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Andau

Die rund fünf Kilometer lange Allee von Andau zur Brücke von Andau, über die 1956 über 70.000 UngarInnen nach Österreich flüchteten, ist auch heute noch imposant.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg & Sarród

Entlang der Allee errichtete eine Kunstinitiative Installationen und Skulpturen, die an das Ereignis erinnern. Ihr Verfall im Zeitablauf war Teil des Projektes, welches 1996 auf Grund von Geldmangel eingestellt wurde.

24 Jahre haben an den Kunstwerken ihre Spuren hinterlassen. Der Zerfall dominiert. Was noch übrig ist, beeindruckt.

https://www.derstandard.at/story/3349120/andau-wie-die-kunst-am-fluchtweg-siecht

Was
mich betroffen macht: Andau verzichtet auf jede Form der erläuternden
Beschreibung entlang der Allee. Ein Informationsstand zerfällt der Kunst
gleich. Die Chance, hier junger Kunst die Möglichkeit zeitgenössischer
Erinnerung zu geben, bleibt ungenutzt. Überhaupt liegt der Verwesungsgeruch des
hiesigen Desinteresses über der Allee. Warum ist das so? Geldmangel – wo sich
reiche Gemüsebauern und Winzer tummeln? Glaub ich nicht. Desinteresse an Kunst,
an Erinnerung, an dem Thema Migration? Glaub ich! Dazu passen Soldaten, die ich
ihren Assistenzdienst absolvierend durch den Ort streifen sehe. Was für eine
Skurrilität.

Schade. Denn Andau verpasst, sich ein verbindendes Profil zu geben. Verpasst die Errichtung einer neuen Brücke. Einer Kunstbrücke zwischen gestern und heute. Weit über Gemüse, Wein und Riesentrappen hinaus.


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Drei Tage zwischen Göd/ Ungarn und slowakischer Grenze

Rochus Gratzfeld

Ein Reisebericht von Rochus Gratzfeld – Salzburg & Sarród

ZWEITER TAG

Von Göd nach Szob, dort Wanderung am Strand entlang bis zum Ipoly Delta (Grenzfluss zur Slowakei).

Der Fluss Ipoly ( slowakisch: Ipel ) ist der einzige Nebenfluss der Donau in Ungarn und in der Slowakei . Seine Quelle liegt in der Slowakei im Vepor-Gebirge am Fuße des Berges Ipoly (1058 m). Er mündet bei Szob in die Donau .

Vom Ipoly Delta führt uns unsere Reise nach Zebegény. Zebegény ist ein malerisches historisches Dorf neben dem Nationalpark Duna-Ipoly. Um 1735 siedelten sich Deutsche hier an und nannten das Dorf Sebegin. Zeitgenössische Schriften des frühen 19. Jahrhunderts bezeichnen Zebegény als deutsch-ungarisch-slowakische Siedlung.

Weiter gings nach Nagymaros, gegenüber ist die Burg von Visegrad zu sehen. In den dortigen Hügeln zauberhafte alte Sommerhäuser, denen sich aber vermehrt teils prunkvolle neue Bauten hinzugesellen. Wir verließen Donau und Hügel, fuhren in die Berge: Kóspallag und Szokolya.

Die Börzsöny-Berge sind eine beliebte Wanderregion.
Nähere Informationen finden sich hier:
http://www.urlaub-ungarn.at/regionen/gebirge-ungarn/boerzsoeny-gebirge.html

Aus den Bergen ging es wieder runter an die Donau: Vác stand zum Abschluss des Tages noch auf dem Programm. Ein überraschend attraktiver Ort.

Eine geschichtsträchtige, überwiegend barocke Stadt mit vielen Kirchen und dem einzigen Triumphbogen Ungarns.
Für Details siehe:
https://www.zauberhaftes-ungarn.de/staedte/vac.htm

Da Kultur auch durch den Magen geht, besuchten wir die Confiserie Floch. Köstlich! (http://www.flochcukraszat.hu/)

Und dann gibt es in Vác noch einen ganz besonderen Ort: Das Gefängnis – es gehört zu den größten Ungarns. Eine weitgehend fensterlose Fassade zur Straße hin, die Zellen teilweise mit Blick auf die Donau.

Das Gebäude des heutigen Gefängnisses ließ Bischof Migazzi als Konvikt für die adelige Jugend bauen und zu Ehren von Maria Theresia wurde es Theresianum genannt. Ab 1808 wirkte hier die Ludowika Akademie. Als Zuchthaus wurde es seit 1855 genutzt.

Im Hof des Gebäudekomplexes steht eine neogotische, hübsch ausgemalte Kapelle. Übrigens auch auf Facebook vertreten: Váci Fegyház és Börtön

DRITTER TAG

Bevor wir Göd verließen, statteten wir der Keramikerin Andrea Vertel noch einen Besuch ab. Wir kennen ihre wunderbaren Arbeiten aus Sarród, wo sie immer wieder einmal im Rahmen der dortigen Sommerkunstschule sich an Ausstellungen beteiligt. Natürlich erstanden wir auch zwei herrlich farbenfrohe Werke. Sie werden ihre Plätze unter unseren Arkaden finden.

Von Göd ging es auf die Szentendre-Insel, wo die Familie eines alten Freundes ein Haus besitzt. Die Szentendre – Insel trennt den schmäleren Donauwestarm vom östlichen Hauptstrom. Die Insel ist Bestandteil des Duna-Ipoly-Nationalparks.

Hier erwartete uns ein eisiger Wind, welcher unseren Aktivitätendrang stark einschränkte. Verbunden mit Sonne und Wolken zauberte er aber auch tolle Lichteffekte.

Den Abschluss unseres dreitägigen Programmes bildete der Besuch der Burg von Visegrad mit phantastischem Donaublick.

