„The Black Rider“ – Teufelspakt ist Narrenpakt

Black Rider

Das 1990 im Thalia Theater in Hamburg uraufgeführte Musiktheaterstück von Regisseur Robert Wilson, Komponist Tom Waits und Autor William S. Burroughs wurde schnell zum Kult-Musical. Auch im Saal des Schauspielhauses Salzburg konnte die Mischung aus schrägem Varieté und schrillem Vaudeville das Publikum begeistern. Tosender Applaus für das gesamte Ensemble, das Leading Team und das „Black Rider Orchestra“ bei der Premiere am 15. September 2021.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Ein dämonischer Showmaster mit verdächtigem Hinkefuß stellt dem Publikum die handelnden Personen, lauter etwas absurde Gestalten, vor: eine Brautjungfer, einen Wilderer, den Herzog, das Käthchen, seine Eltern Anna und Bertram, den jungen Kuno und Wilhelm, einen jungen Mann aus der Stadt.

Schnell wird klar, dass der schüchterne Schreiberling Wilhelm die hübsche Försterstochter Käthchen verehrt. Deren Eltern, der strenge Erbförster Bertram und seine Frau Anna, sind damit gar nicht einverstanden, denn: „Es muss ein Jäger sein, so will’s der Brauch – vergiss das Herz, denk an den Bauch.“ ___STEADY_PAYWALL___

Der junge Robert, ein schneidiger Bursche und echter Kerl, wäre so ganz nach ihrem Geschmack. Doch Käthchen bleibt stur und daher bemüht sich Wilhelm, das Schießen zu trainieren. Er erweist sich aber als völlig untalentiert und schafft nur gefährliche Fehlschüsse. „Du hast den Kummer, ich die Medizin.“ So lockt ihn der dubiose Stelzfuß und unterbreitet ihm ein verführerisches Angebot. Sechs Kugeln, die unfehlbar ihr Ziel treffen, will er Wilhelm geben. Doch die siebte Kugel, soll ihm selbst gehören und auch von ihm gelenkt werden.

Olaf Salzer überzeugt als Stelzfuß mit teuflischem Charisma, sodass der etwas linkische Schreiberling Wilhelm (großartig Wolfgang Kandler) keine Chance hat. Das unschuldige Käthchen (Johanna Egger) hingegen spürt den Hauch des Bösen, sie fröstelt stets in seiner Nähe. Der Erbförster Bertram (finster und streng Theo Helm) und seine Frau Anna (stimmgewaltig Bina Blumencron) geben sich als konservatives Ehepaar wie aus dem Bilderbuch. „Der Mann im Wald, die Frau daheim, so soll es sein.“ Simon Jaritz-Rudle glänzt als wilder Jägersmann, der absolut nicht verstehen kann, was Käthchen an Wilhelm findet. „Wer denkt, taugt nichts als Mann.“ Diese großartigen Texte, die an altmodische Kalendersprüche erinnern, unterhalten das Publikum bestens. Marcus Marotte hat als Herzog das Recht, den folgenschweren Probeschuss zu fordern. Bianca Farthofer überzeugt nicht nur als reizende Brautjungfer, sie macht auch als mythischer Hirsch eine gute Figur. Marko Vlatkovic ergänzt das neunköpfige Ensemble, das ständig gefordert wird, verlangt doch die schräge und zugleich emotionale Musik von Tom Waits vollen Einsatz.

Ein Sonderlob der witzigen Choreografie von Jasmin Rituper, die die Truppe zippeln und zappeln lässt und ständig in Bewegung hält. Den weißen Wald des Schreckens und die originellen Kostüme (Ausstattung: Ragna Heiny) verleihen der Aufführung einen märchenhaften Charakter. Für diese Aufführung haben sich professionelle Salzburger Musiker im „Black Rider Orchestra“ zusammengefunden. Die aufwändige, schräge Inszenierung von Robert Pienz verbindet das Böse, Abgründige und Komische perfekt. Die alte Sage vom Freischütz lässt an diesen Abend den großen Saal richtig vibrieren. Ein Hochgenuss!

„The Black Rider“ – The Casting of the Magic Bullets von William Burroughs, Tom Waits und Robert Wilson. Regie: Robert Pienz. Ausstattung: Ragna Heiny. Choreografie: Jamin Rituper. Mit: Olaf Salzer, Wolfgang Kandler, Simon Jaritz-Rudle, Johanna Egger, Bina Blumencron, Theo Helm, Marcus Marotte, Marko Vlatkovic, Bianca Farthofer. The Black Rider Orchestra. Musikalische Leitung, Kontrabass, Posaune: Gernot Haslauer, Percussion, Drums: Franz Trattner. Reeds: Christian Kronreif. Gitarre, Bass: Christian Neuschmid. Piano, Harmonium: Roli W. Fotos: Schauspielhaus/ Jan Friese

Dorfladen

Über den Autor

Elisabeth Pichler
“Theater war schon immer meine große Leidenschaft und scheinbar ist es mir auch gelungen, diese Begeisterung an meine Kinder weiterzugeben.” Elisabeth Pichler besucht für die Dorfzeitung Theateraufführungen und Konzerte und liest neue Bücher.

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