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Geld – Von der Zahlung zur Münze

Geld

Das Wort Geld leitet sich von germanisch *geld-a- „Entgelt, Abgeltung“ ab und begegnet ab dem 8. Jahrhundert. Als Bezeichnung für Münzen wird das Wort erst seit dem 14. Jahrhundert verwendet.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das althochdeutsche Wort gelt bezeichnete Leistungen und Gegenleistungen, die zu erbringen waren. Dies konnten Naturalabgaben sein, wie sie die Bauern ihren Herren liefern mussten, Steuern, Abgaben und Zölle, Dienstleistungen, Erträge und Einkommen, Schulden und Bußen, Löhne, Verpflichtungen und Opfergaben.

In den frühmittelalterlichen Taufgelöbnissen findet sich gelt auch mit der doppelten Bedeutung „Opfer“ und „Götzenverehrung“, da Opfer an die alten Götter von den Christen als Götzendienst angesehen wurden. Mit der Bedeutung „Steuer, Zoll“ begegnet gelt im Althochdeutschen in Bezeichnungen für die Steuereintreiber und Zolleinnehmer, die geltemaister „Geldmeister“ oder geltsuocho „Geldsucher“ genannt wurden.

Weiters bezeichnete gelt auch Bußzahlungen. So findet sich in den germanischen Volksrechten des Frühmittelalters das Wort Wergeld, das eine Zusammensetzung aus althochdeutsch wer- „Mann“ und gelt „Zahlung, Buße“, ist. Das Wergeld war eine Strafzahlung, die ein Mörder der Familie des Toten zu zahlen hatte. Diese Strafzahlungen verhinderten Blutfehden zwischen den Familien und waren in den Gesetzen genau geregelt. Das althochdeutsche Wort wer „Mann“ war bereits in mittelhochdeutscher Zeit weitgehend aus dem Sprachgebrauch verschwunden. Lediglich in der Zusammensetzung Werwolf, eigentlich der Mannwolf, hat sich das Wort bis heute erhalten.

In mittelhochdeutscher Zeit bezeichnete gëlt Zahlungen und Schuldforderungen, Erträge, Eigentum, das Einkünfte bringt, wie beispielsweise Wälder und Ackerland, Geld- und Naturalabgaben an den Herrn, wie etwa das gëlthuon „Zinshuhn“ oder das gëltswîn „Zinsschwein“. Abgaben, die in Form von Geldmünzen zu erbringen waren, wurden phennincgëlt „Pfenninggeld“ genannt, eigentlich „Münzenabgabe“. Auch Wegezoll wurde als gëlt bezeichnet, wie etwa waʒʒergelt für die Überquerung von Flüssen. Noch im 20. Jahrhundert wurde mancherorts die Abgabe für die Benützung einer Brücke Brückengeld genannt.

Obrigkeiten waren zu allen Zeiten erfinderisch, wenn es um die Einführung von Abgaben und Steuern ging. So finden sich im 16. Jahrhundert Marktgeld, Standgeld, Budengeld, Platzgeld als Bezeichnungen für Abgaben, die Händler auf Märkten für ihre Verkaufsstände entrichten mussten. Die Bürger waren verpflichtet eine Abgabe für die Besoldung der Nachtwächter zu bezahlen, die Wachgeld oder Wachtgeld genannt wurde. Eine Variante von Wachtgeld findet sich heute in dem Wort Schutzgeld „erpresste Zahlungen, die von Verbrecherorganisationen unter Androhung von Gewalt von Gewerbetreibenden eingehoben wird“.

Mit der Bedeutung „Abgabe, Gebühr“ verwenden wir das Wort Geld zum Teil heute noch, wie beispielsweise in den Zusammensetzungen Bußgeld und Schulgeld. Vergleichbar mit dem Schulgeld ist das Lehrgeld. In vergangenen Zeiten mussten Lehrlinge für die Ausbildung bei einem Handwerksmeister bezahlen. Diese Zahlungen wurden Lehrgeld genannt. Als das Lehrgeld dem Meister nicht mehr gezahlt werden musste, verschwand auch das Wort. Heute ist es nur noch in der Redewendung Lehrgeld zahlen erhalten mit der allgemeinen Bedeutung „durch Unerfahrenheit Schaden erleiden und daraus lernen“.