Mehr über die Burg lässt sich hier erfahren:
http://www.urlaubungarn.at/sightseeing/weiteresehenswuerdigkeiten-ungarn/burg-visegrad.html
Auf der Rückreise machten wir noch kurzen Halt in Esztergom, wo uns die Sankt-Adalbert-Kathedrale überraschte. Weniger überraschend, wenn man weiß, das Esztergom einmal die Hauptstadt Ungarns war.
Mehr Informationen hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sankt-Adalbert-Kathedrale_(Esztergom)

Fotos: Rochus Gratzfeld Grafiken: Wikipedia


Drei Tage zwischen Göd/ Ungarn und slowakischer Grenze

Rochus Gratzfeld

Ein Reisebericht von Rochus Gratzfeld, Salzburg & Sarród

Als Ausgangsort für unsere Streifzüge entlang der Donau haben wir Göd gewählt. Die Stadt liegt am linken Donauufer zwischen Vác und Budapest, rund 24 Kilometer nordöstlich der ungarischen Hauptstadt.

ANKUNFT

Wir erreichten unseren Ausgangspunkt mit der Fähre über die Donau. Ein einstimmender Beginn.

Quelle: Wikipedia

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Ein schönes und geräumiges Appartement bildete unser „Basislager“.

Gelegen im alten Ortskern mit Terrasse, für mich als Pfeifenraucher nicht ganz unwichtig, auch im Winter, vor dem Hintergrund des sauberkeitsgeruchsfanatischen Vermieters ein Muss. Wie sich vor Ort nicht ohne Unstimmigkeiten herausstellte. Letztere betrafen primär unsere Prinzessinnen. Aber egal. Es hat absolut gepasst. Und was kümmert es eine deutsche Eiche….

ERSTER TAG

Szigetmonostor.
Szentendre.

Szigetmonostor ist ein Dorf im Komitat Pest, Ungarn, auf der Insel Szentendre in der Donau nördlich von Budapest. Das meiste Frischwasser von Budapest stammte aus den Brunnen des Dorfes.

Unser
zentrales Ziel aber war an diesem Tag Szentendre. In den
Sommermonaten touristisch „überflutet“ trafen wir jetzt im
Winter auf einen belebten Ort mit weihnachtlicher Atmosphäre.
Überall Glühweinstände, einladende Kaffeehäuser und Restaurants
sowie viele Souvenirläden. Abseits der Hauptroute an der Donau
konnten wir durch beschauliche Gassen streifen.

Szentendre ist auch eine Stadt der Kirchen: „Von sieben Kirchen Szentendres sind noch heute vier im Besitz der serbisch-orthodoxen Kirche, nämlich die Kirchen Pozsarevacska, die Mariä-Verkündigungs-Kirche, die Preobrazsenszka und die Mariä-Entschlafens-Kathedrale, auch Saborna und Belgrad-Kathedrale genannt. Die Kirche St. Peter und Paul hat die römisch-katholische Kirche übernommen, die reformierte Kirche übernahm die Opovacska-Kirche und die Kirche zur Herabkunft des heiligen Geistes (Zbeška Crkva) die griechisch-katholische Kirche.“ (Quelle: Wikipedia)


In der Höhle der Bären – der Schlenken

An einem Wochentag im Frühsommer packte ich in aller Herrgottsfrüh meine Bergausrüstung in den Rucksack, dazu eine Jause und eine Taschenlampe.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Wie schon öfters zum Beginn der Bergwanderer-Saison wollte ich die relativ leichte Tour auf den Schlenken und den Schmittenstein zum Eingewöhnen gehen. Ebenfalls besuchen wollte ich die Schlenken-Durchgangshöhle, die ich eher zufällig kennengelernt hatte. Meine Frau hatte diesmal keine Zeit gehabt um mitzugehen, also ging ich allein.

Das Auto unterhalb der Halleiner Hütte abgestellt, marschierte ich an dieser vorbei über die Schlenkenalmen unterhalb des Grates zum relativ steilen Aufstieg auf den Schmittenstein. Unterhalb des riesigen Gipfelblocks geht es eben auf einem schmalen Steig zum kurzen Kletterstück auf den Gipfel. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sollte man hier schon besitzen. Vom Gipfel hat man dann einen schönen Rundblick auf die höheren Berge der Umgebung.

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Weg am Schlenken zum Schmittenstein (1982)

Nach den obligaten Fotos und dem Verputzen der Jause machte ich mich wieder auf den Abstieg zur Scharte, die den Schmittenstein vom Schlenken trennt. Das Wetter hatte sich inzwischen verschlechtert und es waren kaum andere Wanderer unterwegs. Nach kurzer Strecke auf dem Schlenkengrat bog ich rechts ab zum Nordportal der Schlenkenhöhle. Der Abstieg dorthin ist nicht gekennzeichnet und auch nicht ungefährlich. Zwischen Latschen hindurch führt ein steiler und kaum sichtbarer Weg nach unten. Stellenweise ist es sehr sumpfig und daher extrem rutschig.

Unterhalb des Gipfelblocks des Schmittensteins sollte man schwindelfrei und trittsicher sein.

Die Höhle hatte man in der Mitte der 1920er Jahre bei einer Fuchsjagd wiederentdeckt. Sie ist ca. 130 Meter lang und liegt auf 1560 Meter Seehöhe. In zahlreichen Grabungen seit 1934 fand man viele Knochen vom Höhlenbären, aber auch Spuren von einer Reihe anderer Tierarten. Auch menschliche Werkzeuge und bearbeitete Knochen mit einem Alter über 40.000 Jahren entdeckte man, jedoch keinen Hinweis, dass in der Höhle auch Menschen gelebt hatten.

Höhlenbären Eckzahn aus der Schlenkenhöhle

Verfehlt man den Höhleneingang und klettert weiter nach unten, so kommt man nach wenigen Metern zu einer senkrechten Wand, die weit unten in eine steile Geröllhalde übergeht. Einen Sturz da hinunter würde man kaum überleben und unten war ein unbewohntes Seitental, wo kaum Menschen hinkamen. Ich aber fand den zweigeteilten nördlichen Höhleneingang auf Anhieb und stieg in die große Halle hinunter, die am Beginn wartet.

