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„Zweifel“ – Wer kennt schon die Wahrheit?

John Patrick Shanleys 2005 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnetes Stück über den Umgang mit Verdacht feierte am 8. März 2019 im Kulturraum Anthering Premiere. Regisseur Gerard Es greift mit dem Drama ein heißes Eisen an, denn in der Kirche mit ihren patriarchalischen Hierarchien und ständigen Vertuschungen brodelt es zurzeit gewaltig.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Mit strenger Hand leitet Schwester Aloysius eine kirchliche Schule. Für sie sind die Fächer Kunst, Musik und Sport reine Zeitverschwendung. Die gutmütige Schwester James ist in ihren Augen ein schlichtes, einfältiges Wesen und daher rät sie ihr, ihren Charakter zu stählen und mit weniger „Zuckerguss“ zu unterrichten. Dass sie ihr damit die Freunde am Unterrichten völlig nimmt, berührt die herzlose Schwester nicht, denn für sie ist „Zufriedenheit nur ein Laster“.

Dass der junge, dynamische Vater Flynn wegen des Basketballtrainings bei den jungen Burschen sehr beliebt ist, macht ihn schon verdächtig. Als Schwester Aloysius zu Ohren kommt, dass er sich besonders um einen Außenseiter, den einzigen dunkelhäutigen Schüler, kümmert, beginnt sie sofort, an der moralischen Integrität des Priesters zu zweifeln.

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Dass Vater Flynn die Fingernägel gerne etwas länger trägt und „drei“ Stück Zucker in seinen Tee nimmt, scheinen ihren Verdacht zu bestätigen. Sie beginnt einen mitleidlosen Rachefeldzug und lädt schließlich die Mutter des Jungen zu einem Gespräch. Die hat jedoch kein Interesse an einem Skandal: „Halten Sie meinen Sohn da raus!“

Ulli Fißlthaler darf sich als unerbittliche Schuldirektorin keine Gefühle erlauben, sie führt ihre Schule wie ein Gefängnis. Martina Müller hingegen strahlt als Schwester James Empathie und Herzensgüte aus, was ihr natürlich von Schwester Aloysius als Einfalt angekreidet wird. Hermann Strasser überzeugt als charismatischer Prediger und engagierter Sporttrainer, so dass man sich fast schämt, ihm unmoralisches Verhalten zu unterstellen. Anna-Maria Steiner-Liebenwein hat sich als Mutter des gemobbten Knaben mit der Realität engagiert. Für sie ist klar, dass der Mann in der Kutte die Macht hat.

John Patrick Shanleys provokantes, leider hochaktuelles Stück behandelt den Umgang mit Verdacht, Schuld und Verurteilung und gibt die Frage, wie man sich verhalten soll, wenn keine eindeutigen Beweise vorliegen, an das Publikum weiter. Ein zwar ungemütlicher Stoff zum Nachdenken, doch ein überaus intensiver Theaterabend.

„Dieses Stück ist den zahlreichen Nonnenstiften gewidmet, deren Schwestern ihr Leben dem Dienst an ihren Mitmenschen in Krankenhäusern, Schulen und Altersheimen verschrieben haben. Bei allem Spott und übler Nachrede, die sie ertragen müssen – wer unter uns war je so selbstlos?“

(J. P. Shanley)

„Zweifel“ von John Patrick Shanley. Regie: Gerard Es. Regieassistenz: Gerhild Heissel, Roman Ferrari. Technik: Peter Zach, Gregor Bartosch. Bühnenbild, Kostüme: Ensemble. Mit: Ulli Fißlthaler, Hermann Strasser, Martina Müller, Anna-Maria Steiner-Liebenwein. Fotos: Theater Anthering


„Karrnerleut“ und „Null Bock“ – Außenseiter einst und jetzt

Zwei Einakter, die sich mit der Angst vor dem Fremden, dem Unangepassten, befassen, hat Gerard Es mit einem engagierten Ensemble des Theaters Anthering in Szene gesetzt: Karl Schönherrs „Karrnerleut“ aus dem Jahre 1904 und Felix Mitterers 80 Jahre später entstandene Aktualisierung des Stücks, „Null Bock“. Die Premiere fand am 10.4.2015 im Kulturraum Anthering statt.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Füchsl, der kleine Sohn einer Vagabundenfamilie, hat großen Hunger. Als sich die Eltern aufmachen, um Erdäpfel stehlen zu gehen, bleibt er mit seinem größeren Bruder Spitz alleine im Lager zurück. Da taucht ein Gendarm mit einer resoluten Bäuerin im Schlepptau auf, die nach einem gestohlenen Lamm sucht. Die beiden erpressen das hungrige Kind mit einem Stück Brot.

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Sie setzen dem Kleinen so lange zu, bis er das Versteck des Felles verrät. Während die Bäuerin Mitleid mit dem Kind zeigt, fühlt sich der Gendarm durch die frechen Sprüche des Buben provoziert. Den Vorwürfen der Eltern fühlt sich der Kleine nicht gewachsen, von Reue geplagt kommt es zu einer Verzweiflungstat.

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Mitterers Stück „Null Bock“ spielt auf einer Müllhalde, 80 Jahre später. Auch hier steht am Beginn ein Diebstahl. Zwei junge Leute, Richie und Tina, haben aus einem Kaufhaus eine Flasche Whiskey und ein Nachthemd mitgehen lassen. Für den Gendarmen und den aufgebrachten Filialleiter haben die beiden nur Verachtung über, ihre frechen Sprüche heizen die Situation zusätzlich auf. Der an seinen eigenen Erziehungsmethoden gescheiterte Gendarm sucht Trost im Alkohol. Wehleidig und rührselig geworden, entgeht ihm die zunehmende Aggression des Filialleiters. Dieser rächt sich an dem jungen, unbekümmerten Mädchen und genießt es, folgenlos eine Straftat verüben zu können.

