Gedenkstein für Wehrmachts-Deserteure beschmiert

Goldegg

Zusammenhang mit neuem Roman von Hanna Sukare möglich

Vor einer Woche ist „Schwedenreiter“, der neue Roman von Hanna Sukare, im Buchhandel erschienen; am vergangenen Wochenende haben Unbekannte den Gedenkstein für die Wehrmachtsdeserteure von Goldegg beschmiert.

Renate Lachinger (ORF TV, Aktuelle Kultur) berichtete am Freitag, 31.08.2018, in “Salzburg heute” über das Buch und die zugrundeliegenden historischen Ereignisse: Am 2. Juli 1944 begann der sog. Sturm auf die Goldegger Deserteure. Die Suche, durchgeführt von einem Großaufgebot an SS-Soldaten und Gestapo-Beamten, forderte 14 Todesopfer. Die 2008 erschienene Ortschronik bezeichnet die Wehrmachtsdeserteure als “gefährliche Landplage” und kürt einen SS-Mann zum Retter des Ortes.

Ein Zusammenhang zwischen der Beschädigung und der Buchpräsentation am 13. September im Schloss Goldegg ist möglich.

Fotos: Otto Müller Verlag/

2 Fotos: Otto Müller Verlag/ Sukare

Zum Anschlag auf den Gedenkstein in Goldegg

Karl Rupitsch wurde 1944 in Mauthausen gehenkt, weil er den Kriegsdienst verweigert hatte. Ein Grab bekam er nicht. Die Nationalsozialisten ermordeten ihre Gegner nicht nur, sondern wollten auch deren Namen auslöschen.

Karl Rupitschs Tochter, Brigitte Höfert, kämpfte lange für einen Gedenkstein, der an ihren Vater und die anderen Goldegger Kriegsdienstverweigerer erinnert sowie an deren Unterstützerinnen, die ins KZ kamen. 2014 wurde der Gedenkstein in Goldegg schließlich auf dem Grundstück der Gebietskrankenkasse verlegt. In der Nacht auf den 2. September 2018 wurde dieser Gedenkstein beschmiert. Penibel hat der Täter jeden einzelnen Opfernamen unkenntlich gemacht, als verübe er seine Untat gemäß der Tradition des Nationalsozialismus: Die Namen der Opfer auslöschen.

Ich denke heute an die Nachkommen der Goldegger Kriegsdienstverweigerer. Der Anschlag in Goldegg reißt ihre Wunden wieder auf. Den Nachkommen gelten mein Mitgefühl und meine Hochachtung. Ihre Väter und die Frauen, die sie unterstützt haben, trugen mit dazu bei, dass Österreich seinen Staatsvertrag bekam, und wir alle in einem freien Land leben. Die Namen dieser Männer und Frauen sind unauslöschlich im Buch der Geschichte verankert.

Ich hoffe, die Gemeinde Goldegg nimmt diese schockierende Untat zum Anlass, sich ein für alle Mal zu ihren Kriegsdienstverweigerern und deren Unterstützerinnen zu bekennen.
Hanna Sukare, 3. September 2018


Presseaussendung
Nadine Fejzuli
Otto Müller Verlag GmbH
5020 Salzburg – Austria

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1 Kommentar zu "Gedenkstein für Wehrmachts-Deserteure beschmiert"

  1. Bernd Salomon Bernd Salomon | 4. September 2018 um 10:48 |

    Kaum zu glauben, welche Rostflecken da und dort immer wieder durchkommen. Rechtes Gedankengut ist abzulehnen. “Wehret den Anfängen!” (Ovid, 43 v. Chr. bis 18 n. Chr.)

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