Mittagessen auf engstem Raum vor dem Südausgang der Höhle (1982)

Die Schlenkenhöhle hatte ich kennengelernt, als 1982 in der Zeitung Helfer für die Grabung in der Höhle gesucht wurden. Wiener Professoren, Studenten, Salzburger Höhlenforscher und freiwillige Helfer forschten und gruben ein oder zwei Wochen lang in der Höhle. Mühselig wurde die Ausrüstung inklusive Stromaggregat zur Höhle geschleppt.

Dann teilte man die Leute ein. Eine Gruppe, zu der auch ich gehörte, grub Schicht um Schicht in eingeteilten Quadraten ab. Man mußte dort im „Bärengang“ zum Südausgang je nach Höhe der Höhle im Hocken oder Liegen arbeiten. Die großen Knochen wurden sofort dokumentiert, die lehmige Erde in Eimern in die große Halle zum Sieben gebracht. Das erledigte die zweite Gruppe. Der Rest der Leute war für Dokumentation, Verpflegung oder Ausrüstung zuständig. Es war eine schwere aber interessante Arbeit.

Zurück zum Quartier oder zum Auto
gingen wir über beide Ausgänge, je nach Lust und Laune. Zum
Südausgang war eine temporäre eigene Aufstiegshilfe angelegt
worden. Hier kam man sonst nur sehr schwer hinauf.

Heute aber war ich allein in der Höhle.
Die Taschenlampe konnte nur eine kleine Fläche ausleuchten.
Beleuchtete man den Weg, dann war der Kopf an den niedrigeren Stellen
gefährdet. Es herrschte totale Stille außer dem stetigen Tropfen
von Wasser in einen Topf, den die Forscher für das nächste Jahr
stehengelassen hatten. Es war schon ein eigenartiges Gefühl, wenn
man sich vorstellte, wie hier die riesigen Bären mit einer
Schulterhöhe bis zu 170 cm ihre Winterruhe verbrachten. Wenn ich mir
hier drinnen in der Höhle den Fuß verstauchte oder brach, dann
würde ich lange nicht gefunden werden. Die Lampe würde irgendwann
erlöschen, der Hunger sich bemerkbar machen. Nur Wasser gab es
genug.

Mit Tochter Andrea 1988 auf dem Gipfel des Schmittensteins

Es ging aber alles gut. An den Latschen hangelte ich mich wieder zum Grat empor und machte mich über den Schlenkengrat und den Aussichtspunkt Jagernase auf den Weg zum Auto.

und beim zweigeteilten Nordeingang der Höhle

Einige Jahre später wiederholte ich
diese Bergtour mit meiner achtjährigen Tochter, die ich allerdings
an den gefährlicheren Stellen sicherte. Heute ist der Zugang zur
Höhle nur mit besonderer Erlaubnis der Landesregierung erlaubt und
daher von mir auch nicht genauer beschrieben.


Erdbeben in Gemona und Venzone

Im Jahr 1977 machte ich mich mit meiner späteren Frau Roswitha zu einem „Urlaub“ nach Italien auf. Mit einem nicht mehr gerade neuen Auto wollten wir unter anderem auch das ein Jahr davor zerstörte Friaul in Italien besuchen.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Im Mai 1976 hatte ein gewaltiges Erdbeben der Stärke 6,5 die Gegend um Gemona und Venzone erschüttert. Es gab fast eintausend Tote und 45.000 Menschen verloren ihre Häuser oder Wohnungen. Immer wieder gab es starke Nachbeben, die vielen Gebäuden den Rest gaben. Zwar waren die größeren Straßen geräumt, aber überall waren Warnschilder aufgestellt, die vor dem Betreten warnten.

Als leidenschaftlicher Fotograf, ging ich trotzdem soweit an die Gebäude heran, wie ich glaubte, da könnte mir nichts passieren. Vorsichtshalber übergab ich Roswitha vorher immer die Autoschlüssel – man weiß ja nie. Es war ein erschütternder Anblick: Die aus Bruchsteinen erbauten Häuser waren zusammengefallen oder es standen nur mehr Teile davon. Der bekannte Dom von Gemona zum Teil zerstört. An den nahen umliegenden Berghängen sah man die Spuren von Steinlawinen, die das Beben ausgelöst hatte. Verzweifelte ehemalige Bewohner waren trotz Fahrverbot mit dem Auto in Seitenstraßen unterwegs, um noch etwas aus ihren Häusern zu bergen.

Ein Witz: Betretungsverbot für unbegehbare Straßen in Venzone, abgestützte Mauern, die wohl das nächste Nachbeben zerstört, Torbogen ohne Straße in Gemona. Gefährliche Bergung der letzten Habseligkeiten. Stadteinfahrt von Gemona. Der arg beschädigte Dom von Gemona.

Das Gefährlichste kam aber erst nachher: Weil es nach unserem Besuch in den zerstörten Orten und Städten schon relativ spät war, beschlossen wir, aus Sicherheitsgründen irgendwo im Freien zu übernachten. Häuser wären uns zu gefährlich gewesen. Bald fanden wir einen brauchbaren Platz auf einem offensichtlich kaum befahrenen Feldweg, unsichtbar zwischen zwei Maisfeldern. Einen Wasserkanister hatten wir, den hängten wir an einem in der Nähe stehenden Marillenbaum auf, legten die Liegesitze um und machten es uns so bequem, wie es eben möglich war.

Am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrüh
wurden wir durch Schüsse geweckt. Wir konnten uns nicht erklären, was das
Geballere sollte. Es mußte aber ganz in der Nähe sein, denn man hörte ein
Rauschen in der Baumkrone, verursacht durch die Projektile. Dann kamen Stimmen
näher. Einige Männer mit Flinten tauchten vor dem Auto auf und waren wohl
genauso überrascht wie wir vorher, als sie uns sahen. Es waren „Jäger“, die wild
herumschossen und die hier Jagd auf Singvögel machten, wie wir an ihren am
Rucksack befestigten Trophäen sehen konnten.