Der Theaterabend beginnt mit Mitterers Stück über zwei junge Aussteiger, die „Null Bock“ haben. Sebastian Karl und Sonja Schernthaler überzeugen als desillusionierte Jugendliche, die gerne in eine Phantasiewelt abtauchen. Friedi Lebesmühlbacher als Gendarm und Roman Ferrari als Filialleiter fühlen sich durch die Anarchisten-Sprüche der beiden provoziert, sie haben für das arbeitsscheue Gesindel nur Verachtung über.

Nach der Pause wird aus der Müllhalde eine romantisch anmutende Lagerstätte mit Planwagen und offenem Feuer. Hier haben die „Karrnerleut“ (Hermann Strasser und Ilse Schernthaner) mit ihren zwei Kindern (Simon und Valentin Nagl) ihr Quartier aufgeschlagen, sehr zum Verdruss der umliegenden Bauern. Während das hungernde Kind bei der Bäuerin (Ulli Fißlthaler) Mitleid erregt, bleibt der Gendarm (Josef Kittl) unbarmherzig und eiskalt.

Zwei hochaktuelle, sehr berührende Stücke über zutiefst menschliche Schicksale, über Ängste, Schuld und Reue. Ein Theaterabend, der wohl niemanden im Publikum kaltlässt.

„Karrnerleut“ von Karl Schönherr. Regie: Gerard Es. Mit: Hermann Strasser, Ilse Schernthaner, Simon Nagl, Valentin Nagl, Josef Kittl, Ulli Fißlthaler. „Null Bock“ von Felix Mitterer. Regie: Gerard Es. Mit: Sebastian Karl, Sonja Schernthaner, Friedi Lebesmühlbacher, Roman Ferrari. Fotos: Antheringer Laientheater


„Kalender Girls“ – ein alternativer Frauenclubkalender

Die auf einer wahren Begebenheit basierende Filmkomödie „Calendar Girls“ war 2003 überaus erfolgreich und wurde von Tim Firth für die Bühne bearbeitet. Die mutigen Damen der Theatergruppe Anthering laden in das Kultur- und Veranstaltungszentrum Voglwirt und präsentieren dort neben einer warmherzigen Komödie auch den 1. Original Antheringer Pin-up-Kalender 2015, dessen Gewinn an die Salzburger Kinderkrebshilfe gespendet wird.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

In einer beschaulichen Landgemeinde in North Yorkshire treffen sich die Damen regelmäßig im örtlichen Frauenclub. Chorsingen, Handarbeiten Kochen und Backen gehören zu ihren Aktivitäten, meist verbunden mit einer Wohltätigkeitsveranstaltung. Der alljährliche Benefiz-Kalender mit Kirchen- und Brückenmotiven war bisher nicht besonders erfolgreich. Als Annies Mann an Leukämie stirbt, beschließen die Damen, ihm in Form eines „John Clare Erinnerungssofas“ im Wartezimmer der Krebsstation ein Denkmal zu setzen.

Um das nötige Geld aufzutreiben, beschließen die Frauen, fast alle schon in reiferen Jahren, über ihren Schatten zu springen und die Hüllen fallen zu lassen. Sie sind sich sicher, nacktes Fleisch verkauft sich gut. Bestärkt wird ihr Vorhaben durch einen Ausspruch des Verstorbenen beim Anblick von Sonnenblumen: „Die letzte Phase der Blumen ist immer die prächtigste.“ Der nervöse, junge Fotograf verspricht den Damen, bei seiner Arbeit keine nackten Frauen, sondern nur eine Form der Natur zu sehen. Der Kalender wird ein sensationeller Erfolg. Die Medien werden auf die lustigen Weiber von Yorkshire aufmerksam und das hat ungeahnte Folgen, Freundschaften und Ehen drohen zu zerbrechen.

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Chris (Ulli Fißlthaler) ist die Ambitionierteste in diesem Frauenverein. Sie versucht, allerdings ergebnislos, die Damen für ihre Tai-Chi-Übungen zu begeistern. Ann, die trauernde Witwe (Maria Liebenwein), muss Chris einbremsen, als diese versucht, den Erfolg für ihre Zwecke zu nutzen. Die junge Celia (Anna-Maria Liebenwein), freizügig, aber harmlos, ist von Anfang an mit Begeisterung dabei. Die brave Ruth (Sabine Eder sprang bei der Premiere am 24. Oktober für die verletzte Martina Müller ein) will eigentlich lieber 100 Kalender kaufen, anstatt bei diesem anstößigen Projekt mitzumachen.

Cora (Andrea Brehm-Lebesmühlbacher), eine leidenschaftliche Klavierspielerin, fürchtet um ihren guten Ruf. Ein kräftiger Schluck aus der Flasche hilft sowohl den Damen und als auch dem leicht überforderten Fotografen, ihre anfängliche Schamhaftigkeit zu überwinden. Geschickt inszeniert sind die Szenen, in denen für jeden Kalendermonat Fotos von den Frauen bei ihren hausfraulichen Tätigkeiten gemacht werden, wobei kleine Tricks über die Nacktheit hinweghelfen.

In der Pause und nach der Vorstellung ist der Kalender käuflich zu erwerben. Auch in Anthering findet das Ergebnis der Fotoaufnahmen reißenden Absatz. Dem Salzburger Fotografen Andreas Schatz und seinem Team verdanken die Antheringer Girls das sensationelle Ergebnis dieses Fotoshootings: geschmackvolle Bilder von schönen Frauen jeden Alters. Katharina Müller-Uri hat diese flotte Komödie mit viel Witz in Szene gesetzt. Das Publikum zeigte sich begeistert und genoss diesmal nicht nur Leberkäse und Würstel, sondern auch Schokoschnecken. Warum wohl? Ein Blick in den Kalender klärt darüber auf.