Ab dem 14. Jahrhundert wurde Geld auch als Bezeichnung für geprägte Münzen verwendet. Die Münzen wurden zumeist aus Gold oder Silber hergestellt und hatten daher nicht nur einen Geldwert, sondern auch einen Materialwert. Dies brachte unlautere Gesellen auf die Idee, die Münzen am Rand zu beschneiden und sich so an Gold oder Silber zu bereichern. Diese Betrüger wurden Geldschneider genannt und ihre Tätigkeit Geldschneiderei. Mit der Zeit erweiterte sich der Bedeutungsumfang der beiden Worte. Zunächst erhielt Geldschneider die zusätzliche Bedeutung „zu sehr auf Gewinn bedachter Kaufmann“. Im weiteren Zeitverlauf wurde die Bedeutung von Geldschneiderei erweitert zu „Betrügerei mit Geld im Allgemeinen“ und „Herausschlagen von unverhältnismäßig viel Geld gemessen am Warenwert“.

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April – Der Monat des launischen Wetters und der Narren

Blühende Magnolien am Markartplatz in Salzburg

Das Wort April bezeichnet nicht nur den vierten Monat des Jahres, sondern findet sich auch in Ausdrücken zu launischem Wetter, Irreführungen und Falschinformationen.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

In althochdeutscher Zeit wurde der vierte Monat im Jahr Ôstarmânoth „Ostermonat“ genannt, da das Osterfest zumeist in den April fällt. Der Name geht zurück auf die Einführung einheitlicher deutscher Monatsnamen durch Kaiser Karl den Großen (747/748-814 n. Chr.). Ab dem 12. Jahrhundert findet sich parallel dazu die Bezeichnung abrello oder aprelle „April“, die auf lateinisch mēnsis (Monat) Aprīlis zurückgeht. Die Herkunft des lateinischen Monatsnamens ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Der alte deutsche Name Ostermonat blieb noch lange in Gebrauch und wurde erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts von April endgültig abgelöst.

Neben dem Osterfest sind die beiden typischen Elemente des Aprils das für den Monat charakteristische Wetter, das Aprilwetter genannt wird, und die Falschinformationen und Irreführungen am ersten Tag des Monats, für die sich die Bezeichnung Aprilscherz eingebürgert hat.

Das Wort Aprilwetter wird erst im 18. Jahrhundert allgemein gebräuchlich. Das typische Aprilwetter ist wechselhaft und unbeständig mit häufigen Regenschauern, die sich in kurzer Folge mit Sonnenschein abwechseln. Daher sprechen wir auch vom launischen April oder vom launischen Aprilwetter. Auch sagen wir April, April, der weiß nicht was er will. Diese wechselhaften Wetterlagen sind zwar für den April typisch, treten aber auch in anderen Monaten auf. Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts hatte sich das Wort Aprilwetter zu einer allgemeinen Bezeichnung für wechselhafte Wetterlagen entwickelt. So berichtete beispielsweise im Jahr 1808 die Zeitung für die elegante Welt am 5. Juli aus Karlsbad: Die Gebirgsgegenden sind diesen Sommer fast allgemein mit Aprilwetter gesegnet. Durch 4 Wochen hatten wir hier täglich am Morgen Sonnenschein, am Mittage unfreundliche Luft und Nachmittag bis Abend Regen.

Das Wort Aprilscherz begegnet erst relativ spät ab Anfang des 19. Jahrhunderts. Mit Aprilscherz werden erfundene Geschichten oder Falschinformationen bezeichnet, die am 1. April Menschen in die Irre führen und zum Narren halten sollen. Als Bezeichnung dieses Vorgangs wäre ein Wort aprillen zu erwarten, das sich jedoch nicht in unserem Sprachgebrauch findet. Vielmehr bezeichnen wir den Vorgang der scherzhaften Irreführung am 1. April mit der Redewendung jemanden in den April schicken und nach erfolgreicher Durchführung eines Aprilscherzes sagen wir April, April!. Diejenigen, die auf den Aprilscherz reingefallen waren, wurden in vergangenen Zeiten Aprilnarren genannt – ein Wort, das bereits Ende des 18. Jahrhunderts nicht mehr in Gebrauch war.

