Eva Reisinger: Männer töten

Eva Reisinger | Leykam Verlag Foto: © Minitta Kandlbauer

Eva Reisinger | Leykam Verlag Foto: © Minitta Kandlbauer

Eva Reisinger: Männer töten

Autorin: Eva Reisinger
Titel: Männer töten – Roman
ISBN: 978-3-7011-8297-8
eISBN: 978-3-7011-8310-4
Verlag: Leykam Buchverlagsgesellschaft m.b.H & Co KG.
Erschienen: 2023

Klappentext:

Anna Maria lebt ein typisches Großstadtleben: Sie arbeitet in einer hippen Firma, geht am Wochenende mit ihren Freundinnen feiern und hat eine komplizierte Ex-Beziehung. Bis sie Hannes an der Bar eines Nachtclubs kennenlernt. Er ist aus Engelhartskirchen, einem oberösterreichischen Dorf, von dem sie bis dahin noch nie gehört hat. Und ganz sicher rechnet sie nicht damit, eines Morgens mit Hannes in diesem Nest aufzuwachen. Als es doch passiert, lassen die Klischees zunächst grüßen: Kühe, Knödel, Kirchturmglocken. Dann aber bemerkt Anna Maria, dass nicht alles ins Bild passen will. Warum gibt es eine Pfarrerin, obwohl das Dorf katholisch ist? Wie kommt es, dass die Frauen hier viel lauter feiern als anderswo.

Anni Lemberger

Rezension von Anni Lemberger

Als die Wienerin Anna Maria von Wien nach Berlin zieht, kommt sie im wahrsten Sinn vom „Regen in die Traufe“. Sie hat es weder beruflich weit gebracht, noch fühlt sie sich in der deutschen Großstadt sonderlich wohl. Sie hat zwar zwei enge Freundinnen gefunden, bei denen sie seit der Trennung von ihrem Freund lebt, aber glücklich ist sie nicht. Da lernt sie in einer Berliner Diskothek Hannes kennen, einen österreichischen Bauern, der in Berlin seinen Studienabschluss feiert.

Nach einem Radunfall verliert Anna Maria ihre Praktikumsstelle – nichts hält sie mehr in Berlin. Sie folgt deshalb Hannes ins oberösterreichische Engelhartskirchen. Hier findet sie nicht nur Bauerngärten und Kuhstall, sondern vor allem ein fast männerfreies Dorf vor. Als sie in das Geheimnis des Männerschwundes eingeweiht wird, kann sie nicht mehr zurück.

Ein großartiger Roman zwischen Utopie und Realität. Die Autorin setzt sich mit dem Thema häusliche Gewalt gegenüber Frauen auseinander spinnt diesen Gedanken aber weiter und kehrt die Opferrolle um. 

Als der Protagonistin klar wird, wo in diesem einzigartigen Dorf die Männer hin verschwunden sind, steckt sie bereits – von den Frauen des Ortes verleitet – viel zu weit drinnen, als das sie zurück könnte. Also macht sie weiter – sie die sich gerne treiben lässt, und selber wenig aktiv wird. Nachdem auch Anna Maria eine Gewalterfahrung erlebt hat und noch immer vom Ex-Freund gestalkt wird, lässt sie sich von der Pfarrerin des Ortes überreden, sich am Täter zu  rächen.

Die Idee der Autorin, dass eine Tochter Maria Theresia´s vor einigen Hundert Jahren ein Dorf geschaffen hat, in dem  das Matriarchat gilt, finde ich großartig. Dabei wollen die Frauen von Engelhartskirchen mit allen Mitteln dieses Matriarchat bewahren und schrecken dabei auch vor einem Mord nicht zurück. Die Handlung ist natürlich überzeichnet und kann als „schwarzer Humor“ verstanden werden.

Aber gerade dieses Überzeichnen und die Umkehr der Opfer- und Täterrolle leitet den Blick der Lesenden auf die Femizide hin.

Genau hier hält die Realität wieder Einzug und verdrängt die Utopie: Es sind jedes Jahr mehr als 20 Frauen, die durch Männer aus dem Nahbereich getötet werden, weil sie Frauen sind. Und die Motive dafür, sind genau von derselben Banalität, wie hier satirisch dargestellt die Männermorde.

Möge dieses Buch als Spiegelbild gesehen werden und der Umkehrschluss, der hier als pechschwarzer Humor dargestellt ist, durchaus in den Fokus rücken. Was würde sich in patriarchalen Systemen ändern, wenn plötzlich das „Männer töten“ dieselbe Ausmaße annehmen würde, wie bisher die Femizide.?

Ich würde mir natürlich wünschen, dass dieser gesellschaftliche Spiegel die Opfer auf beiden Seiten verhindern könnte.

Die Handlung springt zwischen verschiedenen Orten hin- und her und das erfordert eine erhöhte Aufmerksamkeit, um die Handlung nachvollziehen zu können.

Unerwartet war der Schluss, der eigentlich offen blieb – allerdings das gesamte Buch als Utopie gesehen, kann der Schluss auch offen bleiben, weil Utopien beinhalten keine abgeschlossenen Handlungen.


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