„Grimms Märchen – hart gekürzt“

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Das kultige Feinripp Ensemble aus Tirol gastierte am 9. März 2018 im Kleinen Theater und schickte Thomas Gassner, Bernhard Wolf und Markus Oberrauch in den finsteren Hexenwald. Alle Märchenfreunde, die das Schaurige lieben, haben am 20. April 2018 nochmals die Gelegenheit, Grimms 280 Märchen in einer extrem gekürzten Fassung kennenzulernen.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

feinrippensemble_grimmsmaerchen_6Nach „Shakespeares sämtliche Werke: leicht gekürzt“ und „Bibel on Tour“ haben sich die drei Herren in Retro-Unterwäsche auf Grimms Märchen gestürzt. Diesmal hat Thomas angeblich seine Beziehungen spielen lassen und Tobias Moretti als Gaststar gewinnen können. Während Markus die Lüge schnell durchschaut, ist der gutgläubige, etwa naive Bernie ganz aus dem Häuschen, wird er doch bald mit seinem größten Idol gemeinsam auf der Bühne stehen. Als Moretti, der natürlich auch für keine Probe zu gewinnen war, nicht erscheint, behilft man sich vorerst mit einer Attrappe, natürlich ebenfalls in Feinripp. So muss der arme Bernie einem Lautsprecher in Unterwäsche sein Gedicht aufsagen, doch vor lauter Aufregung vergisst er natürlich den Text. Markus hingegen ist weniger zart besaitet und versteht das ganze Theater nicht. Er will endlich seinen Vortrag über die Brüder Grimm und ihre Märchensammlung zu Ende bringen.

Dann kann es endlich losgehen und Rotkäppchen wird zu seiner Großmutter in den Wald geschickt. Monumentale Improvisationen werden angekündigt. Biberchen und Schwesterchen treffen auf Rapunzel, König Blaubart und den gestiefelten Kater. Falco, die Mafia, TV-Schuldnerberater Peter Zwegat und sogar Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ mischen ebenfalls kräftig mit. Ein Konglomerat der blutrünstigen und brutalen Enden der Grimm’schen Märchen führt schließlich auf der Bühne zu einem Blutrausch. Während viele Märchen nur kurz angedeutet werden, ist die Geschichte der „Familie Geissen“ in voller Länge zu genießen: Die alleinerziehende Mandy hat es mit ihrer munteren Kinderschar nicht leicht, vor allem der pubertierende Jeremy Pascale macht seiner Mutter zu schaffen. Eines sei verraten: Der Wolf krallt sie sich alle. Als Bernie endlich erkennt, dass Moretti wirklich nicht kommen wird, ist allerdings Schluss mit lustig.

Susi Weber hat den märchenhaften Wahnsinn und das turbulente Scheitern der drei Herren temporeich inszeniert. Thomas Gassner spielt sich zwar als Boss auf, doch weiß er als Einziger, dass die Truppe total pleite und hochverschuldet ist. Sollte der Abend schieflaufen, prophezeit er dem armen Bernie ein Heim und dem brutalen Markus den Knast. Der stürmische Applaus des Publikums dürfte die Rettung aus der Misere gewesen sein.

„Grimms Märchen – hart gekürzt“ Ein märchenhaftes Schauerspiel. Feinripp Ensemble. Regie: Susi Weber. Mit: Thomas Gassner, Bernhard Wolf & Markus Oberrauch. Fotos: Kleines Theater/ Feinripp Ensemble, Gerhard Flatscher

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