Unsere Abreise ging dann relativ schnell vonstatten
aus dieser „gastlichen Gegend“ und wir steuerten das Meer an.


USA – Grand Canyon

Wenn ich auch in früherer Zeit aus finanziellen Gründen nur selten größere Reisen unternehmen konnte, so scheitert es heute meistens an der nötigen Gesundheit. Trotzdem gab es bei den seltenen Unternehmungen früher immer wieder Situationen, die nicht ungefährlich waren. Eines reizte mich nämlich nie, nur faul in der Sonne liegen oder nur Nächte durchfeiern. Es sollte schon immer etwas sein abseits der Touristenströme.

Im Jahr 1971 besuchte ich meinen Bruder in Los Angeles, Kalifornien. Ein Jahr vorher hatte es dort ein schweres Erdbeben gegeben, das sogar die mehrstöckigen Highways zusammenstürzen ließ. Immer wieder gab es auch stärkere Nachbeben. Ob dieses Beben im Vorjahr schon das stärkste war oder ob da noch etwas Stärkeres entlang des San Andreas Grabens folgen könnte, traute sich niemand vorherzusagen. Mein Bruder erklärte mir jedenfalls, wie man sich im Ernstfall verhalten sollte.

Grand Canyon abseits der Aussichtspunkte

Natürlich besuchten wir verschiedene
Plätze, die man einfach nicht auslassen kann. So stand ein Besuch im Yosemite
Nationalpark auf dem Programm, wo unter anderem die riesigen jahrtausendealten
Bäume lockten. Eine weitere Tour führte uns durch die Mojave Wüste, zum Hoover
Dam (Stauwerk) – auch Las Vegas wurde besucht. Höhepunkt war aber der Besuch des
Grand Canyon. Wir kamen früh am Morgen am Rand dieses gewaltigen Naturwunders
an.

Um ein besonderes Foto von einer tiefen
Schlucht abseits der Aussichtspunkte zu bekommen, ging ich auf eine etwas
abseits gelegenen Felsnase, die über die Abbruchkante hinausragte. Da kribbelte
es doch etwas in den Fußsohlen.

Auf dem Foto, das mein Bruder aus der Ferne davon machte, sah ich erst, wie rissig das Gestein dort ist – hunderte Meter über dem Abgrund. Was wäre gewesen, wenn diese Nase durch mein Gewicht abgebrochen wäre, wenn es ein erneutes Nachbeben gegeben hätte, das auch hier spürbar war, wenn der Felsen rutschig gewesen wäre, oder…

Tunesische Wüste

Im Jahr 1989 machte ich mit Frau und Tochter Urlaub in Tunesien, das damals noch sehr friedlich war. Bei einer mehrtägigen Tour durch die Wüste fuhren wir, eine größere Gruppe, aus der Oase Zarzis, mit zwei Landrovern, besetzt mit jeweils zehn Leuten, mit minimalem Gepäck los.

Die erste Station war Matmata, die Stadt, in der die Bewohner in Höhlen leben. Hier wurde ein Teil des Filmes „Krieg der Sterne“ gedreht. Von hier sollte es dann weiter über einhundert Kilometer auf Sand- und Schotterpisten durch die Wüste gehen. Bald hatte unser Auto die erste Reifenpanne. Alles aussteigen! Alle hatten sich vorher schon mit der entsprechenden, einheimischen Kopfbedeckung versorgt. Während wir warteten, hatten wir Zeit, im Sand neben der Piste zwischen unseren Beinen Spuren von Skorpionen zu bewundern. Dann ging es weiter. Nach fünfzig Kilometern blieben wir bei einem „Cafe“ stehen. Ein einsamer Mann hatte dort ein Sonnendach aufgestellt und verkaufte warmes Mineralwasser und Cola, Kühlung gab es natürlich keine. Wovon der Mann lebte bleibt ein Rätsel, denn auf der ganzen Strecke begegnete uns niemand.

Sonnenschutz wie die Einheimischen

Auf der Weiterfahrt lag ein totes Pferd mitten auf der Straße. Kurz darauf die nächste Reifenpanne! Wir mußten das Reserverad des zweiten Landrovers nehmen. Jetzt wurde es eng. Bei einer erneuten Panne hätte eines der Autos zurückbleiben müssen. Satellitentelefone waren damals noch Zukunftsmusik. Unser Wasservorrat war auch nicht allzu groß. Nicht gerade zur Beruhigung tauchte bei einer wandernden Düne ein Totenschädel auf, den der Wind freigeblasen hatte.

Cola-saufendes Kamel mit Andreas Kappe

Ziemlich erleichtert kamen wir in der Oase Douz an. Wir waren in einem modernen Hotel mit Klimaanlage und zwei Pools untergebracht. Vor dem Abendessen nahmen wir noch an einem Ausflug mit Kamelen in die Wüste teil.

Wanderdünen

Am nächsten Tag ging die Reise durch den Chott el Djerid. Die 7000 km2 große Salzwüste liegt 8 Meter über dem Meeresspiegel, dort wächst kein Halm oder Strauch. Die bereits von den Römern besiedelte Oase Nefta, rundum bedrängt von Sanddünen, war unser nächstes Ziel. Am Nachmittag weiter durch den Schott el Rharsa, 7 Meter unter dem Meeresspiegel, zu der Bergoase Chebika. Kaum zu glauben, aber diese kleine Siedlung wird von einem kleinen Bächlein versorgt, das an einem Berghang entspringt.

Kamelritt

Die Fahrer drängten zur Weiterfahrt, da ein Sandsturm heraufzog. Durch Canyons kamen wir zu einer Schlucht, in der es tatsächlich mitten in der Wüste ein kleines Bächlein gab, das hier über einen zehn Meter hohen Wasserfall stürzte. Die weitere Reise ging über die Oase Tamerza mit 1200 Jahre alten Bauten bei leichtem Regen nach Gafsa ins Hotel.