„Kalender Girls“ – Komödie von Tim Firth. Regie: Katharina Müller-Uri. Bühnenbau und Technik: Josef Kittl, Petr Zach und Ensemble. Mit: Ulli Fißlthaler, Maria Liebenwein, Anna-Maria Liebenwein, Andrea Brehm-Lebesmühlbacher, Gerhild Heissel, Martina Müller, Martina Kardeis, Sabine Eder, Poldi Mayer, August Liebenwein, Friedrich Lebesmühlbacher, Hermann Strasser, Thomas Ehinger. Fotos: Theater Anthering/ Schatzl


„Die Spieldose“ – tragisches Theater in Anthering

Es hat schon Tradition, dass im Theater Anthering auf der Probebühne auch ernste, dramatische Stücke gespielt werden. Regisseur Gerard Es bearbeitete diesmal ein expressionistisches Drama Georg Kaisers (1878-1945), der in der Zwischenkriegszeit neben Gerhard Hauptmann zu den meistgespielten Autoren Deutschlands zählte und heute fast in Vergessenheit geraten ist.

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Von Elisabeth Pichler

Jeden Abend findet am Bauernhof von Severin eine eigenwillige Zeremonie statt. Die zukünftige Schwiegertochter Amalia liest ihm Briefe ihres Verlobten Paul vor, der an der Front kämpft. Dazu ertönt aus einer Spieldose – ein Brautgeschenk – eine zärtliche Melodie. Die beiden halten sich an den Händen, fast wie ein Liebespaar, sie suchen Trost. Als sie die schreckliche Mitteilung erhalten, dass der junge Mann gefallen sei, umklammern sie sich wie Ertrinkende und beschließen nach kurzer Trauerzeit, „sich gegenseitig zu retten“ und zu heiraten.

Die Geburt eines Buben, den sie Paul nennen, scheint das junge Glück zu besiegeln. Da kehrt der schwer traumatisierte Bräutigam zurück, der irrtümlich für tot erklärt worden war. Er erkennt weder Vater noch Braut, ist nur mehr „ein wesenloser Schatten“ und so wird er als Knecht am Hofe aufgenommen. Eines Tages findet er die Spieldose, deren vertraute Klänge in ihm Erinnerungen wecken.

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Martina Müller wickelt in der Rolle der Amalia ihren Schwiegervater und späteren Ehemann um den Finger. Sie hat „so viel Leben aufgestaut, dass sie die Kraft von ihrem eigenen Leben erschlägt“. Josef Kittl fühlt sich als Severin mit diesem Energiebündel anfangs leicht überfordert, blüht aber zusehends auf und liest seiner jungen Frau bald schon jeden Wunsch von den Augen ab.

Thomas Ehinger stört als totgeglaubter Bräutigam diese Familienidylle. Anfangs nur „ein Gefäß ohne Inhalt“, leer und träge, packt ihn blinde Wut, als er sein Gedächtnis wiedererlangt. Wenn Ulli Fißlthaler als Bürgermeisterin mit finsterer Miene die Bühne betritt, droht Unheil, denn sie überbringt stets schlechte Nachrichten, die dramatische Folgen nach sich ziehen.

Georg Kaisers Schauspiel ist an Dramatik kaum zu überbieten, erinnert in seiner Wucht an griechische Tragödien, wobei die ungewohnt pathetische Sprache die enorme Wirkung noch verstärkt. Gerard Es hat das starke Stück mit einem engagierten Ensemble im Theater Anthering auf der Probebühne inszeniert. Viel Applaus für das gesamte Team bei der Premiere am 3. Mai 2014.

„Die Spieldose“ – Schauspiel von Georg Kaiser. Bearbeitet von Gerard Es. Theater Anthering. Das Theater auf der Probebühne. Regie: Gerard Es. Bühnenbau/Kostüme: Ensemble. Mit: Martina Müller, Josef Kittl, Thomas Ehinger, Ulli Fißlthaler.


Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben

Am Nationalfeiertag, dem 26. Oktober 2013, fand im neuen Antheringer Kulturzentrum, im ehemaligen Dorfwirtshaus Voglwirt, die Premiere dieses populären bayrischen Volksstückes statt. In der Titelrolle brilliert, wie schon 1989, Hans Stadler, langjähriger Hauptdarsteller des Salzburger Adventsingens.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

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Der Boanlkramer (bayrische Bezeichnung für den Tod) soll den Brandner Kaspar, einen verwitweten Büchsenmacher und begnadeten Wilderer, im 72. Lebensjahr abholen und ins Jenseits begleiten. Dieser fühlt sich jedoch „gesund wie ein Fisch im Wasser“, versucht daher, Zeit zu schinden, und lädt den ungebetenen Gast erst mal auf ein Gläschen Kirschgeist ein. Für den Himmel und die versprochenen Seligkeiten wäre er dann mit 80 Jahren bereit. Vom Alkohol leicht benebelt, lässt sich der Boanlkramer auf ein verhängnisvolles Kartenspiel ein und so muss er ohne Beute abziehen.

Brandner Kaspars groß gefeierter 75. Geburtstag wird durch einen tragischen Unfall überschattet. Seine heißgeliebte Enkelin, die tugendhafte Marei, verunglückt tödlich und landet im bayrischen Himmel, doch 18 Jahre zu früh. Bei Durchsicht der göttlichen Buchführung muss Petrus feststellen, dass sich da ein Fehler eingeschlichen hat. Warum ist eigentlich der Brandner Kaspar noch nicht da? Der Boanlkramer wird zum Rapport gerufen, es besteht Erklärungsbedarf.