Auch das Wort Aprilscherz wurde zu einem allgemeinen Ausdruck, der nicht mehr nur für irreführende Geschichten oder Vorgänge am 1. April verwendet werden kann. Ganz allgemein gebrauchen wir das Wort Aprilscherz heute auch, wenn wir zu anderen Zeiten Geschichten hören, die wir für unglaubwürdig halten. In diesem Fall reagieren wir gelegentlich mit der Frage Das ist jetzt ein Aprilscherz, oder?.

Schilderungen über geglückte Aprilscherze finden sich in Zeitungen schon im 19. Jahrhundert, wie beispielsweise der nachfolgende Kurzbericht in der Wiener Zeitung Morgenpost vom 16. Mai 1855: Der Aprilscherz, den sich ein loser Vogel neulich mit dem Heidelberger Publikum erlaubte, indem er verhieß, mit einem Gespann von Schwänen den Neckar zu befahren, hat am vorletzten April in Solothurn (Schweiz) die zweite Auflage erlebt. An genanntem Tage las man an den Thoren der Stadt, Nachmittags 2 Uhr werde ein Amerikaner in einer Meermuschel von sieben selbsterzogenen Gänsen gezogen, auf der Aare spazieren fahren. Halb Solothurn war auf den Beinen und harrte; wer aber nicht kam, war natürlich der Amerikaner und seine Gänse. Das Possierlichste dabei war aber, daß auch die Polizei auf der Lauer stand, um sofort den Amerikaner abzufassen, weil er die gebührenden 2 Francs für die obrigkeitliche Erlaubnis nicht hinterlegt habe.

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Ross – Ritterpferd und Sitzplatz der Überheblichen

Ross Pferd

Bevor das Wort Pferd ins Deutsche gelangte, war Ross die allgemeine Bezeichnung für das Pferd. Aus germanisch *hrussa- „Ross“ entwickelte sich althochdeutsch (h)ros. Im Altenglischen kam es zu einer Lautumstellung, wodurch aus germanisch *hrussa- altenglisch hors wurde.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Die alte germanische Bezeichnung Ross wurde im Sprachgebrauch des frühen Mittelalters von der mittellateinischen Bezeichnung paraveredus für die Post- und Kurierpferde zurückgedrängt. Die Wichtigkeit der Postpferde bewirkte die Übernahme der Bezeichnung paraveredus ins Althochdeutsche, das zu parafrid, perfrit und später zu pferet, Pferd gewandelt wurde. Die alte germanische Bezeichnung Ross wurde häufig nur mehr für die Schlachtrosse der Ritter verwendet. Die Unterscheidung von Pferd für Reitpferd, Zugpferd und Ross für Schlachtross der Ritter unterlag jedoch keiner scharfen Trennung. Insbesondere in der mittelhochdeutschen Dichtersprache verwendeten die meisten Dichter beide Worte ohne Bedeutungsunterschiede.

Die endgültige Bedeutungsgleichheit von Ross und Pferd ergab sich schließlich durch die unterschiedliche regionale Nutzung der beiden Worte. In den nördlichen Regionen des deutschen Sprachraums wurde Ross kaum noch verwendet, sondern hauptsächlich das Wort Pferd. In den südlichen Regionen des deutschen Sprachraums hingegen war Ross – vor allem in der Umgangssprache des Volkes – das übliche Wort.

Das Wort Ross findet sich jedoch nicht nur als Bezeichnung für das Pferd, sondern auch für andere Fortbewegungsmittel. Als im 19. Jahrhundert der technologische Fortschritt neue Fortbewegungsmittel schuf, wurde die Bezeichnung Ross auch für die neuen Technologien verwendet. Die ersten Lokomotiven wurden mit Wasserdampf betrieben. Dementsprechend erhielten sie umgangssprachlich die Bezeichnung Dampfross. Und das Fahrrad wurde scherzhaft Stahlross genannt.

