Das Maß der Dinge

 

In einem Museum trifft sie auf Adam, einen pummeligen Anglistik-Studenten, der sich mit diversen Nebenjobs über Wasser hält. Er ist schüchtern und verklemmt und kann es kaum fassen, dass sich diese flotte, eloquente junge Dame für ihn interessiert und ihm ihre Telefonnummer zusteckt.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Doch schon bald beginnt Evelyn, ihn sanft zu manipulieren, und scheinbar freiwillig befolgt er all ihre Ratschläge: Er ernährt sich gesünder, treibt Sport, tauscht Brille gegen Kontaktlinsen und legt sich modischere Kleidung und Frisur zu. Bald ist er ihr gänzlich verfallen und lässt sich als Liebesbeweis ihre Initialen eintätowieren. Schließlich wird aus dem schüchternen Adam ein selbstbewusster, durchtrainierter junger Mann. Diese Veränderung bleibt nicht unbemerkt. Besonders Jenny, die sich bisher erfolglos bemüht hatte, den schüchternen Adam aus der Reserve zu locken, ist begeistert. Leider steht sie nun kurz vor der Hochzeit mit Philipp, einem zwar selbstbewussten, dafür aber umso arroganteren Aufreißer. Spannungen und Streit liegen in der Luft und sind ein guter Nährboden für Wortduelle voller Witz und Pointen.

Anna Unterberger wirbelt als stets gutgelaunte Evelyn über die Bühne und wickelt mit viel List und Geschick den gutmütigen Adam ein. Sebastian Fischer als Adam überzeugt durch seine Wandlungsfähigkeit, er vollzieht absolut glaubhaft die Metamorphose vom armseligen Würstchen zum selbstbewussten jungen Mann ab. Die prüde Jenny (Anna Christina Einbock) und der arrogante Philipp (Tim Oberliessen) stehen zwar knapp vor ihrer Hochzeit, das befreundete Pärchen macht aber keinen sehr glücklichen Eindruck. Kein Wunder also, dass Jenny wieder nach Adam schielt: „Er ist ein ganz ein Lieber und wird von Tag zu Tag niedlicher.“

 Das Bühnenbild ist karg, doch die Bank aus dem Museum reicht vollauf, ist sie doch vielseitig einsetzbar (Ausstattung: Manuela Weilguni). Der jeweilige Spielort erscheint mit passendem Bild auf einer großen Leinwand und erleichtert die Orientierung: im Museum, im Restaurant, ein Wohnzimmer, im Schlafzimmer… Der Ortswechsel wird mit Musik und Textpassagen (jeweils Wiederholungen der letzten Szene) untermalt. Alexandra Liedtke hat diese fesselnde Komödie schwungvoll in Szene.

Die Schlusspointe darf natürlich nicht verraten werden. Trotz all der Leichtigkeit wirft dieses Stück auch viele Fragen auf, geht es doch um falsche Gefühle und wahre Liebe, um Betrug und künstlerische Obsessionen. Begeisterter Applaus für die vier Schauspieler. Ein Stück, das mit seinen flapsigen, witzigen Dialogen auch das jugendliche Publikum begeisterte.

„Das Maß der Dinge“ – von Neil LaBute / Inszenierung: Alexandra Liedtke / Ausstattung: Manuela Weilguni / Video: Andreas Irnstorfer / Dramaturgie: Heiko Voss / Mit: Anna Unterberger, Sebastian Fischer, Anna Christina Einbock, Tim Oberließen / Fotos: Christian Schneider


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2 Kommentare zu "Das Maß der Dinge"

  1. Matthias Traintinger Matthias Traintinger | 3. März 2011 um 15:44 |

    Ich war mit 2 Freunden aus meiner Klasse (6. Gym) am Dienstag Abend in den Kammerspielen und das Stück hat uns sehr gut gefallen. Wir können es mit gutem Gewissen weiterempfehlen!

  2. hallo,
    wir waren gestern mit der klasse dort und uns hats echt sehr gut gefallen. besonders das ende war eine echt krasse wendung.
    glg karin

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