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Die Geschichte des Brandner Kaspars, einer literarischen Figur aus einer Kurzgeschichte Franz von Kobells, wird erstmals 1871 in den „Fliegenden Blättern“ veröffentlicht. Kobells Ururgroßneffe Kurt Wilhelm bearbeitete und inszenierte 1975 das Werk seines Vorfahren für das Residenztheater in München und fügte auch die „himmlischen Szenen“ hinzu. Regisseur Gerard Es lässt das bayrische Volksstück, in dem der schlitzohrige und dickköpfige Brandner Kasper den Tod beim Kartenspielen betrügt, zur Freude des Publikums in Anthering spielen.

Hans Stadler als listiger Brandner und Josef Kittl als kauziger, fast liebenswert hilfloser Boanlkramer geben ein kongeniales Paar ab. Der Blick in den Himmel zeigt, dass es dort liebevoll menschelt. Der cholerisch-humorlose Erzengel Michael (Friedi Lebesmühlbacher) vergisst ständig sein Flammenschwert, dem Pförtner Petrus (Herrmann Lechner) geht nichts über eine ordentliche Weißwurst-Brotzeit. Zwischen all dieser Heiligkeit wuseln mit sichtlichem Vergnügen kleine Englein herum.

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Das heitere Volksstück, wie geschaffen für eine engagierte Laienbühne, unterhielt das Publikum im übervollen, geschmackvoll renovierten und sanierten neuen Kulturzentrum bestens. Der Reinerlös der Premiere, einer Benefizveranstaltung für die Antheringer Zirkusvolksschule „Circus Anthelli“, dient der Förderung des örtlichen künstlerischen Nachwuchses.

„Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben – Komödie von Kurt Wilhelm. Nach einer Erzählung von Franz von Kobell. Bearbeitet für das Theater Anthering von Gerard Es. Regie: Gerard Es. Bühnenbau: Josef Kittl, Thomas Hutzinger. Mit: Hans Stadler, Thomas Hutzinger, Herrmann Strasser, Anna-Maria Liebenwein, Maria Liebenwein, Elena Pletzer, Gusti Liebenwein, Anneliese Geier, Josef Kittl, Engelbert Havriluk, Friedi Lebesmühlbacher, Herrmann Lechner, Andrea Brehm, Gerhild Heissel, Ilse Schernthaner, Bernhard Brenneis.

Letztes Wochenende wurden zwei langjährige Vereinsmitglieder mit der silbernen Anstecknadel des SAV - Salzburger Amateurtheaterverband geehrt: Gusti Liebenwein (Bürgermeister Senftl) sowie Josef Kittl (Boandlkramer) sind beide seit mehr als 40 Jahren besonders aktive und stets tatkräftige Mitglieder des Theater Anthering. Hans Stadler (Brandner Kaspar), der in diesem Jahr sein 60-jähriges Bühnenjubiläum hat und damit Abschied von den großen Hauptrollen nimmt, besitzt bereits seit mehreren Jahren die höchste Auszeichnung des SAV's, goldene Ehrennadel. Daher ehrte ihn unser Ensemble selbst, mit Blumen und einem kleinen Geschenk zum Entspannen für ihn und seine Ehefrau. Herzliche Gratulation an alle drei!
Letztes Wochenende wurden zwei langjährige Vereinsmitglieder mit der silbernen Anstecknadel des SAV – Salzburger Amateurtheaterverband geehrt: Gusti Liebenwein (Bürgermeister Senftl) sowie Josef Kittl (Boandlkramer) sind beide seit mehr als 40 Jahren besonders aktive und stets tatkräftige Mitglieder des Theater Anthering. Hans Stadler (Brandner Kaspar), der in diesem Jahr sein 60-jähriges Bühnenjubiläum hat und damit Abschied von den großen Hauptrollen nimmt, besitzt bereits seit mehreren Jahren die höchste Auszeichnung des SAV’s, goldene Ehrennadel. Daher ehrte ihn unser Ensemble selbst, mit Blumen und einem kleinen Geschenk zum Entspannen für ihn und seine Ehefrau. Herzliche Gratulation an alle drei! (Theaterinfo Anthering)


„Glorious!“ – eine wahre Geschichte.

Peter Quilters Komödie ist eine Hommage an die amerikanische Sängerin Florence Jenkins (1868-1944), die es verstand, mit wenig Talent, aber viel Enthusiasmus ihr Publikum zu begeistern.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Im Kulturraum Anthering schmettert Ulli Fißlthaler in der Rolle der Operndiva gekonnt falsch und schrill bekannte Sopran-Arien ins Publikum.

Die wohlhabende Florence Jenkins ist auf der Suche nach einem neuen Pianisten. Den etwas schüchternen Cosmé McMoon kann sie mit ihrem Gesang nicht überzeugen, er ist einfach sprachlos, doch ihrem finanziellen Angebot kann er nicht widerstehen. Die millionenschwere Erbin hat zwar einen gewaltigen Stimmumfang, doch leider trifft sie selten die richtigen Töne. Zu ihren treuesten Bewunderern zählen ihre Freundin Dorothy, eine lustige Witwe mit Hund, sowie ihr Manager und Lebenspartner, der arbeitslose Schauspieler St. Clair Bayfield.