Die Felsenwohnungen in Matmata

Am letzten Tag ging die Fahrt über die Oase Gabes nach Medellin mit seinen 300 Jahre alten Getreidespeichern. Auf der Rückfahrt zum Hotel kamen wir noch in eines der seltenen Gewitter und müssen zu den zehn Personen auch noch das ganze Gepäck, das sonst auf dem Dach befestigt war, ins Innere holen.  Nicht gerade komfortabel, weil ich sowieso mit dem Kopf dauernd am Dach anstieß. Die ganze Reise nicht ungefährlich, auch wegen der Grenzstreitigkeiten mit Algerien, da wir nahe an der Grenze vorbeikamen. Aber weit besser als nur Badeurlaub.

Grenze Böhmerwald – Bayern 1992

Buchwald – mit oder ohne Tretminen?

Seit vielen Jahren schon befasse ich mich mit Ahnenforschung. Es hatte einige Zeit gedauert, bis ich den Herkunftsort meiner Vorfahren im Böhmerwald fand. Es war Buchwald (heute Bucina), ein kleines Bauerndorf direkt an der bayerischen Grenze, durch das früher ein Säumerweg, der Goldene Steig, nach Böhmen führte. Buchwald war in rund 1180 Meter die höchstgelegene Gemeinde Böhmens gewesen. Man sagt, hier sei acht Monate Winter und vier Monate sei es kalt.

Buchwald. Rechts das Haus meines Urgroßvaters Ferdinand Bauer. Im Hintergrund der Nachbarort Fürstenhut

Bis zum Ende der kommunistischen Herrschaft im Jahr 1989 war dieses Gebiet entlang der Grenze Sperrgebiet. Meine spätere Frau und ich machten 1976 einen Besuch in Aussergefild (Kvilda) der früheren Nachbargemeinde von Buchwald, etwa sechs Kilometer davon entfernt. Tafeln mit der Aufschrift „Pozor“ (Gefahr) warnten die Besucher davor, auf die zur Grenze führende Wiese oder Straßenseite zu gehen. Man munkelte, dort sei alles vermint und von Zöllnern kontrolliert.

Pozor! Tafeln warnten vor dem Verlassen der Straße

So standen wir also in Aussergefild an der
Brücke über den Bach, der dort die Grenze zu dem gesperrten Gebiet bildete und
starrten auf den riesigen Wald, hinter dem Buchwald lag.

Im Jahr 1992 unternahmen wir den nächsten Versuch, das Land meiner Vorfahren zu besuchen. Der Kommunismus war seit drei Jahren Geschichte, jetzt sollte ein Besuch von Buchwald möglich sein. Als wir zu jener Brücke in Aussergefild kamen, wo wir damals umkehren mußten, standen wir wieder vor einem Fahrverbotsschild. Aus einer nur in Tschechisch beschriebenen Tafel konnten wir mühsam herausfinden, dass das ganze Gebiet entlang der Grenze jetzt Nationalpark war. Sollten wir wieder umsonst so weit gefahren sein?

Die Ruine des Hotels

Nachdem weit und breit niemand zu sehen war, setzten wir uns wieder ins Auto und fuhren auf der halbwegs gut erhaltenen Straße in Richtung Buchwald. Nach kaum einem Kilometer kam uns ein Jeep entgegen, dessen Insassen uns deuteten, wir sollten  stehenbleiben. Es waren zwei junge Parkwächter, die kein Wort deutsch sprachen. Sie erklärten uns wohl, dass hier Fahrverbot sei. Wir zuckten die Achseln und erklärten ihnen gestenreich in Deutsch, dass wir so weit gefahren seien und unbedingt nach Bucina müssten. Nach zehn Minuten Erklärungen beiderseits gaben die Beiden auf und deuteten uns: „Macht was ihr wollt“.

Mauerreste der früheren Häuser

Wir fuhren also weiter und kamen in das nicht mehr existente Dorf meiner Ahnen. Alle Häuser waren zerstört worden, höchstens meterhohe Mauern fand man noch, auf denen sich schon kräftige Bäume angesiedelt hatten. Nur den Rohbau eines Hotels gab es noch, das ein Tscheche dort einst bauen wollte.

Unser Parkplatz in Buchwald

100 Meter weiter: Die gesperrte Straße bei Buchwald 1951. Radierung von Alfred Kubin

Bis zur Rückkehr nach Aussergefild trafen wir keinen einzigen Menschen mehr. Später erfuhren wir, dass dort keine Minen verlegt worden waren, wohl aber hatten die Zöllner auf Leute geschossen, die illegal über die Grenze wollten.

Lange undenkbar: Die Grenze ist bei Buchwald für Wanderer 1996 offen.

Ein Fuß in Bayern, einer in Tschechien neben dem Grenzübergang 1996

Heute ist Buchwald ein Touristenziel für Wanderer
und Radfahrer. Das schon fast verfallene Hotel ist 45 Jahre nach dem Beginn fertiggebaut
worden und ein Stück nachgebauter Stacheldrahtzaun erinnert an den kalten
Krieg.


Vor einigen Jahren planten wir wieder einmal einen Urlaub in Kroatien. Diesmal sollte es nicht Istrien werden, sondern Dalmatien.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

In Istrien waren wir schon mehrere Male gewesen, wobei ein reiner Badeurlaub immer viel zu langweilig gewesen wäre. So hatten wir alle die interessanten Städte entlang der Küste schon gesehen:

Zum Beispiel Rovinj, das wie die meisten Istrischen Städte eine starke italienische Minderheit hat. So sind auch italienischsprachige Straßenschilder offensichtlich kein Problem. Die Stadt wird von ihnen Rovigno genannt in istrisch heißt sie Ruvèigno, die Deutschsprachigen nannten sie früher Ruwein. Schon die alten Römer hatten dort eine Siedlung, die sie Ruginium nannten.

