Der Rhythmus des Lebens

Manu Delago

Manu Delago | Alle Fotos: Leo Fellinger

Eigentlich mag Manu Delago keine Solokonzerte, man bewege sich immer im Gefahrenbereich, ins Langweilige abzugleiten, zu einseitig, zu eintönig zu werden, meint er. Wie umsichtig das ist und wie sich dieser Vorbehalt auswirkt, weiß man erst, wenn man das (erste) Soloprogramm „Environ me“ von ihm miterlebt hat.

Leo Fellinger

Von Leo Fellinger

So geschehen im Seekirchner Emailwerk, noch dazu als Konzertsaison-Auftakt Anfang Januar. Es war aber nicht nur der erste musikalische Höhepunkt der Saison, das Programm fügte sich nahtlos in das neue Schwerpunktprogramm des Kulturvereins Kunstbox ein. Sind es da die „Lebensräume“, die intensiv von allen Seiten beleuchtet werden sollen, trägt Manu Delago mit musikalischer und inhaltlicher Entschlossenheit sein Anliegen mit faszinierender Fertigkeit in die Herzen und Köpfe der Konzertbesucher*innen. Sein Leitmotiv „Environ me“ wirft zentrale Fragen auf und analysiert kritisch, wie wir in Zukunft mit dieser unserer Welt umgehen wollen.

Der zwischen London und Tirol pendelnde Hang-Spieler Manu Delago nimmt alle mit auf eine Reise, auf der jeder Song für sich ein eigenes Thema behandelt und so auch ein eigenes Element im Konzert darstellt. Liebevoll gestaltet, alle Sinne ansprechend, sozusagen 4D, weil diesmal mit einem knisternden Lagerfeuer auf dem Screen vor Konzertbeginn sogar der Geruchssinn angesprochen wird. Manu Delago meint: „Ich habe drei Leinwände auf der Bühne und versuche, die Umgebung bzw. unser ‘Environment’ in den Konzertsaal zu bringen. Die Visuals sind aber nicht nur sichtbar, sondern das Publikum hört auch den Originalton dieser Outdoor-Aufnahmen und ich agiere live mit den Environment-Sounds. Mein Anspruch an mich selbst ist, eine Show zu präsentieren, in welcher Technologie und Umwelt in musikalischer Art und Weise verschmelzen und natürlich das Publikum zu verzaubern.“

Und wie das gelingt: Von der Tierwelt über Feuer, Wasser und Wind bis zu Stahl, Zahnrädern und Klettband führt Manu auf drei komplexen Arbeitsplätzen auf der Bühne vor, wie die Welt im wahrsten Sinne des Wortes tickt. Er nimmt das Publikum mit in seine Welt des Rhythmus, bis alle davon überzeugt sind vom Rhythmus des Lebens. Seine musikalische Interpretation der Welt berührt viele Genres wie Ambient, Electronic, Industrial, Jazz und Worldmusic, aber er benutzt diese Stile wie Werkzeuge, die ihn näher zu seinem Ziel bringen, einem eigenen musikalischen Stil, unverwechselbar und echt. Es ist weitab von Mainstream, wagt akustische Experimente, der Raum zwischen unbequem und gefällig wirkt riesig, der Zuhörer ist immer gefordert.

Am eindrucksvollsten ist seine Interaktion mit den drei Videoscreens hinter ihm auf der Bühne, wenn er zum Beispiel eine Landschaft in vier Jahreszeiten besucht hat und die unterschiedlichen Schritt-Geräusche zu einer Komposition formt oder mit drei anderen Musikern einen Skiliftmast abklopft. Für „Trees in the Wood“ versammelt er 20 Musiker*innen mit Kontrabässen in einem abgeholzten Wald, um nach der Aufnahme 25 Bergulmen zu pflanzen, die sich aus den nicht ausbezahlten Gagen der Bassist*innen finanzieren. „Curveball“ lebt von dem Ritsch-Ratsch eines Ballspiels im Park, die Sprache der Tiere wird ebenso in sein Spiel eingebaut wie die Zugabe, die das Publikum zu Begeisterungsrufen hinriss: Bei „Pattern Pulse Popcorn“ überlässt er einer Pfanne Puffmais den rhythmischen Lead und spielt mit den Drums jeden „Puff“ mit, nach eigenen Angaben sein schwierigster Teil im Konzert, musste er den zufallsgetriebenen Takt fast vier Monate üben uns auswendig lernen.

Eine faszinierende Persönlichkeit, musikalisch wie menschlich, und ein lustvolles Erlebnis, das in Zeiten wie diesen aber den Blick wieder auf jene Dinge lenkt, die noch zu tun sind, um die Welt als die zu gestalten, die wir uns erträumen.

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