sind eine Frau.” Für mich wäre die einzige logische Antwort des Direktors gewesen: “Schade, dann hat ihr Sohn keinen Platz bei uns in der Schule. Bei uns haben Frauen die gleichen Rechte wie Männer.”

Ich glaube auch, dass die Publikation des Buches vielleicht etwas krass war. Aber was ist, wenn der Posten der Schul-Ombudsfrau nur eine Alibihandlung der Politik darstellte und die Dame keine andere Möglichkeit sah, auf Missstände hinzuweisen, weil ihr niemand zuhören wollte?

Fakt ist, dass viele Schulabgänger gröbere Defizite in manchen Bereichen haben. Beispielsweise ist die Zeit, als eine Matura noch die Qualifikation für ein Studium darstellte, schon lange vorbei. Es tut auch weh, wenn man sieht, wie einfache Rechnungen am Handyrechner ausgerechnet werden, weil´s im Kopf nicht geht.

Es ist hoch an der Zeit, dass die Verbesserung des Schulsystems wirklich ernst genommen wird.


HC Strache

HC Strache. Manche seiner treuen Wegbegleiter vertrauen ihm blind. Das war schon immer so. Das wird auch immer so sein. Schließlich hat er sie seinerzeit auf ihre Posten gehoben. Auch wenn man zur Zeit das Tal der Tränen durchschreitet. Einmal Freund, immer Freund.

Da ist es doch eine logische Selbstverständlichkeit, wenn man sich von der so undankbaren FPÖ abwendet und für die Wienwahl eine eigene Partei, die DAÖ (Die Allianz für Österreich) gründet. Mit glasigen Augen wird verkündet, der HC wäre der Gastredner beim ersten Neujahrstreffen am 23. Jänner 2020. Im Geheimen hoffen die Proponenten wahrscheinlich innbrünstig, HC Strache möge die ihm angebotene Obmannschaft annehmen.

Jetzt kann ich erstmals verstehen, warum an manchen Stadteinfahrten nach Wien große Tafeln mit er Aufschrift: “Wien ist anders” aufgestellt waren.


Due neue Regierung

Die neue österreichische Bundesregierung ist in Amt und Würden. 100 Tage nach der Wahl kann das grün-türkise Experiment beginnen.

Es ist erfreulich, wenn die Politiker über ihren Schatten springen und das tun, wofür sie gewählt wurden! Parteilinien können Richtungen vorgeben, aber dürfen nicht zur heiligen Kuh werden.

Vielleicht wird das Türkis-Grüne-Projekt eine Vorzeigemodell für Europa! Das hängt nicht zuletzt auch davon ab, wie gut bei uns gearbeitet werden wird. Ohne Abstriche wird es bei keiner der beiden Parteien gehen, trotzdem sollten beide gewinnen können. Die parteitreuen Fundamentalisten sollten Platz für die Visioäre machen!


Die letzte Silvesternacht ist vorbei. Es war sehr lustig und laut wie immer. Um Mitternacht erstrahlte der Himmel in vielen bunten Farben.

Bei uns im Dorf hat man/ frau sehr wenig vom Ansinnen mancher Politiker, die Feuerwerke zu verbieten, mitbekommen. Wahrscheinlich hat die Diskussion dazu erst begonnen.

Es ließen sich offensichtlich viele Mitmenschen doch vom Mundl Sackbauer inspirieren und feierten die Silvesternacht so, wie es immer schon war!

Allen Dörflern ein gesundes und erfolgreiches, gutes neues Jahr!


Wie gut es wirklich wird, hängt in manchen Teilbereichen des Lebens zu einem nicht unwesentlichen Teil auch von der kommenden neuen Regierung ab.

Es wird spannend, ob die Herren Chefs und deren Anhang genug Größe haben, auch den politischen Kontrahenten leben zu lassen. Nur wenn jede der zwei Parteien Erfolge verzeichnen kann, wird Türkis – Grün vielleicht ein gutes Projekt.


Strache Weihnacht

Gerade noch rechtzeitig vor Weihnachten hat die FPÖ von ihrem ehemaligen Mastermind und Parteichef ein sehr spezielles Geschenk erhalten.

