„Reinhardt“ – Landestheater Salzburg

Foto: Salzburger Landestheater/ Christian Schneider

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Elisabeth Pichler. Inspiriert durch einen Besuch auf Schloss Leopoldskron hat der englische Autor Michael Frayn ein Stück über den berühmten österreichischen Regisseur Max Reinhardt, den Mitbegründer der Salzburger Festspiele, verfasst. Die deutschsprachige Erstaufführung fand am 14.11.2009 im Salzburger Landestheater statt.

Foto: Salzburger Landestheater/ Christian Schneider

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Das Stück beginnt vor dem roten Samtvorhang, rechts ein Modell des Barockschlosses Leopoldskron, links eine Miniatur des Salzburger Doms, daneben Vitrinen mit Erinnerungsstücken: dem Premierenfrack, einem alten Reisekoffer, Fotografien und Telegrammen. Reinhardt versucht, den Fürsterzbischof davon zu überzeugen, das von Hugo von Hofmannsthal bearbeitete Moralitätenstück „Jedermann“ vor der Domfassade aufführen zu lassen. Seine Inszenierung werde einfach sein, nur die Glocken des Domes und das Flattern der Tauben werden die schlichte Frömmigkeit des Textes untermalen.

Foto: Salzburger Landestheater/ Christian Schneider

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Als sich der Vorhang hebt, sind die ersten Proben bereits im Gange. Reinhardt arbeitet äußerst akribisch, jede Geste und jede Betonung sind genau festgelegt. Bereits zu diesem Zeitpunkt taucht der Arbeitslose Herr Müller auf und erste kritische Töne sind zu hören.

Doch die größte Inszenierung ist für Reinhardt die aufwendige und sehr kostspielige Renovierung des heruntergekommenen Schlosses Leopoldskron. Ob venezianisches Zimmer, Bibliothek, Affenhaus oder Pelikane, sehr zum Leidwesen seines Finanzverwalters „Käthchen“ Kommer, spielt Geld für ihn nie eine Rolle. Das Schloss wird zu seinem Zufluchtsort, dort lebt er mit seiner Geliebten Helene Thimig, seiner Sekretärin Gusti Adler und dem treuen Kammerdiener Franz und gibt, wenn er den Sommer in Salzburg verbringt, rauschende Künstlerfeste.

Foto: Salzburger Landestheater/ Christian Schneider

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In kurzen Szenen verfolgen wir die weiteren Stationen im Leben des Regisseurs, die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, die Enteignung von Schloss Leopoldskron, die Emigration nach Amerika, wo es ihm, wie so vielen, nicht gelingt, Fuß zu fassen, bis zu seinem einsamen Tod im Exil.

Erzählt wird die Geschichte eines großen Traumes und eines großen Scheiterns. Reinhardt flüchtet in die irreale Welt des Theater, versucht die Grenze aufzuheben zwischen Wirklichkeit und Traum, zwischen Kunst und Leben. Er ignoriert die Anfeindungen, denen er als Jude ausgesetzt ist, sowie den ewigen Kampf ums Geld.

Foto: Salzburger Landestheater/ Christian Schneider

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Bernd Jeschek als Reinhardt ist Künstler durch und durch, er interessiert sich nur für das wirklich Schöne im Leben, für sein Schloss, seine Statuen und seinen Garten, denn das Barock ist für ihn die Verlängerung des Theaters in die Alltagswelt. Sobald ihn sein Finanzverwalter (Gero Nievelstein), sein Kammerdiener Franz (Klaus Martin Heim), seine Geliebte und spätere Gattin Helene Thimig (Ulrike Walther) oder seine Sekretärin (Christine Einbock) auf die Realität hinweisen möchten, lenkt er ab, zieht sich zurück oder verreist. Friedrich Müller (Sascha Oskar Weis), ein Salzburger Bürger, erst im Trachtenanzug, später als Gauleiter in Uniform, verkörpert bedrohlich die dunkle Seite Salzburgs.

Frayns Stück verbindet kunstvoll die Geschichte Reinhardts mit der des Jedermanns. Viele Originaltexte sind zu hören und es ist faszinierend, welche Verbindungen immer wieder hergestellt werden können. Klaus Hemmerles Inszenierung beschert einen unterhaltsamen, aber auch informativen Abend, mit feinem englischen Humor, der für jeden Salzburger zu empfehlen ist. Ein Stück, wie für Salzburg gemacht.

„Reinhardt“ von Michael Frayn / Deutschsprachige Erstaufführung / Mit: Bernd Jeschek, Ulrike Walther, Christina Einbock, Gero Nievelstein, Klaus Martin Heim, Volker Conradt, Sascha Oskar Weis, Tim Oberließen / Inszenierung: Klaus Hemmerle / Bühnenbild: Andreas Wilkens / Kostüme: Sibylle Schulze / Musik: Walter Kiesbauer / Dramaturgie: Bettina Oberender

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