Pola - Kolosseum vom Hafen aus
Pola – Kolosseum vom Hafen aus

Auch Pula  – deutsch und italienisch Pola – kannten wir
schon länger. Die tief ins Land reichende Bucht mit einer Werft war einst österreichischer
Kriegshafen. Seit 7000 Jahren ist die Stadt schon besiedelt und hat ein gut
erhaltenes römisches Amphitheater sowie zahlreiche weitere Siedlungsspuren aus
der Römerzeit.

Ebenso war Opatja, italienisch Abbazia, schon öfters Ziel unserer Besuche gewesen. Viele schöne alte Bauten erinnern an die Zeit, als hier der österreichische Hochadel, später auch der Geldadel, seine Kuraufenthalte und die Sommerfrische genoss.

Zadar Hafenpromenade
Zadar Hafenpromenade

Diesmal wollten wir zwei Wochen Anfang
September in der kleinen Stadt Starigrad, italienisch Cittavecchia,
verbringen. Sie liegt zwischen Karlobag und Zadar am Rande des Nationalparks
Paklenica. In dem 96 Quadratkilometer großen und schönen Schutzgebiet, das auch
ein Kletterparadies ist, wurden große Teile von mehreren Karl May-Filmen
gedreht.

Wir hatten allerdings, – für diese Jahreszeit ungewöhnlich – eine Zeit mit vielen Gewittern erwischt. Dazu blies die Bora so arg, dass man sich einen Aufenthalt oder gar das Essen auf der Terrasse überlegen musste. Gewitter und Regen beglückten uns öfters. Das Meer war kalt und erreichte kaum 20 Grad, baden war bei den Meisten eine kurze Angelegenheit. Dafür hatten wir das Glück, ein Naturschauspiel zu sehen, das nach Auskunft unseres Quartiergebers äußerst selten auftritt.

Zadar - Ausgrabungen
Zadar – Ausgrabungen

Etwa hundert Meter vom Ufer entfernt trat eine runde Fläche auf der Wasseroberfläche auf, wo es keine Wellen gab. Es sah aus, als wenn es dort kochen würde. Hier mußte eine unterirdische Quelle oder ein Flusslauf ins Meer münden. Nach dem tagelangen Regen drängte wohl eine Menge des leichteres Süsswasser nach oben und erzeugte dieses Phänomen. Selbst Paddelboote konnten sich dort nicht in der Mitte halten und wurden an den Rand geschwemmt. Dieses Naturschauspiel war bald wieder verschwunden, bei unserer Abreise war alles wieder normal wellig.

Das Wetter wurde auch nach Tagen nicht viel besser und so besuchten wir die Stadt Zadar. Der Hafen bietet einen schönen Ausblick. Eine uralte Kirche wurde gerade restauriert und daneben waren auf einer großen Fläche römische Ausgrabungen eher lieblos und unbeaufsichtigt zugänglich.

Natürlich wollten wir auch die berühmten
Wasserfälle im Krka Nationalpark besuchen. Vom Parkplatz fuhr man mit uralten
Bussen zu den schönsten Stellen. Durch den tagelangen Regen waren die Seen und
Flüsse stark angeschwollen. Über den Wasserfall führt ein Steg auf Holzpfählen
ohne Geländer. Darüber konnte man nun gehen, wobei sich oft eine Schlange von
Besuchern über die knapp einen Meter breiten Bohlen in beide Richtungen
bewegte. Selbst kleinere Kinder wurden da mitgenommen.

Durch das Hochwasser waren nicht nur die
verschiedenen Wasserarme angeschwollen, die zum Fall flossen, sondern auch die
normalerweise dazwischenliegenden Inseln überschwemmt. Stellenweise war sogar
der Steg bis zur Mitte überflutet. Die Bäume auf den Inseln standen einen Meter
tief im Wasser, Farne und Sträucher wogten unter Wasser. Im Gegensatz zum
Wasserfall, der donnernd und tosend hinunterstürzte, flutete das Wasser unter
dem Steg beinahe lautlos zur Abbruchkante. Es war fast unheimlich. Jeder, der
hier darüber marschierte, wußte, dass ein Taumeln oder Stolpern, aber auch der
Rempler eines entgegenkommenden Besuchers den Fall ins Wasser und damit über
den Wasserfall bedeuten konnte. Bei uns wäre so ein Szenario wohl undenkbar
gewesen, dieser Teil des Parks wäre längst gesperrt worden.

Auf der gegenüberliegenden Seite führte ein Weg an den Fuß des Wasserfalls. Hier ist normal ein Gastgarten in Betrieb, der jetzt bis zu knietief überflutet war. Ein Fotograf, der dort eigentlich Hochzeitsmode fotografieren wollte, schickte seine Models kurzerhand ohne Schuhe ins Wasser.

Den ganzen riesigen Park mit den Seen und
Wasserfällen konnten wir natürlich nicht besichtigen. Da bräuchte man Tage oder
Wochen. So wurde aus einem Badeurlaub eher ein Kultur- und ungeplanter
Abenteuerurlaub, was uns dennoch nicht im Geringsten störte, denn so etwas kann
man nicht buchen.


Das ungarische Sopron gehört mittlerweile zu einer unserer Lieblingsstädte. Mittelalter und Neuzeit – Italien, Österreich und Ungarn treffen hier aufeinander.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld,
Salzburg und Sarród

Wir starten mit einem Frühstück in einem der zahlreichen Cafés, dann streifen wir mit unseren Freunden Orsolya Mácsadi und Máté Nagy durch die sommerliche Stadt. Das junge Paar vereinigt Sachverstand in Sachen Kunst und Kultur auf hohem Niveau.

Immer wieder bleiben unsere Augen an herrlichen Details aus der Vergangenheit hängen. Stehengebliebene Zeit, die Schritt für Schritt sorgfältig in die Gegenwart geführt wird. Je nach verfügbaren finanziellen Mitteln, wobei die EU eine tragende Rolle hat.

