Die verschwundenen Bürmooser Industriegleise der Lokalbahn (SETG)

Dampflok Bürmoos in Lamprechtshausen

Dampflok Bürmoos in Lamprechtshausen | Fotos: Wolfgang Bauer (8), Friedrich Lepperdinger (1) und Archiv Wolfgang Bauer

Die Bahn von Salzburg in den nördlichen Flachgau war ursprünglich vor allem als Industriebahn gedacht, weniger zur Personenbeförderung. Der Bürmooser Glasindustrielle Ignaz Glaser war dabei eine treibende Kraft. Er hatte mit der Gesellschaft SETG (Salzburger Eisenbahn und Tramway Gesellschaft), die das Projekt betreiben wollte, so geschickt verhandelt, daß er selbst nichts zu den Kosten beitragen mußte.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Im Jahr 1896 war es dann soweit, daß der Bahnbetrieb aufgenommen werden konnte. Dazu wurden auch zu einzelnen Firmen Industriegleise zum Verladen der Erzeugnisse verlegt. Das erste war ein Gleis in Zehmemoos zur längst aufgelassenen Ziegelei, das die Lamprechtshausener Straße querte. Parallel dazu auch ein Schmalspurgleis der „Bockerlbahn“. Später kam die Verladung von Torfstreu dazu und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Erzeugnisse des Torfwerkes dort verladen. ___STEADY_PAYWALL___

Normalspur- und Schmalspurgleis vom Torfwerk zur Lokalbahn

Ein Gleis zweigte in Bürmoos zur Ziegelei ab – heute die Firmen Nitsche und Zimmermann. Die Ziegelei war im selben Jahr wie die Lokalbahn gegründet worden. Vorher wäre der Ziegeltransport mit Fuhrwerken zu teuer gewesen. Unseren See, die Loamgruabm (Lehmgrube) verdanken wir der Lehmentnahme durch die Ziegelei. Als die Lehmqualität zu schlecht wurde bezog man den Lehm vom Kohlebergwerk Trimmelkam.

Das Lokalbahngleis in der Ziegelei

Das dritte Industriegleis verlegte man zur Glashütte. Vom Bahnhof ging es in einer engen Kurve mit starker Steigung zur Rückseite der Glashütte und zur Hafenstube. Die Trasse ist heute Pater Felix Platz und Mertensstraße. Auf der linken Seite bei der Steigung stand das Holzhaus des Schusters Ignaz Frei. Es war immer durch Funkenflug gefährdet, die Dampfloks durften dort nur langsam fahren. Auf der rechten Seite, dort wo heute die katholische Kirche und der Pfarrhof stehen, befand sich die bekannte Gänselacke.

Das Glashüttengleis, links das Haus des Schusters Frei, in der Mitte Bommer, rechts Kaufhaus Stadler

Das nächste Haus links war das erste Kaufhaus der Familie Stadler, an der Kreuzung zur Stierlingwaldstraße. Ein Raum diente zeitweise als Notkirche, später wurde es ein Sport- und Modegeschäft.

Das Hüttengleis gleich nach dem Bahnhof. Im Hintergrund die Flaschenbierhandlung Roschanek gegenüber dem Bahnhof. Ca 1940

Am Beginn der Mertensstraße war links der Bauer Bommer. Das Bauernhaus ist interessant, weil die bei uns unübliche Außentreppe ins Obergeschoß auf italienische Maurer hinweist, die bei mehreren Objekten im Ort aktiv waren. Die auch seltene Rampe zur Hochtenne wurde von den Kindern im Winter zum Schlitten- und Schifahren benutzt.

Das ehemalige Bauernhaus Bommer mit Außenstiege und Rampe

An der Straße davor steht ein kleines Häuschen, das schon viele verschiedene Verwendungen fand. Ursprünglich war es die Milchhalle. Hierher brachten die Bauern am Morgen die frisch gemolkene Milch und auch Rahm. Die Bürmooser kamen mit blechernen Milchkannen (Millipitschn) und holten sich, was sie brauchten. Der Rest wurde wohl von einer Käserei abgeholt.

Die (später vergrößerte) Milchhalle

Das nächste Haus rechts an der Straße war die Volksschule. Es wurde aufgestockt und heute sind ein Lokal, Therapeuten und der Fitnessklub darin untergebracht. Die Schule hatte früher keine Zentralheizung, die größeren Kinder durften den Torf zum Heizen der Öfen in den einzelnen Klassen aus der danebenliegenden „Schupfe“ holen und einheizen. Statt des Turnunterrichtes – es gab keine Turnhalle – ging es manchmal zum gegenüberliegenden Erdäpfelacker des Bommer um die schädlichen Kartoffelkäfer einzusammeln.

Weiter der Bahntrasse entlang kam man rechts zur ehemaligen Kistentischlerei der Glashütte, später Tischlerei Braunegger, heute Wohnblock.

Die Rückseite der ehemaligen Kistentischlerei, später Tischlerei Braunegger, heute Wohnblock

Schließlich endete das Industriegleis an der Rückseite der Glashütte, wo das fertige Tafelglas verladen wurde. Hierher wurde mit der Bahn auch das Soda zur Glaserzeugung geliefert.

Links gegenüber war die wichtige Hafenstube. Die Hafenmacher waren Spezialisten, die aus einem speziellen Chamottegemisch die Hafen formten, in denen das Glas bei rund 1500 Grad aus Kalk, Soda und Quarzsand geschmolzen wurde.

Die frühere Hafenstube, heute Wohnungen

An diese Zeit, als die Lokalbahn noch ein wichtiger Transportweg war, erinnert heute kaum mehr etwas. Die Trimmelkamerbahn, die viele Jahre die Kohle aus dem dortigen Bergwerk transportierte, wurde erst 1951 eröffnet. Sie wurde 2014 nach Ostermiething verlängert, aber auch hier gibt es nur mehr Personenverkehr. So bleiben nur mehr einige Fotos als Erinnerung an die Frühzeit unserer Bahn.

Verschubgeleise, Lastwaggons und handbediente Weichen werden schon lange nicht mehr gebraucht
Dampfzüge fahren nur mehr für Nostalgiker
Im Bild rechts das Gleis nach Salzburg, links das nach Ostermiething
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Dorfladen

1 Kommentar zu "Die verschwundenen Bürmooser Industriegleise der Lokalbahn (SETG)"

  1. buermooserin | 18. September 2020 um 04:51 |

    Herr Bauer, herzlichen Dank für Ihre sehr informativen Geschichten aus Bürmoos! Ich lese sie immer wieder sehr gern.

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