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Ob bei Solokonzerten, Trauerfeierlichkeiten, beim „Ball der silbernen Feldlerchen“ oder im sterilen Tonstudio, die temperamentvollen Auftritte der exzentrischen Dame sind stets spektakulär. Während ihre Bewunderer von ihrem Gesang als „größte Liebesperle auf der Glasur ihres Kuchens“ schwärmen, ist sie für ihre Gegner einfach nur eine Schande. Schließlich investiert sie ein kleines Vermögen in ein Konzert in der Carnegie Hall. Als Höhepunkt des legendären, viel umjubelten Auftritts zelebriert sie mit Inbrunst die Rachearie der Königin der Nacht.

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Es ist sicher nicht leicht, absichtlich so grauenhaft falsch zu singen. Doch Ulli Fißlthaler in der Rolle der schrägen Operndiva schafft das bravourös und trällert als temperamentvolle Carmen ebenso überzeugend wie als verzweifelte Tosca. Andrea Brehm als ihre treu ergebene Freundin glüht vor Hingabe und ist überzeugt vom Talent der Sängerin. Obwohl St. Clair Bayfield (August Liebenwein), ihr charmanter Freund und Begleiter, gesundheitlich etwas angeschlagen ist, kann er weiblichen Reizen nur schwer widerstehen, vor ihm ist nicht einmal das stets schlecht gelaunte und nicht mehr ganz junge mexikanische Dienstmädchen (Gerhild Heissel) sicher. Bewundernswert Christian Geroldinger, der den Pianisten hinter einem Klavier versteckt nur mimt. Er ist so überzeugend in Mimik und Gestik, dass man fast vergisst, dass die phantastische Live-Musik von Katrin Lehismets-Vasar kommt.

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Katharina Müller-Uri hat diese liebenswerte Komödie über die exzentrische Diva, die mit unerschütterlichem Selbstvertrauen und einer umwerfenden Liebe zur Musik ihren Traum verwirklichen konnte, in Szene gesetzt. Florence Jenkins konnte zwar nicht perfekt singen, doch tat sie dies voller Freude und diese Begeisterung sprang auf die Zuschauer über. Auch in Anthering gab es viel Beifall für eine gelungene Vorstellung und vielfachen Szenenapplaus für Ulli Fißlthalers hinreißend schrille und schräge Arien.

 „Glorious!“ Komödie von Peter Quilter. Regie: Katharina Müller-Uri. Mit: Ulli Fißlthaler, Christian Geroldinger, Andrea Brehm, August Liebenwein, Gerhild Heissel, Ilse Schernthaner. Fotos: Antheringer Laientheater


„Außer Kontrolle“ – Theater im Wirtshaus

Erfreulich, dass der Voglwirt für diese Aufführung seine Pforten wieder öffnet. Das Publikum – der große Saal ist bis auf den letzten Platz besetzt – wartet gespannt auf den Beginn der Vorstellung, denn die turbulente Boulevardkomödie des britischen Dramatikers Ray Cooney verspricht einen unterhaltsamen Abend.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Minister Richard Willey schwänzt eine öde Parlamentsdebatte und trifft sich stattdessen lieber mit der jungen, hübschen und vor allem sehr blonden Sekretärin der Oppositionspartei zu einem Schäferstündchen im Westminster Hotel. Champagner, Kaviar und Austern stehen bereit und somit scheint einer wilden, leidenschaftlichen Affäre nichts mehr im Wege zu stehen. Als sie jedoch einen leblosen Körper auf dem Fenstersims entdecken ist es mit der Romantik vorbei. Die Polizei darf natürlich nicht verständigt werden. Für solch pikante Angelegenheiten ist der Privatsekretär zuständig, er soll sich um die Leiche kümmern und sie möglichst diskret entsorgen. Dabei gilt es jedoch einige Schwierigkeiten zu überwinden, denn ständig wird an der Tür geklopft.

Der Herr Minister, ein echter Politiker eben, ist nie um eine Ausrede verlegen, er belügt und täuscht sie alle, die gestrenge Hotelmanagerin, den eifersüchtigen Ehemann, den geldgierigen Herrn vom Zimmerservice und die liebeshungrige Krankenschwester. Ein Wunder, dass er sich bei all diesen Täuschungen selbst noch auskennt, gerät doch alles – sehr zum Vergnügen des Publikums – immer mehr „außer Kontrolle“.

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Bewundernswert wie Hermann Lechner als Minister Willey diesen zweistündigen Abend trägt. Er ist die Ruhe in Person und lässt sich auch durch das unerwartete Auftauchen seiner Frau Gemahlin nicht aus der Fassung bringen. Ihm zur Seite steht Christian Geroldinger als sein Privatsekretär, der im Laufe des Abends vom verklemmten Muttersöhnchen zum draufgängerischen Verführer wird, die Durchtriebenheit seines Chefs scheint abzufärben. Gusti Liebenwein begeistert als schlitzohrige Kellner, der sich seine Verschwiegenheit nur allzu gerne bezahlen lässt. Friedi Lebesmühlbacher tobt als cholerischer, eifersüchtiger Ehemann über die Bühne und verbreitet auf der Suche nach seiner Ehefrau Angst und Schrecken. Ulli Fißlthalers Auftritt als Ministergattin ist zwar nur kurz, dafür aber umso intensiver. Josef Kittl hat zwar wenig Text, hängt dafür aber als Leiche in absolut hinreißender Haltung im Kasten am Haken.

Die große Herausforderung bei Boulevardkomödien ist das richtige Timing. Auf Stichwort muss eine bestimmte Aktion passieren, geht eine Tür auf und die andere zu. In diesem Falle kommt noch ein nicht funktionierendes Fenster dazu, das immer im falschen Augenblick zufällt. Ein großes Kompliment an die Regie (Katharina Müller-Uri) und das gesamte Ensemble, denn es hat alles geklappt, nichts ist „außer Kontrolle“ geraten. Das Publikum war begeistert, zwei Stunden ungetrübtes Lachen und dazu eine ordentliche Jause, was will man mehr. Bleibt nur zu hoffen, dass „Das Theater im Wirtshaus“ auch im nächsten Jahr im Voglwirt zu Gast sein darf.