So wie heute der Autohandel war in vergangener Zeit der Pferdehandel ein bedeutendes Element. Die Pferdehändler wurden im Mittelalter rostauscher oder rosteuscher „Rosstauscher“ genannt. Das Wort begegnet ab dem 13. Jahrhundert. Der Bedeutungsunterschied zwischen tauschen „jemanden etwas überlassen und dafür als Gegenleistung etwas von ihm erhalten“ und täuschen „betrügen, hintergehen, überlisten“ entwickelte sich erst im 15. Jahrhundert. Die Bezeichnung Rosstäuscher war daher zunächst eine wertfreie Bezeichnung für einen Pferdehändler. Offenbar waren die Tausch- und Handelsgepflogenheiten nicht immer mit Ehrlichkeit gesegnet. So konnte das Wort Rosstäuscher die heutige Bedeutung „Betrüger, betrügerischer Pferdehändler“ erhalten und Rosstäuscherei die Bedeutung „Betrügerei“.

In vergangener Zeit setzten sich die Heere aus Reiterei und Fußsoldaten zusammen. Der Ausdruck zu Ross bezeichnete die Kavallerie und der Ausdruck zu Fuß die Fußsoldaten. So bedeutete eine Streitmacht zu Fuß und zu Ross sammeln ein Heer aus Reiterei und Fußsoldaten zusammenstellen. Weiters finden sich im Mittelhochdeutschen die beiden Ausdrücke rosvolc „Rossvolk, Reiterei“ und vuozvolc „Fußvolk“. Mit dem Wandel der Kampftechniken und dem Ende der Ritterheere verlor sich das Wort Rossvolk. Für die Reitertruppen wurde gegen Ende des 16. Jahrhunderts aus dem Französischen die Bezeichnung cavalerie ins Deutsche übernommen und zu Kavallerie gewandelt. Das Wort Fußvolk hingegen hat sich bis heute in unserem Sprachgebrauch erhalten. Zunächst wurde die Bedeutung des Wortes verallgemeinert zu „Menschen, die zu Fuß gehen“ und später mit einem spöttischen Nebenton versehen mit der Bedeutung „bedeutungslose Masse der Angehörigen einer Organisation oder Ähnlichem im Gegensatz zur Führungsspitze“.

Das Wort Ross findet sich in unserem heutigen Sprachgebrauch auch in feststehenden Ausdrücken und Redewendungen. Reitpferde waren vor allem der Besitz von Rittern, Adeligen und hochgestellten Personen, die sich dem Volk gegenüber oft hochmütig und herablassend verhielten. Dadurch konnte der Ausdruck vom hohen Ross herab die übertragene Bedeutung „überheblich, aufgeblasen, herablassend“ erhalten, ebenso wie auf hohem Ross sitzen „hochmütig, eingebildet, arrogant sein“. Umgekehrt bedeutet die Redewendung jemanden von seinem hohen Ross herunterholen „jemanden zurechtstutzen, jemanden seine Überheblichkeit austreiben“.

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Bett – Schlafstelle, Gartenbeet und missliche Lage

Bettlager

Mit dem Wort Bett bezeichnen wir im Allgemeinen ein Möbel, das zum Schlafen dient. In althochdeutscher Zeit war das Wort auch eine Bezeichnung für ein Gartenbeet, für das Grab oder für eine Trage.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Bett geht zurück auf germanisch *badja- „Bett“ und ist im Althochdeutschen seit dem 8. Jahrhundert belegt. Die Herkunft des Wortes ist unklar. Als ursprüngliche Bedeutung wird „Boden“ vermutet. Althochdeutsch betti oder petti hatte einen weitgefassten Bedeutungsumfang. Das Wort bezeichnete das Bett für die nächtliche Ruhe, das Ehebett, das Federbett, eine Tragbahre oder Sänfte, das Totenbett oder das Grab, aber auch das Gartenbeet oder ein kleines Stück Land. Die Bedeutung „Gartenbeet“ hielt sich für Bett bis Ende des 16. Jahrhunderts. Danach wurde die Bedeutung „Gartenbeet“ von Bett getrennt und auf das Wort Beet, eine Lautvariante von Bett, übertragen.

