Erinnya – Mensch und Technik

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Matthias ist ein gepeinigter Mann, er hat schwer mit Depressionen und Sozialphobien zu kämpfen, doch Dank der modernen Technologie findet er einen Weg heraus aus diesem düsteren Kapitel seines Lebens.

Matthias TraintingerVon Matthias Traintinger

Das Erinnya, ist ein demokratisches System, welches ihm durch Vorsagen diverser Sätze und Wörter bei der Bewältigung seiner Ängste hilft, und ihm dadurch wieder ein normales Leben verschafft. Doch was ist heutzutage noch normal?

Für das Grazer Schauspielhaus ist das nun schon die fünfte Inszenierung eines Stückes aus der Feder von Clemens J. Setz. Erinnya ist das erste von Clemens J. Setz eigens für das Schauspielhaus in einer Auftragsarbeit angefertigte Werk. Der junge, renommierte Autor versteht seine Stücke immer als Briefe an die Regisseure, welche aus diesen das Stück erst richtig vollenden.

Für die Rolle des Matthias entschied sich Regisseurin Claudia Bosshard für den Tänzer Alex Deutinger, dieser brilliert mit seiner ganz anderen Art des Schauspiels, aber auch die Erinnya’s gespielt von Tamara Semzov und Alida Bohnen überzeugen in ihrer gemeinsamen Rolle.

Erinnya erzählt einen kurzen Ausschnitt aus dem Zusammenleben von Matthias und seiner Frau, nämlich den Besuch bei den Eltern. In dem Vorort, in dem das sitcomhafte idyllische Familienleben der Eltern seinen Platz hat, treffen zwei Fronten aufeinander. Schon bald dreht sich alles nur mehr um das System „Erinnya“, was es ist und wie es funktioniert. Für die meisten von uns funktioniert Technik einfach, wie genau ist wenigen wirklich bewusst. Auch das demokratische System von Erinnya, symbolisiert durch siamesische Zwillinge, ist da keine Ausnahme.

Doch was ist nun normal? Bei dem Familienbesuch kommt immer wieder die Frage auf, wer Matthias nur wirklich ist. Spielt er eine Rolle, sind das wirklich seine Sätze oder wird er schon beinahe ferngesteuert von diesem System? Spielen wir nicht alle irgendeine Rolle in unserem Leben? Jeder von uns hat diverse Gesichter, oft kennen wir diese nicht einmal selbst.

Erinnya von Clemens J. Setz | Uraufführung im Schauspielhaus Graz Haus ZWEI | Premiere am 15. Nov 2018 | REGIE: Claudia Bossard, BÜHNE: Frank Holldack, KOSTÜME: Elisabeth Weiß, KOMPOSITION: Jan Christoph Godde, DRAMATURGIE: Martin Baasch | Mit: MATTHIAS – Alex Deutinger, TINA – Susanne Konstanze Weber, MICHAEL – Nico Link, FRIEDERIKE – Martina Zinner, E(RNST) – Tamara Semzov, E(RWIN) – Alida Bohnen | Fotos: SHG/ Lupi Spuma

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