3 Wiener Gemeinderäte präsentierten aus Dankbarkeit dem alten Chef gegenüber die neue Allianz für Österreich (DAÖ).

Die FPÖ hat offensichtlich einen innerparteilichen Schutzmechanismus eingebaut, der immer dann aktiv wird, wenn der Rechtsruck in Österreich ohne Gegenmaßnahme zu groß werden würde. Vorsichtshalber spaltet sich dann die Partei und die Mitglieder werden aufgeteilt, streng nach Leopold Kohr: “small is beautiful!”

Die klassischen Linksparteien sind aktuell noch immer in der Selbstfindungsphase und wissen nicht, was sie wirklich wollen.

Einzig die Türkisen und Grünen verhandeln hinter verschlossener Tür und sitzen die blaue Zerbröselung aus.


Parkhaus Lhausen

Lamprechtshausen hat zugestimmt. Einstimmig. Es soll im Bahnhofsbereich ein Parkhaus für Lokalbahnbenutzer gebaut werden.

Bemerkenswert ist, dass der Beschluss einstimmig zustande kam, obwohl er nicht von der BürgermeisterInnenpartei eingebracht wurde. Vielleicht macht aber gerade das die Bürgermeisterin im Dorf aus.

Die B156 nach Salzburg ist zu den Stoßzeiten morgens und abends gnadenlos verstopft, im Radio hört man immer wieder von Zeitverzögerungen Das ist die moderne Umschreibung von Stau. Die Lokalbahn läuft parallel zur B156 und sollte eigentlich das Hauptverkehrsmittel in die Stadt sein.

Sie schwächelt nur am Anfang und am Ende der Strecke ganz beträchtlich. Man sollte im Norden über einen Ausbau in Richtung Eggelsberg und in der Stadt über den Hauptbahnhof hinaus nachdenken.

In Lamprechtshausen könnte man das Parkhaus direkt über den Bahnhof bauen. So ließe sich wertvoller Grund sparen. Schade, dass daran bei der Errichtung des neuen Bahnhofs vor ein paar Jahren noch nicht gedacht wurde.

Erfreulich ist, dass die Weichen in die richtige Richtung, gestellt wurden! Es muss alles versucht werden, um den Individualverkehr zugunsten der Öffis zu reduzieren.


Eins meiner unzufriedenen Augen verfolgt die Wahlresultate „aus Steiermark“, das andere, die politische Entwicklung in meiner Wahlheimat Brasilien und in ganz Lateinamerika.

Von Reinhard Lackinger, Originalsteirer und Wirt in Salvador, Bahia, Brasilien

Was verstehe ich von
Politik? Wie stehe ich zu ihr?

Welche Bilder
defilieren vor den Augen meiner Erinnerungen? Gesammelte Erfahrungen aus 22
Jahren Österreich und 50 Jahren Brasilien.

Als einer, der in der
sozialistischen Hochburg Kapfenberg aufgewachsen ist und bei Böhler gearbeitet
hat, ist es mir ein Leichtes, den Individualismus der brasilianischen
Mittelklasse zu orten, zu verschmähen!

Brasilianer der Mittelklasse
fühlen sich wie Nordamerikaner, die rein zufällig in Südamerika geboren wurden.
Die meisten von ihnen drängen nach Miami, Orlando und Disney. Andere begnügen
sich mit der Green Card und einem Handlangerjob in New Hintertupfing/Iowa.

Solidarität mit
anderen Brasilianern darf man von diesen Möchtegernreichen nicht erwarten.

Sie alle wählen
natürlich ausschließlich konservative und sogar rechtsradikale Politiker.

Sie alle hassen den
Ex-Präsidenten Lula und die von 2003 bis 2014 regierende Arbeiterpartei.

War es doch die
Arbeiterpartei, die den Bürgern das Hilfspersonal nahm, Mittellose aus dem
Sklavendienst im Hause der Mittelklasse befreite! Arme, mit denen die feinen
Herrschaften Brasiliens plötzlich die Warteschlange vor der Kasse der
Supermärkte und beim Check-in am Flughafen, aber auch Lehrsäle in Universitäten
teilen mussten.

Diese kollektiven
Bemühungen und das Regieren für alle, auch für die ärmsten Brasilianer, war der
Elite, den Chicago Boys und Washington ein Dorn im Auge! Die Regierung der
Arbeiterpartei musste gestürzt werden! Obwohl alle, auch die Bankiers und die
Besitzer brachliegender Liegenschaften unter Lula gutes Geld verdient hatten!