Achtung: Zwei Zusatzvorstellungen: 3. und 4.12.2011 (www.theater-anthering.at).

„Außer Kontrolle“ – Komödie von Ray Cooney. Theater Anthering. Das Theater im Wirtshaus. Regie: Katharina Müller-Uri. Bühnenbau & Kostüme: Thomas Hutzinger, Kurt Hofer & das Ensemble, Technik: Peter Zach. Mit: Hermann Lechner, Gerhild Heißel, Gusti Liebenwein, Marina Müller, Josef Kittl, Christian Geroldinger, Friedi Lebesmühlbacher, Ulli Fißlthaler, Ilse Schernthaner. Fotos: Theater Anthering


„Es“ – berührt auch das Antheringer Publikum

Trautes Heim, wie es früher einmal war: Die liebende Gattin häkelt heimlich an einem Babyhäubchen und trällert ein Lied vom nahenden Frühling. Als der gestresste Herr Gemahl aus dem Laboratorium heimkehrt, wirkt er leicht gereizt, doch sie ist ganz Ohr und lauscht hingebungsvoll und bewundernd seinen eigenwilligen Tiraden.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Er will alles daran setzen, ein Gesetz durchzubringen, dass es nur ärztlich für gesund befundenen Paaren erlaubt werde, zu heiraten. Ihre Einwände lässt er nicht gelten, denn wenn Frauen zu viel denken, geht das alleweil schief“. Ein Laborbefund, der ihn selbst als Träger einer Erbkrankheit ausweist, lässt ihn verzweifeln. Er ist am Boden zerstört und macht seine Mutter für die Krankheit verantwortlich. Als er von der Schwangerschaft seiner Gattin erfährt, will er auf keinen Fall „Krankes in die Welt setzen“.

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Eine werdende Mutter denkt da anders, seine Gattin ist davon überzeugt, dass jedes Leben lebenswert sei und dass die Liebe einer Mutter unendlich viel vermag. Doch er reagiert unbarmherzig, gnadenlos, ja unmenschlich.

Ulli Fißlthaler bietet als Maria eine grandiose Leistung, sie überzeugt erst als liebende Gattin, dann als werdende Mutter, die um ihr Kind kämpft, und schließlich als schwermütige, enttäuschte Ehefrau, die sich zwar vor ihrem Mann und seinen abstrusen Thesen fürchtet, ihn aber immer wieder zu Wortduellen herausfordert.

Hermann Strasser gibt als Paul den verbissenen Wissenschaftler, einen Mediziner, der niemals einen Fehler eingestehen wird. Ein tragisches, doch auch sehr berührendes Stück und vor allem ein sehr aktuelles Thema, denn die Möglichkeiten pränataler Diagnostik stellen heute werdende Mütter und Väter oftmals vor eine harte Entscheidung, die die Frage aufwirft: „Wann ist ein Leben lebenswert?“

„Es“ von Karl Schönherr, Theater Anthering, Kulturraum / Regie: Gerard Es / Technik: Sepp Kittl, Peter Zach / Bühnenbild und -bau: Kurt Hofer / Mit: Ulli Fißlthaler und Hermann Strasser / Fotos: Theater Anthering (Schweighofer 3, Schatzl 1)



Theater Anthering: Passion

Beim Voglwirt in Anthering wird wieder Theater gespielt. So nach und nach füllt sich der Wirtshaussaal, die Stimmung ist gut. Kellnerinnen servieren noch da und dort ein Bier oder Kracherl, auch Beuschl und Wienerschnitzel stehen auf der Speisekarte. Nachdem für das leibliche Wohl gesorgt ist, kann das Stück beginnen.

“Passion”, eine Komödie von Gerhard Loew, bearbeitet von Gerard Es steht auf dem Programm. Gerhard Loew hat sich vor allem mit seinen Mundartstücken einen Namen gemacht.

Die Bewohner eines Dorfes irgendwo im Alpenvorland, möchten zur Ankurbelung des dörflichen Fremdenverkehrs und somit der Wirtschaft ein Passionsspiel, ähnlich dem im bayrischen Oberammergau aufführen. Die Rollen wurden bereits vergeben und die Proben haben auch schon begonnen. Und es kommt auch prompt zu kleineren und größeren Turbulenzen: Eifersüchteleien bei der Rollenvergabe, Diskussionen zum Text und Beziehungskrisen einzelner Schauspieler stressen den Regisseur, der nur einen Blick für das “Gesamte” haben möchte, auch wenn es nicht immer gelingt.

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Die Rollen sind perfekt besetzt und die Schauspieler machen ihre Sache gut. Es wird ein nahezu perfektes “Theater im Wirtshaus” geboten, genau so, wie es sein soll. Der Voglwirtsaal in Anthering bietet eine Kulisse, wie es sie sonst nur noch im Film gibt. Gerard Es hat es geschafft, einen äußerst unterhaltsamen Theaterabend mit dem Ensemble zu erarbeiten. Nach dem verdienten Schlussapplaus und dem Umziehen kamen die Schauspieler so nach und nach von der Bühne herunter und gesellten sich zum Publikum an den Tischen.