In althochdeutscher Zeit gab es einfache Bettlager am Boden und Betten mit einem Holzgestell. Die einfachen Bettstellen am Boden wurden pettigastrewi „als Lager hingebreitetes Stroh, Strohlager, Strohmatte“ genannt. Für die Betten mit einem Holzgestell war die Bezeichnung bettbret „Bettbrett“ in Gebrauch. Die Unterlage dieser Betten war ebenfalls mit Stroh befüllt, dem bettistrewi, bettistrō „das in die Bettlade gelegte Stroh, Bettstroh, Strohpolster, Strohsack, Strohmatratze“. Darüber kam eine mit Federn befüllte Matratze, das fedarbetti „Federbett“ und das Bettzeug, die mit Federn befüllte Bettdecke und Pölster. Noch heute verwenden wir das Wort Federn synonym für Bett. So sagen wir jemand liegt noch in den Federn, wenn jemand noch im Bett liegt. Oder wir sagen Raus aus den Federn!, wenn wir jemanden auffordern, aus dem Bett aufzustehen.

Bett im Franz Jägerstätter Wohnhaus (Bauernhaus) in St. Radegund

Im späteren Mittelalter war bei den Stadtbürgern das Spannbett üblich. Mittelhochdeutsch spanbette bezeichnete ein Bett, das aus einer Bettlade bestand, in der die Matratze auf untergespannten Bändern lag. In wohlhabenderen Häusern hatten diese Betten einen Baldachin, der Betthimmel genannt wurde, und von dem auch Vorhänge herabhängen konnten.

Schon in althochdeutscher Zeit ist die Tätigkeitsbezeichnung bettōn „betten“ mit der Bedeutung „ein Bett herrichten, das Bett machen“ belegt. Im ausgehenden Mittelalter erhielt betten zusätzlich die Bedeutung „jemanden ins Bett legen, jemanden beherbergen, sich niederlegen“. Heute wird das Wort im allgemeinen Sprachgebrauch zumeist nur noch in feststehenden Formeln verwendet, wie beispielsweise die Toten zur letzten Ruhe betten „die Toten begraben“ oder jemand ist nicht auf Rosen gebettet „jemand lebt in keinen guten Verhältnissen, jemand hat es nicht leicht“. Und das Wort findet sich in der Redewendung wie man sich bettet, so liegt man „man lebt so, wie man sein Leben gestaltet“.

In vergangener Zeit wurde sprachlich auch unterschieden, in welchem Bett Kinder gezeugt wurden. Kinder, die von denselben Eltern abstammten, wurden aus einem Bett geboren bezeichnet. Für Halbgeschwister war der Ausdruck das Kind ist aus einem anderen Bett üblich. Wenn eine Frau ein Kind geboren hatte, wurde die Zeit nach der Entbindung, in der sie im Bett lag und sich von der Geburt erholte Kindbett oder Wochenbett genannt. Das Wort Wochenbett ist die verkürzte Form der ursprünglichen Bezeichnung Sechswochenbett.

Ein sprichwörtlich gewordenes Bett ist das Prokrustesbett. Prokrustes war ein Sohn des griechischen Gottes Poseidon, der Reisenden und Wanderern ein Nachtlager in seinem Haus anbot. Wenn diese größer als das angebotene Bett waren, hackte er ihnen die Beine ab. Waren die Reisenden kleiner als das angebotene Bett, so streckte er ihre Glieder so lange, bis sie genau in das Bett passten. Heute wird der Ausdruck Prokrustesbett verwendet, wenn etwas oder jemand in ein starres Schema oder in eine beschwerliche Lage hineingepresst wird.


