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Ingrid Kreiter. Selten ist eine Oper so heiter inszeniert: Obwohl die Handlung von Benedetto Marcellos “Arianna” alles andere als komisch ist, kommen hier kein Gram, keine düstere Weltuntergangsstimmung auf. Als die in ihrer Ehre gekränkte Ariadne mit knallroten Boxhandschuhen auf den untreuen Theseus losgeht und ihm im Zeitlupentempo mehrere harte rechte Haken versetzt, sieht man im Publikum viele vergnügte Gesichter. Geschmunzelt wird auch, wenn Sileno seine Krawatte zur Peitsche umfunktioniert und die Festgesellschaft solange rudern lässt, bis alle Sängerinnen und Sänger zu Boden gegangen sind.

In der eindeutig besten Opern-Produktion dieser Saison brillieren nicht nur die Hauptrollen, sondern auch das Mozarteumorchester. Dass sich in vertraute Instrumentalklänge auch etwas exotischere Töne – wie etwa die der Theorbe, der Truhenorgel oder des Cembalos – mischen, macht diese Oper doppelt spannend.

In den weiblichen Hauptrollen glänzen Karolína Plicková als Ariadne und Linda Sommerhage – obwohl gesundheitlich angeschlagen – als Phädra. Die wichtigste Arie der Ariadne fesselt das Publikum – Plickovás Stimme harmoniert wunderbar mit den Querflöten. Zurück bleiben eine Gänsehaut und das Gefühl, dass Musik ohne jeden Zweifel das Herz wärmen kann. Auch die Rollen des Theseus (John Zuckerman), Bacchus (Marcell Baknoyi) und des Silenus (Hubert Wild) sind äußerst passend besetzt. Während Wild hauptsächlich mit schauspielerischer Leistung überzeugt (selten wurde ein Trunkenbold so treffend dargestellt) und Zuckerman viel Energie in die leidenschaftlichen und ausgiebigen Kussszenen mit seiner Phädra legt, präsentiert sich Bakonyis Gesang ausgewogen und klangvoll.

Das Bühnenbild ist schlicht und dennoch funktional. Das relativ große Sängerensemble fügt sich hier gut ein. Es kommt, wie es kommen muss: Bacchus erobert dank seiner göttlichen Fähigkeiten (und wohl auch dem Versprechen, der schönen Ariadne ein eigenes Sternbild zu widmen – welche Frau hört solche Schmeicheleien nicht gerne?) seine Angebetete, die befreit von Zorn und Schmerz ihrem ehemaligen Geliebten Theseus und ihrer Schwester Phädra den Segen gibt.

Wer sich eine konservative und barocke Inszenierung erwartet, wird von der Arianna im Salzburger Landestheater enttäuscht sein. Hier ist Oper spritzig und vereint barocke Klänge mit “modernem Zeugs”, wie es eine ältere Zuschauerin in Reihe 7 spitz formuliert. Gerade dieses Zeugs ist es, das die Arianna zu einer Opern-Inszenierung macht, die man so schnell nicht vergessen wird.

Arianna. Oper in zwei Akten von Benedetto Marcello / Musikalische Leitung: Matthew Halls / Inszenierung: Jim Lucassen / Ausstattung: Ben Baur / Choreinstudierung: Karl Kamper / Dramaturgie: Heiko Voss, Ton Boorsma / Mozarteumorchester Salzburg / Mit: Arianna – Karolina Plicková, Fedra – Linda Sommerhage, Teseo – John Zuckerman, Bacco – Marcell Bakonyi, Sileno – Hubert Wild