Nach dem Putsch, der
Übergangsregierung und der ungerechten Inhaftierung Lulas, des Wahlfavoriten 2018,
wählten 57 Millionen brasilianische Möchtegernreiche den rechtsradikalen und
nazifaschistischen Unhold Bolsonaro..

Neofaschismus! Ein,
durch die USA verbreitetes Krebsgeschwür, das heute ganz Lateinamerika todkrank
macht. Der unersättliche Verbrecherstaat nützt alle möglichen Untaten wie
Spionage, Fake News, kybernetische Kommunikationsverbrechen, Bestechungen,
Bedrohungen, Sabotageakte, Wirtschaftsembargos und Heerscharen von
Evangelikalen, um überall an die Macht zu kommen und diese zu festigen.

Tragödien, die
Steirer nur vom Hörensagen kennen!

Die Katastrophen, die
Unbill, das Übel, das der Neoliberalismus hervorzurufen imstande ist, berührt
die Steirer nicht. Chile und Südamerika liegen ja weit weg! Das Rauchverbot ist
näher!  

Was sehe ich nun,
wenn ich an meinen Geburtsort der 50 er Jahre denke? Damals gab es in
Kapfenberg kaum eine Familie mit mindestens einem „Böhlerianer“ pro Haushalt.
Von den etwa 25.000 Einwohnern waren gute 6.000 im staatlichen Betrieb, im
Edelstahlwerk beschäftigt.

Rund um die Uhr und
von Montag bis Montag wurde in drei Schichten gearbeitet. In jenem rührigen,
betriebsamen und nimmermüden Industriekomplex.

Die Arbeiter und
Angestellten zeigten sich auch in der Freizeit unermüdlich. Beim Roten Kreuz,
bei der Freiwilligen Feuerwehr, als Funktionär bei der Sozialistischen Partei
oder einer der unzähligen Sportarten, beim „Stahlklang“, bei den Kinder – und
Naturfreunden, beim Alpenverein oder wenigstens beim Kameradschaftsbund.

In den Wirtshäusern
ging es lustig zu und im Altstadtkern wurden exklusive Waren angeboten und
gekauft. Musikinstrumente beim Eberhard, Portwein beim Meinl, Bücher beim
Leykam, Dirndlkleider und Steireranzüge beim Heimatwerk, Uhren beim Ebner, Brot
beim Terk, Schuhe beim Wukitschewitsch und Delikatessen beim Wettl.  

Zwischendurch
stellten die Konsumentinnen ihre Einkaufstaschen in einem Kaffeehaus ab,
tranken einen Verlängerten oder ein Glas Wein und rauchten eine Zigarette.

Sowohl im Werk, in
der sogenannten Blechbude, als auch in der Freizeit war kollektives Treiben
nicht zu übersehen!

Jeder kannte jeden,
wusste von ihm, von ihr und ob er oder sie tüchtig war oder nicht. Ob einer
murkste und rostfreie Objekte im Haus hatte, oder nur ab und zu eine
Schweißnaht auf den Auspufftopf seines Kleinwagens legte.

Das war einst, als
Steirer nur an der Adria Urlaub machten. In Lignano, in Gardo, in Caorle. Das
Risiko, nach Cattolica zu fahren, dürften Menschen aus einer antiklerikalen
Gemeinde nicht eingegangen sein. Sie könnten Gefahr laufen, für den Rest ihres
Lebens als Schwarze gebrandmarkt zu werden.

In Kapfenberg wird
nach wie vor musiziert, Sport betrieben, Literatur geübt und und alle anderen
kulturellen Möglichkeiten, sowie die wunderschöne Umwelt genutzt. Fahrräder
sieht man nur noch auf durchgehenden Radwegen. Von Murau bis Bad Radkersburg.
Zur Arbeit fährt aber keiner mehr damit!

Die Wirtshäuser
stehen leer und werden immer weniger. Eine Tatsache, die ich bereits Jahre vor
dem Rauchverbot in den Lokalen beobachtete.

Sowohl die urbanen
Konsumenten als auch die Kunden vom Land fahren im Nu mit ihren
Mittelklasseautos und Suvs zu den Supermärkten und Einkaufszentren an der
Peripherie der Städte.

Es gibt kaum noch
abgeschiedene Dörfer. Die Autobahnen haben die entlegensten Weiler erschlossen.