Platz – Von der freien Fläche zu Ort und Stelle

Alexanderplatz

Das Wort Platz entstammt dem Griechischen und bezeichnete ursprünglich freie unbebaute Flächen. Mit der Zeit wurde Platz jedoch auch zu einer Bezeichnung für Orte, für bestimmte Stellen und für Sitze.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Platz begegnet erstmals im 13. Jahrhundert und gelangte über das Französische ins Deutsche. Französisch place geht zurück auf das mittellateinische Wort placea, das wiederum aus griechisch plateĩa „breiter Weg, breite Straße, freie öffentliche Fläche in der Stadt“ entlehnt wurde.

Mittelhochdeutsch platz bezeichnete einen freien Raum, eine freie unbebaute Fläche oder eine öffentliche Fläche in einem Dorf oder in einer Stadt, die für Zusammenkünfte geeignet war. Mit dieser Bedeutung verwenden wir das Wort noch heute in zahlreichen Zusammensetzungen, wie beispielsweise Dorfplatz, Stadtplatz, Domplatz, Kirchplatz, Residenzplatz, Marktplatz, Flugplatz, Campingplatz, Parkplatz, Spielplatz. Vor allem im Sportbereich ist in den Bezeichnungen der Zweck ersichtlich, dem der Platz dient, wie etwa Fußballplatz, Golfplatz, Poloplatz, Reitplatz, Rennplatz, Schießplatz, Sportplatz, Tennisplatz, usw.

Im Mittelhochdeutschen konnte platz auch Orte bezeichnen, an denen legale Glücksspiele oder Tanzveranstaltungen unter Aufsicht stattfanden. Die Aufsichtsperson wurde Platzmeister oder Platzjunker genannt. Mancherorts wurde für die öffentlichen Spiele ein eigenes Spielhaus errichtet, das plazhûs „Platzhaus“. Ebenso konnte Platz einen Tanzplatz oder Tanz bezeichnen. Auch hier gab es Aufseher und Aufpasser, die Platzjunker genannt wurden, zumeist Adelige waren und bei Tanzfesten das Amt von Vorstehern ausübten.

Mit Platz wurden auch Turnierflächen, das Schlachtfeld oder ein Kampfort bezeichnet. So bedeutete auf dem Platz bleiben „auf dem Turnierplatz, auf dem Schlachtfeld getötet werden“. Ebenso wurde der Standort eines Kämpfers beim Kampf als Platz bezeichnet. So bedeutete er hat seinen Platz behalten „er hat gesiegt“. Noch heute sagen wir jemanden vom Platz fegen für „jemanden besiegen“.

Mit der Zeit weitete sich die Bedeutung von Platz zu „Ort, Stelle“. Dadurch ergab sich eine breitere Verwendungsmöglichkeit des Wortes und jeglicher Ort und jegliche Stelle konnte nun als Platz bezeichnet werden. Dies führte zu einer enormen Zunahme an Zusammensetzungen mit dem Wort Platz. So haben wir heute beispielsweise Abstellplatz, Ankerplatz, Brutplatz, Ehrenplatz, Fensterplatz, Lagerplatz, Nistplatz, Rastplatz, Sitzplatz, Stehplatz, Schlafplatz, Schlafwagenplatz oder Zuschauerplatz – um hier nur einige zu nennen.

Ebenso können Gebäude, Städte oder Gebiete unbestimmter Größe als Platz bezeichnet werden, wie etwa Handelsplatz, Börsenplatz, Finanzplatz, Messeplatz, Umschlagsplatz, Warenumschlagsplatz, Wirtschaftsplatz, Hauptschauplatz, Nebenschauplatz, Originalschauplatz oder Kriegsschauplatz.

In den Redewendungen Nehmen Sie Platz steht Platz für einen Sitz, ebenso wie bei Behalten Sie Platz für „Bleiben Sie sitzen“ oder Bitte Platz zu nehmen für „Bitte setzen Sie sich“. Und auch die Kurzform Platz!, bei der es sich üblicherweise um einen Befehl an einen Hund handelt, bedeutet „Hinsetzen!“.