Aus der Vergangenheit stammt auch die Alte Synagoge, die wir besuchen. Heute ein Museum. Seit dem 13. Jahrhundert lebten in der Neugasse in Sopron 10 bis 16 jüdische Familien. Anfang des 14. Jahrhunderts entstand eine Synagoge im gotischen Stil. Ein rituelles Bad durfte ebenfalls nicht fehlen. Aus Sopron vertrieben wurden die Juden allerdings bereits im 16. Jahrhundert. Welch eine Leidensgeschichte!

In der Gegenwart treffen wir auf eine Ausstellung zur Erinnerung an die Ereignisse im Jahr 1989. Der Eiserne Vorhang wird damals von Gegenwart zu Vergangenheit. Im Soproni Múzeum besuchen wir eine Ausstellung, die die aktuellen Preisträger der alle zwei Jahre stattfindenden „National Biennial of Medal Art“ zeigt. Zu den Ausgewählten gehört auch unser Freund Máté Nagy, stolz auf ihn nehmen wir einen von ihm handsignierten Katalog entgegen. Mehr zu dieser Kunst mit langer Tradition findet sich hier: http://numismatics.org/the-art-of-the-medal/


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Die Wüste

Auch ein Stück Österreich-Ungarn.

Wir beginnen unsere 3-stündige Erkundung entlang alter Mauerreste, die sich unsere gesamte Wanderung entlang ziehen. Die Statue des heiligen Nepumuk zeigt den Triumpf über Schmerzen und Tod.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld

Ihr gegen über eine zeitgenössische Interpretation des Heiligen. Hier beginnt die Lindenallee. Eine Allee mit phantastischen alten Bäumen. Manche gleichen Dämonen. Guten Hexen. Sie endet bei der Pforte, dem früheren Eingang zum Kloster.

Das Kloster. Ein Ort der Ruhe. Einer Ruhe, der wir uns nicht entziehen können und wollen. Heute genutzt als Ort für Kreativität. So findet gerade ein Kurs zur Gestaltung von Schmuck statt. Landwirtschaftliche Restgebäude und offensichtlich glückliches Viehzeug. Unser Weg führt uns weiter. Begleitet nur von Ruhe und Schmetterlingen, die die Blütenpracht so genießen, wie wir.

Dann geht es steil bergauf. Zur Burgruine. Sie ist immer noch imposant. Wie muss der Blick einstmals in die tiefe Ebene bis nach Wien gewesen sein? Wie waren die Verbindungen zwischen Burgherrschaft und Klosterreich? Welche Hand wusch hier welch andere? Und wie war das Leben der Vasallen? Fragen, die wir uns stellten, während wir steil bergab den Rückweg zum Ausgangspunkt einschlugen.

Weitere Infos zur “Wüste Mannersdorf” sowie einen geschichtlichen Überblick finden Sie HIER>


Würth Skulpturenpark

Der Würth Skulpturenpark im Park des Schlosses Arenberg und die Steingasse in Salzburg

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg & Sarród

Versteckt liegt das Schloss. Liegt der Skulpturengarten der
Sammlung Würth. Hinter dem Noch-Unfallkrankenhaus. Umgeben von prächtigen
Villen mediterranen Stils, deren Bewohnerinnen und Bewohner wohl über diese
Abgeschiedenheit nicht böse sind.

Im ebenfalls prächtigen Schloss Arenberg hat die „American Austrian Foundation“ den Park mit Skulpturen gefüllt. Nein, nicht gefüllt. Es bleibt Weite.

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Zu bestaunen sind hier Werke von Heinrich Brummack, Bernhard
Heiliger, Jeppe Hein, Stephan Kern und anderen namhaften Künstlern. Es lohnt
sich, ein wenig Zeit zu opfern, durch den Park zu schlendern, die Symbiose von
Natur und Kunstwerken einfach wirken zu lassen und zu genießen.

Auch ein Blick ins Innere des Schlosses lohnt sich, bedarf
aber ein wenig Charme im Umgang mit dem Personal, weil eigentlich nicht
öffentlich zugänglich.

Mein Weg zurück führte mich durch die Steingasse, meine Lieblingsgasse in der Stadt Salzburg. Auch hier noch vereinzelt Villen, angeklebt an die Felsen. Aber auch noch eine aus den letzten Jahrzehnten verbliebene Tristesse. Diese wird, so meine Hoffnung und Überzeugung, bald neuem Leben weichen. Das Weinhaus Andreas Hofer lädt zur Einkehr, das vielleicht älteste Bordell Österreichs zu zweifelhaftem und dennoch nostalgischem „Vergnügen“. Meine Gespräche mit der „Puffmutter“ waren jedenfalls herrlich.


Der Lago d’Iseo

Es ist ein Tal in Norditalien, das westliche Paralleltal zum Gardasee und nicht so von Touristen überrannt wie sein berühmter Nachbar. Nach Süden hin endet es im Lago d’Iseo.

Ecker_Wolfgang

Von Wolfgang Ecker

Nun
könnte man meinen, na ja, noch ein Tal halt neben den vielen, die sich vom
Alpenhauptkamm in südlicher Richtung erstrecken und es wäre dort nichts
Ungewöhnliches.

Das
Valcamonica ist aber ein UNESCO Weltkulturerbe, sogar das älteste (!)
Weltkulturerbe Italiens. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:
Italien, Rom, das Kolosseum, Pompeji, die Arena von Verona, Aquileia, etc etc,
ein Land, das vollgestopft ist mit Sehenswürdigkeiten und ausgerechnet dort
wird ein eher abgelegenes Tal zum ersten Weltkulturerbe?

