„Geschlossene Gesellschaft“ – ein packendes Kammerspiel im Schauspielhaus Salzburg

Der französische Schriftsteller und Philosoph Jean-Paul Sartre vertritt die Ansicht: „Die Hölle, das sind die anderen.“ Dieses Drama führt vor Augen, wie man sich das vorzustellen hat: drei Menschen in einem geschlossenen Raum ohne Fenster, die sich gegenseitig damit quälen, dass sie die Wünsche und Begierden des jeweils anderen ablehnen.

Von Elisabeth Pichler.

Auf den ersten Blick wirkt dieses riesige Separee (Bühne: Tobias Kreft) mit der geschmacklosen Tapete gar nicht so ungemütlich. Es stellt sich jedoch heraus, dass es hier keine Tageszeiten gibt, keine Möglichkeit für einen entspannenden Schlaf und kein Entrinnen vor den Mitbewohnern. War es Zufall oder Absicht, dass ausgerechnet der Journalist und Literat Garcin, die lesbische Postbeamtin Inés und die extravagante Estelle in dieser Hölle aufeinandertreffen? Warum sind sie eigentlich hier gelandet? Obwohl sie es selbst ganz genau wissen, wollen oder können sie nicht darüber sprechen. Doch nach und nach merken sie, dass Lügen an diesem Ort wenig Sinn machen und rücken mit der Wahrheit heraus. Dieses ewige Leben ohne Unterbrechung, in unerträglicher Enge mit begehrten oder gehassten Personen, empfinden die drei bald schon als so unerträglich, dass sie sich nach echten Folterknechten sehnen.

Oliver Hildebrandt als feiger Garcin ist nicht zu beneiden, denn die beiden Damen setzen im gehörig zu. Ist das die Strafe dafür, dass er fünf Jahre lang seine Frau tyrannisiert hat? Während ihm Christiane Warnecke als extravagante Estelle eindeutig Avancen macht, fühlt er sich zu Constanze Passin, der intellektuellen Inés, hingezogen. Eine bewundernswerte Leistung aller drei, denn sie schaffen auf der Bühne eine bedrückende Atmosphäre, die zeigt, dass die Hölle auch so funktioniert, ganz ohne Schwefel, Scheiterhaufen und Rost, die Bestie Mensch reicht völlig.

Christoph Batscheider hat dieses Konversationsstück, ein Zentralwerk des französischen Existentialismus, sehr klar als Gesellschaftsanalyse in Szene gesetzt. Wirft doch dieses Drama die Frage auf, ob nicht das gewöhnliche Leben schon die Hölle sei. Trotz der eher deprimierenden Thematik wurde das Stück vom Publikum überaus positiv aufgenommen. Viel Applaus.

 „Geschlossene Gesellschaft“ – Jean-Paul Sartre. Schauspielhaus Salzburg. Studio. Regie: Christoph Batscheider. Ausstattung: Tobias Kreft. Dramaturgie: Birgit Lindermayer. Mit: Constanze Passin, Christiane Warnecke und Oliver Hildebrandt. Fotos: Schauspielhaus-Salzburg

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