„Sound of Music“ – ein charmanter Musical-Klassiker

sound of music

Seit nunmehr bereits zehn Jahren begeistern Andreas Gergen und Christian Struppeck mit ihrer Inszenierung des Kultmusicals von Richard Rodgers (Musik) und Oscar Hammerstein (Songtexte) das Publikum im Salzburger Landestheater. Am 22. Oktober 2021 kam es zu einer umjubelten Wiederaufnahmepremiere mit neuer Besetzung der Hauptrollen. Standing Ovations und kräftiges Mitsingen bei der Zugabe waren der Dank.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Angeblich haben nur wenige Salzburgerinnen und Salzburger den oscarprämierten Film „Sound of Music“ aus dem Jahre 1965 mit Julie Andrews und Christopher Plummer in den Hauptrollen gesehen. Dank Internet stehen die wichtigsten Szenen und Lieder heute jederzeit zur Verfügung. Da der Film teilweise an Salzburger Originalschauplätzen gedreht wurde, ist das wirklich sehr interessant, wenngleich vielleicht auch etwas kitschig. Die Inszenierung von Gergen und Struppeck hingegen ist sehr gediegen und äußerst liebevoll.

Dass die temperamentvolle Maria für ein Klosterleben nicht wirklich geeignet ist, merkt nicht nur die Schwester Oberin. Da hilft es gar nichts, dass sich Maria sehr bemüht und viel betet. Man schickt sie also als Gouvernante zu den sieben Kindern des Kapitäns von Trapp, damit im Kloster endlich wieder Ruhe einkehrt. In dem äußerst disziplinierten, militärisch geführten Haushalt des Marineoffiziers sorgt sie zur Begeisterung der Kinder für gewaltigen Wirbel und bringt ihnen die Liebe zur Musik bei. Auch der steife Baron von Trapp wird schließlich etwas lockerer und wagt auf einem Ball sogar ein Tänzchen mit ihr. Über der romantischen Liebe dräuen jedoch dunkle Wolken, denn Österreich steht 1938 kurz vor dem Anschluss und der Herr Baron ist zu keinerlei Kompromissen bereit. Bleibt also nur die Flucht.

Musicaldarstellerin und Ensemblemitglied Patrizia Unger ist mit ihrer fröhlichen, unbekümmerten Art ein echter Glücksgriff für die Rolle der Maria. Kein Wunder, dass Lukas Perman als Baron von Trapp schon bald auf seine Trillerpfeife verzichtet. Sein inniges „Edelweiß“ klingt so stimmig und gefühlvoll, dass es Gänsehaut erzeugt. Äußerst spielfreudig zeigen sich die Kinderdarsteller, wobei die Kleinste, die Gretl (bei der Premiere Sophie Fellner), die Herzen der Zuseher besonders rührt. Maria Strassl, die die Älteste und bereits schwer verliebte Liesl gibt, stand vor zehn Jahren noch selbst als Gretl auf der Bühne. Die reiche Witwe Elsa Schrader (Franziska Becker) und ihr windiger Freund Max (Axel Meinhardt) machen sich, sobald es Schwierigkeiten mit den Nationalsozialisten gibt, sofort aus dem Staub. Sie werden sich anpassen und warten, bis der Spuk vorbei ist. Im Kloster begeistert die an sich gestrenge Mutter Oberin (Frances Pappas) mit einem grandiosen „Climb Every Mountain“. Gretls Postillon d’amour Rolf (Aaron Röss) steht zwar plötzlich auf der falschen Seite, doch schließlich siegen seine Gefühle für Liesl, und er ermöglicht der Familie Trapp die Flucht.

Die Bühne (Court Watson) wechselt gekonnt zwischen kargen Klostermauern und der fast naturalistisch nachgebauten Trapp-Villa. Für „Du bis sechzehn, beinah schon siebzehn“ steht sogar ein kleiner Pavillon im Garten. Bei dieser aufwändigen Inszenierung sind natürlich auch Chor, Ballett und Statisterie im Einsatz. Am Pult des Mozarteumorchesters Salzburg sorgt Wolfgang Götz mit viel Tempo für einen hinreißenden Broadway-Sound.

Da es sich bei „Sound of Music“ um die erste Produktion seit langem mit Pause im Großen Haus handelt, die Gastronomie aber geschlossen ist, sorgt der Intendant für Getränke und Snacks in der Pause. Diese mitreißende Inszenierung in neuer Besetzung sollte man sich nicht entgehen lassen, denn nach drei Stunden verlässt man in bester Stimmung singend und swingend das Theater.

„The Sound of Music“ von Richard Rodgers / Oscar Hammerstein II. Buch von Howard Lindsay und Russel Crouse. Salzburger Landestheater | Musikalische Leitung: Wolfgang Götz. Inszenierung: Andreas Gergen und Christian Struppeck. Choreographie: Kim Duddy. Bühne und Kostüme: Court Watson. Dramaturgie: Christian Struppeck. Mit: Lukas Perman, Patrizia Unger, Maria Strassl/Marianna Herzig, Lennart Malm/Noah Obermeier, Alisa Rotthaler/Miriam Plasse/Mia Gerl, Filip Köpke/Daniel Fussek, Emilia Grabner/Alma Tomasi/Aurelia Plasse, Juliet Stiles/Maria-Luisa Leitgeb, Sophie Fellner/Matilda O’Brien/Elodie Coleman, Axel Meinhardt, Franziska Becker/ Andrea Graf, Frances Pappas, Aaron Röll, Eva Christine Just, Rudolf Pscheidl, Sylvia Offermans, Beth Jones, Desislava Ilieva, Bethany Yeaman, Skye MacDonald, Matthias Hermann. Mozarteumorchester Salzburg, Chor, Ballett und Statisterie des Salzburger Landestheaters. Fotos: SLT/ Anna-Maria Löffelberger

Dorfladen

Über den Autor

Elisabeth Pichler
“Theater war schon immer meine große Leidenschaft und scheinbar ist es mir auch gelungen, diese Begeisterung an meine Kinder weiterzugeben.” Elisabeth Pichler besucht für die Dorfzeitung Theateraufführungen und Konzerte und liest neue Bücher.

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