Die Redewendungen das hat hier keinen Platz oder dafür ist hier kein Platz können zweierlei ausdrücken. Entweder fehlender Raum für etwas oder im übertragenen Sinn etwas ist unpassend, etwas passt nicht dazu. Im gleichen Sinne auch die Redewendung fehl am Platz sein für „unpassend, unangebracht sein, nicht hineinpassen“.

Neben diesen Verwendungsmöglichkeiten kann mit Platz heute auch die Teilnahme an einer beruflichen Tätigkeit oder Ausbildung ausgedrückt werden. Hierher gehören zum Beispiel Arbeitsplatz, Ausbildungsplatz, Kindergartenplatz, Lehrplatz oder Studienplatz.

Und auch im Sport sind die Plätze wichtig. Neben den Bezeichnungen für die Sportstätten sind vor allem die Bezeichnungen für Platzierungen in Ranglisten beliebt. Hier finden sich Listenplatz, Medaillenplatz, Meisterschaftsplatz, Startplatz, Tabellenplatz und Weltranglistenplatz.

Und schließlich haben uns die Technologien des 20. Jahrhunderts zusätzliche Plätze beschert. Das Fernsehen den Sendeplatz und die Computerindustrie den Speicherplatz.


März – Der Monat des Gottes Mars

Auerlebnisweg

Der Name des dritten Monats im Jahr leitet sich von dem römischen Gott Mars ab. In althochdeutscher Zeit wurde der Monat neben merzo auch lenzinmanoth „Lenzmonat“ genannt.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

In den althochdeutschen Quellen finden sich für den dritten Monat im Jahr die Bezeichnungen merzo und lenzinmanoth „Lenzmonat“. Der Name lenzinmanoth geht zurück auf die Einführung einheitlicher deutscher Monatsnamen durch Kaiser Karl den Großen (747/748-814 n. Chr.). Althochdeutsch lenzo oder lenzin sind Verkürzungen aus westgermanisch *langa-tīna– „langer Tag“. Lenz war ursprünglich eine Bezeichnung für die Zeit nach dem Winter, in der die Tage länger werden. Bis ins 15. Jahrhundert war Lenz die übliche Bezeichnung für die Jahreszeit Frühling. Der Monat, in dem der Lenz beginnt, ist der Monat März. Daher die Bezeichnung Lenzmonat „Frühlingsmonat“.

Der Name März geht zurück auf den lateinischen Monatsnamen mēnsis (Monat) Mārtius und leitet sich von dem römischen Kriegsgott Mars ab. Die althochdeutsche Form merzo wurde im Mittelhochdeutschen zu mertze, mertz oder martze gewandelt. Die heute gültige Schreibung März setzte sich im 18. Jahrhundert durch.

Der römische Dichter Ovid (43 v. Chr.-17 n. Chr.) beschreibt in seinem Buch über den römischen Festkalender, wie der Monat zu seinem Namen kam. Der römische Kriegsgott Mars sah die jungfräuliche Vestalin Rhea Silvia, eine römische Priesterin der Göttin Vesta, begehrte und vergewaltigte sie. Rhea Silvia wurde schwanger und gebar die Zwillingsbrüder Romulus und Remus. Romulus, der Begründer der Stadt Rom, benannte den ersten Monat im altrömischen Kalender nach seinem Vater Mars. Bis zum Jahr 153 v. Chr. begann das römische Jahr am 1. März. Danach wurde der Jahresanfang auf den 1. Jänner vorverlegt und der Monat März dadurch zum dritten Monat im Jahr.

