Ladies Night – mit dem Mut der Verzweiflung

1_Axel Meinhardt, Clemens Ansorg, Christoph Wieschke und Tim Oberließen

Nicht die „Chippendales“, sondern sechs Schauspieler des Salzburger Landestheaters brachten mit einem gewagten Männerstrip die Probebühne in der Rainberghalle zum Kochen. Die Komödie von Stephen Sinclair und Anthony McCarten, die unter dem Titel „Ganz oder gar nicht“ erfolgreich verfilmt wurde, feierte am 6. Mai 2015 eine „umkreischte“ Premiere.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Als das Stahlwerk in Sheffield Mittelengland dichtmacht, verlieren Dave, Norman und Barry ihre Jobs. Dave wird wegen seiner Wettschulden bedroht, Norman ist so frustriert, dass er mit Selbstmordgedanken spielt, und Barry versteht die Welt nicht mehr. Hat doch seine Frau tatsächlich zehn Pfund bezahlt, um strippende Männer zu bewundern. Was ist an diesen Chippendales so besonders? Könnten sie, allesamt gestandene Männer, nicht ebenso obszön tanzen, die Hüllen fallen lassen und Geld dafür kassieren?

Anfangs sind alle begeistert von der Idee. Sie finden durch ein Casting zwei weitere Mitstreiter, den schwulen Gavin und den finsteren Wesley, der sie jedoch mit seinen Tanzkünsten überzeugt. Als Choreograph bemüht sich ihre ehemaliger Vorarbeiter Grahame um die bunte Truppe. Doch je näher der Premierenabend rückt, desto größer werden die Selbstzweifel: „Was ist, wenn 400 Frauen die Flucht ergreifen und sagen: Der ist zu fett, der ist zu alt und der ist ein hühnerbrüstiger Wichser. Was ist denn dann?“

6_EnsembleBühnenbildner Thomas Pekny hat die Rainberghalle in eine trostlose Fabrikhalle mit verschiebbaren Wänden verwandelt. Die Ausweglosigkeit scheint greifbar, als der schwächliche Norman (Clemens Ansorg) versucht, sich in einer Tonne selbst zu verbrennen. Dem umtriebigen Dave (Tim Oberließen) und dem gutmütigen, etwas pummeligen Kraftlackel Barry (Christoph Wieschke) gelingt es in letzter Minute, ihren Freund und ehemaligen Arbeitskollegen zu retten. Sie alle haben Geld bitter nötig und sehen im Männerstriptease den letzten Ausweg.

Köstlich Hanno Waldner in der Rolle des tuntigen Gavin, dem es sichtlich schwerfällt, seine Weiblichkeit zu verstecken. Marco Dott als Wesley hingegen spielt mit unvergleichlichem Hüftschwung seine Mittänzer an die Wand. Es braucht viele, fürs Publikum äußerst vergnügliche Proben, bis die Choreographie, um die sich Axel Meinhard als Grahame bemüht, exakt sitzt.

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Es ist kein Geheimnis, dass Frauen es lieben, wenn Männer Schwäche zeigen und sich selbst nicht so ganz ernst nehmen. Dem Jubel nach zu schließen ist es dieser bunten Truppe perfekt gelungen, vor allem die Damen im Publikum mit ihrer Ungeschicklichkeit zu begeistern. In der von Thomas Enzinger temporeich inszenierten, frivolen Stripper-Komödie fallen zum Finale wirklich alle Hüllen. Dies sollte aber nicht der einzige Grund für den zu erwartenden Publikumsansturm sein. Das Stück stimmt in Zeiten der zunehmenden Arbeitslosigkeit auch nachdenklich, geht es doch um die Sorgen und Nöte von Männern ohne berufliche Perspektive.

„Ladies Night“ – von Stephen Sinclair/Anthony McCarten. Komödie in der Bearbeitung von Gunnar Dreßler. Inszenierung: Thomas Enzinger. Ausstattung: Thomas Pekny. Choreographie: Verena Rendtorff. Mit: Tim Oberließen, Christoph Wieschke, Clemens Ansorg, Axel Meinhardt, Hanno Waldner, Marco Dott. Fotos:  Anna-Maria Löffelberger

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