Passion von Gerhard Loew / Theater Anthering im Voglwirtssaal / Regie: Gerard Es / Mit: Hermann Strasser, Hermann Lechner, Thomas Ehinger, Veronika Spitaler, Martina Kardeis, Maria Liebenwein, Josef Kittl, Friedi Lebesmühlbacher, Engelbert Havriluk, Bernhard Brenneis, Johann Kemetinger, Gerhild Heissel, August Liebenwein, Josef Prähauser / Bühnenbau + Kostüme: Ensemble / Technik: Peter Zach


Superhenne Hanna

Es ist ein wunderschöner Morgen am Bauernhof, so schön, dass Hanna das Krähen des Hahnes nicht mehr abwarten kann, sich einfach auf den Misthaufen stellt und mit einem lauten „Kikerikiiiii“ ihre Schwestern aufweckt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Hahn Alex ist darüber zwar schwer verärgert, aber diese rote Henne ist ihm sichtlich überlegen, denn sie verfügt über eine ganz außergewöhnliche Fähigkeit: Sie kann sprechen.

Eines Tages erfährt sie, dass im Dorf eine neue „Hühnerfabrik“ eröffnet wurde. Ihr Weggefährte, der räudige Fuchs Bartl, berichtet aufgeregt, dass die Hühner dort unendlich leiden müssen, denn sie sind eingepfercht in Legebatterien, sehen nie die Sonne und bekommen nicht einmal Würmer zu fressen.

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Foto: Theater Anthering

Da fasst die mutige Hanna den Plan, ihre „Schwestern“ zu befreien. Zur Seite stehen ihr neben dem Fuchs Bartl auch die Bauernkinder Kathi und Junior sowie der kleine Hahn Alex. Doch der geldgierige Fabrikbesitzer Klotzinger mobilisiert alle Kräfte, um Hannas Befreiungsaktion zu verhindern. Der Kampf um ein artgerechtes Leben für die Tiere spitzt sich auf einen dramatischen Höhepunkt zu.

Foto: Theater Anthering

Schon rein optisch ist die Superhenne Hanna der Boss. In ihrem schicken, roten Samtmantel mit grandiosem Federschmuck stolziert sie selbstsicher über die Bühne und reißt mit ihrem Mut, ihrer Zielstrebigkeit und Furchtlosigkeit alle mit. Martina Müller hat nicht nur die vielen kleinen Hühner fest im Griff, auch der kleine, vorlaute Hahn Alex (ganz entzückend Bernhard Thalmayr) und der räudige Fuchs Bartl (Ilse Schernthaner schleicht nicht nur, nein, sie tanzt und rockt auch über die Bühne) tanzen nach ihrer Pfeife.

Foto: Theater Anthering

Die fünf Kinder (Kathrin Schmid, Sonja Schernthaner, Magdalena Ebner, Jana Hammer und Jakob Eder), die sich als kleine Hennen auf der Bühne tummeln dürfen, sind ganz in ihrem Element: Sie gackern nicht nur um die Wette, sondern stottern auch mit Begeisterung, da sie ja durch ihre Gefangenschaft ziemlich verhaltensgestört sind.

Gerard Es hat es geschafft, diese wunderbare, kluge Geschichte, die viel über Mut, Freundschaft und Zusammenhalt erzählt, schwungvoll und mit viel Musik auf die Bühne zu bringen. Der Applaus galt aber dem ganzen Team des Theaters Anthering, das mit liebevoll gemalten Bühnenbildern, phantasievollen Kostümen sowie einer bunten Choreographie zu überzeugen wusste. Das Publikum – ob jung oder alt  – war restlos begeistert. Da alle Termine bereits ausverkauft sind, plant man nach Ostern Zusatzaufführungen.

Superhenne Hanna – von Felix Mitterer, bearbeitet von Gerard Es / Ein Stück für Kinder und Erwachsene / Die Tiere: Martina Müller, Bernhard Thalmayr, Ilse Schernthaner, Kathrin Schmid, Sonja Schernthaner, Magdalena Ebner, Jana Hammer, Jakob Eder, Sebastian Karl / Die Menschen: Sabine Eder, Hermann Lechner, Bernhard Brenneis, Luca Prähauser, Sandra Hofer, Hans Kemetinger, August Liebenwein / Regie: Gerard Es, Choreografie/Regieassistenz: Uli Fißlthaler, Kostüme: Hellmut Hölzl und Ensemble, Technik: Sepp Kittl, Bühnenbild und -bau: Kurt Hofer und Ensemble, Illustration: Arthur Zgubic Fotos: Theater Anthering


Der Tag, an dem der Papst entführt wurde – Theater Anthering

Gerard Es hat die Erfolgskomödie „Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde“ des brasilianischen Dramatikers João Bethencourt auf Antheringer Verhältnisse adaptiert. Am Donnerstag, den 15.Oktober 2009 war Premiere beim Voglwirt in Anthering.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Papst Josef hat eine anstrengende Reise unternommen. Nach diversen Festivitäten in Salzburg will er sich unerkannt zwei Tage Ruhepause im Benediktinerstift Michaelbeuern gönnen. Er verlässt das Hotel durch den Hinterausgang und setzt sich in ein Taxi. Dieses Taxi aber gehört Hugo Leiblfinger, der durch seinen Ideenreichtum seine Frau schon des Öfteren zur Verzweiflung getrieben hat. Nun hat er wieder eine Idee: Er entführt den Papst, aber nicht um Geld, sondern um 24 Stunden Frieden auf der Welt zu erpressen. Dieser Einfall gefällt dem Papst, der sich in der Familie sichtlich wohl fühlt und die Tage seiner Entführung genießt.

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Foto: Theater Anthering
Foto: Theater Anthering

Im Festsaal beim Vogelwirt in Anthering herrscht gute Stimmung, der Saal ist voll besetzt. Auf der Bühne ist eine gemütliche Wohnküche aufgebaut. Hugo Leiblfinger (Hermann Strasser) stürzt aufgeregt herein, im Schlepptau sein Entführungsopfer, Papst Josef (Friedrich Lebesmühlbacher).

