„Amaretto“ – ein Verwirrspiel nachts im Park

Foto: Kleines Theater

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Anita Köchl und Edi Jäger zeigen bei der Auswahl ihrer Stücke ein äußerst geschicktes Händchen. Mit Uli Brées Beziehungskomödie schließen sie nahtlos an ihre großen Erfolge mit „Der letzte der feurigen Liebhaber“ und „Gut gegen Nordwind“ an. Ständig ausverkaufte Vorstellungen im Kleinen Theater sind der beste Beweis dafür.

Von Elisabeth Pichler.

Eine Obdachlose zieht mit Schalenkoffer und den üblichen Plastiksackerln durch den Park und macht es sich auf einer Bank bequem. Sie scheint sich in ihrem Schlafsack ganz wohl zu fühlen, bis sie durch laute Flüche geweckt wird. Warum schleicht dieser feine Herr im Smoking auch nachts um zwei Uhr ohne Schuhe durch den Park? Da ist es kein Wunder, dass er in Hundescheiße tritt und dabei seine edlen Designersocken ruiniert. Mit der etwas seltsamen Bitte: „Gute Frau, leihen sie mir ihr Smartphone, ihr Handy oder geben sie mir wenigstens 50 Cent zum Telefonieren“ wendet er sich an die Stadtstreunerin, doch er stößt auf taube Ohren. Sie kennt kein Mitleid mit dem spießigen Karrieremanager, der es nicht verwinden kann, dass ihn seine Frau betrügt. Auch sein Selbstmordversuch beeindruckt sie nur wenig.

Anita Köchl glänzt in der Rolle der resoluten, doch überaus charmanten Obdachlosen, die mit dem mitleiderregenden, verlassenen Ehemann Katz und Maus spielt. Edi Jäger scheint die Rolle des verlassenen Liebhabers, dieses „kleinkarierten Kümmelspalters“, zu genießen und läuft zu Höchstform auf. Das Publikum amüsierte sich köstlich über die spritzigen, witzigen und teilweise auch sehr bösen Dialoge, über die nachgestellten Filmszenen und einige umwerfend komische Slapstick-Einlagen. „Amaretto“, diese satirische Beziehungskomödie mit unerwartetem Ausgang, scheint wie maßgeschneidert für die Besucher des Kleinen Theaters zu sein, denn die spritzige Inszenierung garantiert einen vergnüglichen Abend.

„Amaretto“ – von Uli Brée. Regie: Hans Peter Horner. Mit: Anita Köchl und Edi Jäger. Spieldauer 120 Min. Pause nach ca. 50 Min.

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1 Kommentar zu "„Amaretto“ – ein Verwirrspiel nachts im Park"

  1. Heide-Maria Müller | 29. Juni 2012 um 11:18 |

    Liebe Elisabeth !
    Das klingt sehr verlockend. Ich finde auch, dass sich Anita Köchl und Edi Jäger immer die passenden Stücke aussuchen .Werde ich mir sicher auch anschauen.
    LG Heidi

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