Die Costa Brava sieht
auch keine alpenländischen Urlauber mehr. Höchstens Frührentner, die es im
Winter nach Spanien, nach Mallorca, Marbella oder nach Algarve, Portugal zieht.
Die Zeit, als beschäftigungslose Staplerfahrer hier in Bahia ihre
Arbeitslosenunterstützung verputzten, scheint auch vorbei zu sein. Jetzt
dürften sie irgendwo auf den Seychellen unterwegs sein, oder in der Südsee.

Einst vom Vater Staat
verwaltete Großkonzerne, die strategischen Aktivitäten nachgehen, wie Energie,
Telekommunikation, Bergbau und Stahlindustrie wurden mittlerweile privatisiert.
Sie wurden Gott sei Dank privatisiert, sagen die Verteidiger der
Privatisierungen.

Die Öffentlichkeit
ist für die Marktwirtschaft zu offen, zu sozial, zu naiv und zu ineffizient,
heißt es! Die staatlichen Betriebe tolerieren schwache Produktivität, sagen die
Befürworter der freien Marktwirtschaft. Der Vater Staat ist längst zu einer
Mutter Staat mutiert!

Zu viel Soziales, zu
kurze Arbeitszeit und zu lange Krankenstände machen nicht nur die Wirtschaft
kaputt, sondern auch den arbeitenden Menschen.

Irgendwann spielt
einer den Jolly Joker der Murxerei mit den schwarz angefertigten Objekten aus
rostfreiem Stahl aus. „Würde man den Böhlerstern aus den ehernen Teilen des
Eigenheimes eines ehemaligen Arbeiters herausfeilen, fiele das Häusl auf der
Stelle zusammen“, heißt es dann.

Dass es sich hier um
fadenscheinige, billige und fragwürdige Argumente handelt, daran denkt wohl
keiner. Die Privatiers denken nur ans Lukrieren!

Es fragt auch keiner
mehr nach der Kameradschaftlichkeit und nach der Solidarität, die in jenen
Fabrikhallen jederzeit zugegen war!

Die brüderliche Kollektivität
hat es in den staatlichen Unternehmen tatsächlich gegeben. Auch wenn mitunter
garstige Farben des Neides und der Missgunst darüber rannen.

Auch wenn sich manche
unschöne Szene zwischen gemeinschaftliche Bemühungen zwängte, so sind die
Bilder der staatlichen Unternehmen bei Weitem schöner als die der
privatisierten Firmen, die für die Individualität werben und dem heutigen
Menschen nahelegen.

Das Individuum passt
sich an die neuen Spielregeln an. Charles Darwin schrieb in seinem „The Origin
of Species“ zwar nicht über steirische Wähler oder wahlberechtigte Menschen
überhaupt, hat aber den Nagel auf den Kopf getroffen und in meinem Schädel ein
Licht angezündet, während es dunkel wird rings herum. Das politische, garstig
egoistische und individualistische Lied klingt aus.

Der verlorene Sohn
wird, so Gott will, in Zukunft wieder die SPÖ wählen. „In Steiermark!“

In Brasilien die PT,
die Arbeiterpartei.


Die Koalitionsbar

Die Sondierungsgespräche der an einer neuen Regierung interessierten Parteien sind abgeschlossen. Die Türkisen und die Grünen sind übriggeblieben.

Mann/ frau in den Parteien hat Standpunkte und deren Festigkeit ausgelotet, mögliche Verträglichkeiten überprüft, unüberbrückbare Gegensätze definiert, den möglichen gemeinsamen Nenner gesucht und letztendlich festgestellt, dass man es doch miteinander probieren könnte.

Die Farbkombination Türkis-Grün ist spannend. Der Wahlkampf ist vorbei und es gilt, das Beste für das Land zu machen. Freilich, es wird jede der Parteien Federn lassen müssen, das ist normal. Es ist falsch zu glauben, dass alle Wahlkampfversprechen eingehalten werden können. Das ist nur in Diktaturen möglich, dort wird aber auch der Begriff: “freie Wahlen” anders als bei uns definiert.

Für mich ist die Kombination Türkis-Grün eine große Chance, die hoffentlich nicht vergeigt wird! Politik heißt, dass tragfähige und gute Kompromisse gefunden werden und genau dafür zahlen wir den Damen und Herren im Parlament ihre Gehälter. Repräsentieren und sich im Licht der Scheinwerfer zu sonnen, hat wenig mit guter Politik zu tun, es gehört nur zum Spiel.


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