Der Papst wurde entführt!

Der wird fürs Erste in der Speisekammer untergebracht. Nach und nach erscheinen die übrigen Familienmitglieder. Stefanie (Martina Kardeis), die resolute Ehegattin, ist entsetzt über die neueste Verrücktheit ihres Ehegatten und auch die Kinder, der coole Alex (Dominik Nießl) und die vorlaute Tochter Miriam (Kathrin Schmid), sind der Meinung, dass das nicht gut ausgehen könne, denn schließlich habe noch keine Idee ihres Vater so richtig funktioniert. Papst Josef aber fühlt sich wohl, er genießt das gute Essen, hilft im Haushalt mit, er ist gar nicht so erpicht auf eine baldige Befreiung.

Ein „lebender Fernsehapparat“ ist das Fenster zur Welt. Hier überschlagen sich die Nachrichten, denn die ganze Welt ist in Aufruhr. Gerhild Heißl als Nachrichtensprecherin ist dauernd im Einsatz, sie berichtet aus London, aus Moskau, aus Indien. Als der Bürgermeister von Anthering (Johann Stadler) das Entführungsopfer entdeckt, überschlagen sich die Ereignisse, denn die Polizei belagert den Festsaal. Ob sich der Hugo wohl so schnell geschlagen geben wird, wo doch sein ganzer Garten wegen der Ameisenplage vermint ist?

Das Theater Anthering sorgt wieder einmal für beste Stimmung. Gerard Es hat nicht nur das Stück von New York nach Anthering verlegt und zum Gaudium des Publikums mit viel Lokalkolorit versehen, sondern auch noch in bewährter Manier Regie geführt. Das spielfreudige Ensemble ist Garant für einen vergnüglichen Abend beim Voglwirt.


Männerstrip beim Voglwirt

Ladies Night. Männerstrip beim Voglwirt!

Die Chippendales beim Voglwirt in Anthering! Nicht die originalen allerdings, sondern die ortsansässigen. Man gibt die Komödie „Ladies Night“. Trotzdem, oder gerade deswegen, das anwesende Publikum im Wirtshaussaal wird in beste Stimmung versetzt und von den Geschehnissen auf der Bühne förmlich mitgerissen.

Von Ulrike Guggenberger

Die triste Ausgangslage in der biederen Kleinstadt: Arbeitslosigkeit, daraus folgende Geldnot und Beziehungsprobleme. Aus Hoffnungslosigkeit und Fadesse riskieren Hermann, Bernie, August, Johnny, Walter, Dominik und Friedi einen Ausbruchsversuch aus der Sackgasse. Die Chippendales verdienen doch Millionen, und was haben die zu bieten, was wir nicht auch könnten?

Im verlassenen Werkschuppen wird trainiert, Gitti, eine schillernde Tanzlehrerin, wird für die Choreographie organisiert. Zuerst einmal trimmt sie die recht durchschnittlichen Männerkörper auf Hochglanz und „Panorama Erotik“. Ziel ist der hoch dotierte Auftritt in einem exklusiven Club. Gittis Anweisungen gipfeln in der Vorgabe dessen, was beim anspruchsvollen Frauenpublikum erreicht werden muss: „Kann ein männlicher Körper nicht aufregender sein als der Sommerschlussverkauf!“

Kurze, quirlige Auftritte vermitteln ein dynamisches, ungezwungenes Spiel – vom Publikum heftig akklamiert. Ausflippende, kreischende weibliche Wesen stürmen die Bühne, Männerkörper verrenken, drehen und wenden sich halb kokett, halb verschämt, versuchen sich im erotischen Entkleiden und Hinternwackeln.

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Die von den neuseeländischen Autoren Stephen Sinclaire und Anthony McCarten verfasste Komödie wurde 1987 geschrieben und wird seither mit großem Erfolg weltweit aufgeführt.

Eine lockere, sprühende Situationskomik belässt es nicht allein bei unbeschwerter Lustigkeit. Da steckt auch eine gute Portion Ernst dahinter, sind wir doch die makellose, erotische Präsentation weiblicher Körper weit eher gewohnt und bereit sie normal zu finden als die männliche. Ein kurzer, beiläufiger Satz einer der Männer bestätigt das: „Fett ist höchstens ein Problem für Frauen, doch nicht bei uns Männern“.

Der Mut zum nicht Perfekten macht auch den Charme der Aufführung aus, lässt sie nicht ins Lächerliche kippen. Die Szenen bieten eine entspannende Komik, aus einem tiefen Gefühl für die heiteren und ernsten Situationen des Lebens, die in diesem Stück nicht ausgespart bleiben.

Die Verbindung zwischen Publikum und Aufführenden reißt keinen Moment ab. Engagiert klatscht man Rhythmen mit, lacht aus vollem Halse und genießt den Abend mit allen Sinnen beim Voglwirt, Essen und Trinken mit eingeschlossen.

STEPHAN SINCLAIRE, ANTHONY McCARTEN – LADIES NIGHT / ANTHERINGER LAIENTHEATER – GASTHOF VOGL – PREMIERE: 29. OKTOBER 2008 / MIT: HERMANN STRASSER, LUCA PRÄHAUSER, ANNA-MARIA LIEBENWEIN, BERNHARD BRENNEIS, ILSE SCHERNTHANER, GUSTI LIEBENWEIN, HANS STADLER, GERHILD HEISSEL, WALTER PICHLER, FRIEDRICH LEBESMÜHLBACHER, DOMINIK NIEßL, THOMAS HUTZINGER, ULLI FIßLTHALER.