Blick auf den alten Teil von Darfo Boario Terme

Felswand direkt hinter dem Dorf

Alte Rundbogenbrücke über den Fluss Oglio

Nachgebaute Pfahlbauhäuser

Der Grund sind die Felsritzungen

140’000 hat die UNO damals geschätzt als es Weltkulturerbe geworden ist, neuere Schätzungen gehen aber von mehr als 300’000 aus. Es sind Zeugen aus der Morgendämmerung Europas gleich nach dem Ende der Eiszeit vor 10’000 Jahren bis herauf ins Mittelalter und sogar die Neuzeit. Nirgends auf der Welt gibt es Vergleichbares in vergleichbarer Anzahl

Auf der Suche nach Felsritzungen

Die
Felsritzungen, die übrigens keine Ritzungen sind sondern die in einer Art
Schlagtechnik hergestellt worden sind, zeigen Menschen, Tiere, Kampf- und Jagdszenen,
Häuser, ja sogar so was wie Lagepläne mit eingezeichneten Feldern und Äckern.
Das ganze Tal ist ein reiches Betätigungsfeld für Urgeschichtler,
Kunsthistoriker und Religionswissenschaftler. Manche der Abbildungen sind klar
und deutlich erkennbar, andere sind so verwittert, dass sie nur noch zu ahnen
sind.

Wer
sich für Geschichte interessiert ist dort gut aufgehoben und frei nach Karl
Farkas möchte ich sagen: „Schau’n Sie sich das an!“

Themen die zu finden sind: Figuren von Tieren, ein „Sonnenrad“, Kampfszenen, Pfahlbauhauser, eine Jagdszene mit erhobenem Speer und Schild, Jagdzene mit Bumerangs

Touristischer
Hinweis: Fahren Sie über die Autostrada Verona und Brescia, der Pass im Norden
des Tals ist uns von Einheimischen nicht empfohlen worden. Fünfstern Hotels
wird man vergeblich suchen. Die Preise sind moderat, die Menschen sind
herzlich, das Essen ausgezeichnet.


Notre Dame

Vor rund zwölf Jahren besuchten meine
Frau und ich Paris. Die Reise war ein Geschenk unserer Tochter. Es
war klar, dass wir an einem verlängerten Wochenende nicht einmal
ansatzweise alle diese weltbekannten Sehenswürdigkeiten der Stadt
besuchen könnten.

Wolfgang Bauer

Text und Fotos von Wolfgang Bauer, Bürmoos

Wir mussten schnell feststellen, dass in der Nähe der Touristenzentren Taxis Mangelware waren, aber wir wollten sowieso hauptsächlich mit der Metro unterwegs sein. Der Eiffelturm war natürlich auf dem Programm. Die lange Wartezeit hielt uns davon ab, mit dem Lift nach oben zu fahren. Er war auch so imposant genug.

Der Nordflügel des Louvre

Fixpunkt unserer Reise war auch der
Louvre. Wer hier alles sehen möchte und diese immensen Kunstschätze
genießen, der bräuchte wohl sehr viel länger als ein Wochenende.

Als Gegenstück zu den vorherigen Fixpunkten jeden Urlaubers besuchten wir auch einen ruhigeren Platz: den Friedhof „Pere Lachaise“. Wenn auch berichtet wird, dass der Friedhof von 3,5 Millionen Menschen jährlich besucht wird, so ist davon auf dem Riesengelände mit den vielen bekannten Grabdenkmälern kaum etwas zu spüren.

Straße durch den Friedhof „Pere Lachaise“

Was wir auch unbedingt sehen wollten war die Kirche „Notre Dame de Paris“, auf einer kleinen Seine-Insel gebaut. Auf dem großen Vorplatz wartete eine große Schar Leute auf den Einlass. Immerhin besuchen die Kirche jährlich zwischen zwölf und fünfzehn Millionen Personen – das eineinhalbfache der österreichischen Bevölkerung. Es ging aber dann doch relativ schnell voran.

Notre Dame

Der blank geküsste Fuß einer Heiligenskulptur

Der Besucherstrom wird über die Seitenschiffe hinter dem Altar vorbeigeleitet, wo man auch die Kunstwerke sehen kann. Von den Besuchern geht keine besondere Störung aus, alle verhalten sich einem Gotteshaus entsprechend ruhig.

Das Hauptschiff – nur für Messebesucher

Das Hauptschiff ist den Gläubigen
vorbehalten. Hier wurde gerade eine Messe gelesen. Wir blieben einige
Zeit stehen und hörten zu. Die Orgelmusik war wohl das
Beeindruckendste was ich je in dieser Richtung gehört habe. Man
glaubte, selbst die steinernen Säulen müssten vibrieren. Wer da
gespielt hat weiß ich nicht, man sagt, die besten Organisten der
Welt bewerben sich darum, hier einmal spielen zu dürfen. Tief
beeindruckt fuhren wir zum Hotel zurück.

Die Große Orgel

Am Abend des 15. April 2019 brach im Dach dieser gewaltigen Kirche ein Brand aus. In wenigen Stunden war der Dachstuhl verbrannt und der Spitzturm brennend zusammengebrochen. Was Feuer und Wasser sonst noch für Schäden am Gebäude oder bei den Kunstwerken angerichtet haben, wird man wohl erst in einiger Zeit abschätzen können. Man weiß derzeit nicht einmal, ob die Statik einen Wiederaufbau zuläßt. Die Franzosen sind aber entschlossen, ihr Nationalheiligtum wieder herzustellen. Wenn es gelingt, dann wird es jedenfalls viele Jahre dauern, bis es wieder so ist, wie wir es erleben konnten. Und es wird nicht Millionen kosten, sondern Milliarden.

Zehn Jahre nach unserem Besuch in Paris
fand ich zufällig auf einem Flohmarkt eine Radierung des bekannten
Künstlers Aime Edmond Dellamagne. Das Bild zeigt eine Szene am Ufer
der Seine bei der Kirche Notre Dame.

Eine zweite kleine Radierung zeigt eine
der „Grotesken“ genannten Wasserspeier am oberen Rand der
Fassade. Auch dies ist wohl inzwischen Geschichte.