Geld – Von der Zahlung zur Münze

Geld

Das Wort Geld leitet sich von germanisch *geld-a- „Entgelt, Abgeltung“ ab und begegnet ab dem 8. Jahrhundert. Als Bezeichnung für Münzen wird das Wort erst seit dem 14. Jahrhundert verwendet.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das althochdeutsche Wort gelt bezeichnete Leistungen und Gegenleistungen, die zu erbringen waren. Dies konnten Naturalabgaben sein, wie sie die Bauern ihren Herren liefern mussten, Steuern, Abgaben und Zölle, Dienstleistungen, Erträge und Einkommen, Schulden und Bußen, Löhne, Verpflichtungen und Opfergaben.

In den frühmittelalterlichen Taufgelöbnissen findet sich gelt auch mit der doppelten Bedeutung „Opfer“ und „Götzenverehrung“, da Opfer an die alten Götter von den Christen als Götzendienst angesehen wurden. Mit der Bedeutung „Steuer, Zoll“ begegnet gelt im Althochdeutschen in Bezeichnungen für die Steuereintreiber und Zolleinnehmer, die geltemaister „Geldmeister“ oder geltsuocho „Geldsucher“ genannt wurden.

Weiters bezeichnete gelt auch Bußzahlungen. So findet sich in den germanischen Volksrechten des Frühmittelalters das Wort Wergeld, das eine Zusammensetzung aus althochdeutsch wer- „Mann“ und gelt „Zahlung, Buße“, ist. Das Wergeld war eine Strafzahlung, die ein Mörder der Familie des Toten zu zahlen hatte. Diese Strafzahlungen verhinderten Blutfehden zwischen den Familien und waren in den Gesetzen genau geregelt. Das althochdeutsche Wort wer „Mann“ war bereits in mittelhochdeutscher Zeit weitgehend aus dem Sprachgebrauch verschwunden. Lediglich in der Zusammensetzung Werwolf, eigentlich der Mannwolf, hat sich das Wort bis heute erhalten.

In mittelhochdeutscher Zeit bezeichnete gëlt Zahlungen und Schuldforderungen, Erträge, Eigentum, das Einkünfte bringt, wie beispielsweise Wälder und Ackerland, Geld- und Naturalabgaben an den Herrn, wie etwa das gëlthuon „Zinshuhn“ oder das gëltswîn „Zinsschwein“. Abgaben, die in Form von Geldmünzen zu erbringen waren, wurden phennincgëlt „Pfenninggeld“ genannt, eigentlich „Münzenabgabe“. Auch Wegezoll wurde als gëlt bezeichnet, wie etwa waʒʒergelt für die Überquerung von Flüssen. Noch im 20. Jahrhundert wurde mancherorts die Abgabe für die Benützung einer Brücke Brückengeld genannt.

Obrigkeiten waren zu allen Zeiten erfinderisch, wenn es um die Einführung von Abgaben und Steuern ging. So finden sich im 16. Jahrhundert Marktgeld, Standgeld, Budengeld, Platzgeld als Bezeichnungen für Abgaben, die Händler auf Märkten für ihre Verkaufsstände entrichten mussten. Die Bürger waren verpflichtet eine Abgabe für die Besoldung der Nachtwächter zu bezahlen, die Wachgeld oder Wachtgeld genannt wurde. Eine Variante von Wachtgeld findet sich heute in dem Wort Schutzgeld „erpresste Zahlungen, die von Verbrecherorganisationen unter Androhung von Gewalt von Gewerbetreibenden eingehoben wird“.

Mit der Bedeutung „Abgabe, Gebühr“ verwenden wir das Wort Geld zum Teil heute noch, wie beispielsweise in den Zusammensetzungen Bußgeld und Schulgeld. Vergleichbar mit dem Schulgeld ist das Lehrgeld. In vergangenen Zeiten mussten Lehrlinge für die Ausbildung bei einem Handwerksmeister bezahlen. Diese Zahlungen wurden Lehrgeld genannt. Als das Lehrgeld dem Meister nicht mehr gezahlt werden musste, verschwand auch das Wort. Heute ist es nur noch in der Redewendung Lehrgeld zahlen erhalten mit der allgemeinen Bedeutung „durch Unerfahrenheit Schaden erleiden und daraus lernen“.

Ab dem 14. Jahrhundert wurde Geld auch als Bezeichnung für geprägte Münzen verwendet. Die Münzen wurden zumeist aus Gold oder Silber hergestellt und hatten daher nicht nur einen Geldwert, sondern auch einen Materialwert. Dies brachte unlautere Gesellen auf die Idee, die Münzen am Rand zu beschneiden und sich so an Gold oder Silber zu bereichern. Diese Betrüger wurden Geldschneider genannt und ihre Tätigkeit Geldschneiderei. Mit der Zeit erweiterte sich der Bedeutungsumfang der beiden Worte. Zunächst erhielt Geldschneider die zusätzliche Bedeutung „zu sehr auf Gewinn bedachter Kaufmann“. Im weiteren Zeitverlauf wurde die Bedeutung von Geldschneiderei erweitert zu „Betrügerei mit Geld im Allgemeinen“ und „Herausschlagen von unverhältnismäßig viel Geld gemessen am Warenwert“.

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Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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