Auf den 15. März des Jahres 44 v. Chr. geht der Ausdruck Iden des März zurück. Das lateinische Wort Idus bezeichnete in den Monaten März, Mai, Juli und Oktober den 15. Tag des Monats, in den anderen Monaten des Jahres den 13. Tag des Monats. Im Jahr 44 v. Chr. warnte ein Zukunftsbefrager Gaius Iulius Caesar, sich vor den Iden des März zu hüten. Caesar missachtete diese Warnung, ging in den Senat und wurde an diesem Tag von den römischen Senatoren ermordet. Wie bedeutsam dieses Ereignis und seine Folgen waren, lässt sich daran erkennen, dass der Ausdruck Iden des März bis heute, über 2000 Jahre später, synonym für ein bevorstehendes Unheil verwendet wird. Prominentes Beispiel für die Verwendung des Ausdrucks aus unserer Zeit ist der Filmtitel The Ides of March – Tage des Verrats aus dem Jahr 2011.

Einer anderen historischen Periode entspringt die Bezeichnung Vormärz. Mit Vormärz wird im deutschen Sprachraum die Zeit zwischen dem Wiener Kongress 1815 und der Revolution im März 1848 bezeichnet, die auch Märzrevolution genannt wird.

Der Wiener Kongress markierte das Ende der napoleonischen Kriege in Europa. In den folgenden Jahrzehnten wollten die europäischen Staatenlenker die Umbrüche, die durch die Französische Revolution im Jahr 1789 in Europa ausgelöst wurden, rückgängig machen und die vorrevolutionären Verhältnisse wieder herstellen. Liberale, demokratische Strömungen wurden unterdrückt, politische Organisationen verboten, die staatliche Kontrolle durch Bespitzelungen gestärkt und mithilfe einer strengen Zensur die freie Meinungsäußerung unterbunden. Diese restriktiven Maßnahmen führten im März 1848 zu Aufständen. Die Revolutionäre forderten Meinungs- und Pressefreiheit, die Einführung von demokratischen Strukturen und teilweise auch die Abschaffung von Monarchien. Obwohl der Märzrevolution kein Erfolg beschieden war, markiert sie das Ende der Zeit des Vormärz und führte langfristig in den europäischen Ländern zur Einführung demokratischer Grundrechte, Verfassungen und Parlamenten.


Wurm – Kriechtier, Nagekäfer und Krankheitsdämon

GottfriedLafWurm

Das Wort Wurm ist seit dem 8. Jahrhundert belegt und geht auf germanisch *wurma- „Wurm“ zurück. Die ursprüngliche Bedeutung dürfte „der sich Windende“ gewesen sein.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Im Mittelalter war Wurm ein Sammelbegriff für kriechende Tiere. Das Wort konnte neben Würmern auch Maden, Raupen, Käfer, Spinnen, Fliegen, Mücken, Flöhe, Eidechsen, Molche, Frösche und Kröten bezeichnen. Später Nachklang dieser breiten Verwendungsmöglichkeit ist der Sammelbegriff Glühwürmchen als Bezeichnung für die Familie der Leuchtkäfer, zu denen auch der kleine Leuchtkäfer zählt, der Johanniswürmchen genannt wird. Auch die Bezeichnung Holzwurm für einen holzschädigenden Nagekäfer ist ein Relikt dieser alten Verwendungsmöglichkeit. Ebenso wie das Wort Bücherwurm, mit dem ursprünglich ausschließlich eine Nagekäferart und deren Larven bezeichnet wurden, die Bücher schädigen. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich für Bücherwurm eine übertragene Bedeutung als Bezeichnung für Menschen, die gerne und viel lesen.

Im Mittelalter erhielt das Wort Wurm zusätzlich die Bedeutung „Drache“. Ausgehend von der Heldendichtung, verbreitete sich diese Bedeutung im allgemeinen Sprachgebrauch und verlor sich erst nach dem 17. Jahrhundert. Auch die Bedeutung „Natter, Schlange“ mit Bezugnahme auf die Schlange im Paradies, mit der der Teufel gleichgesetzt wurde, entstand im Mittelalter. In dieser Bedeutung wurde Wurm zumeist mit abwertenden Beiwörtern verwendet, wie arger Wurm, böser Wurm, höllischer Wurm.

In der Reformationszeit war Wurm eine verächtliche Bezeichnung für Menschen, die Gottes Gebot verachteten, moralisch verdorben waren und ein liederliches Leben führten. Insbesondere Luther verwendete Wurm als Schimpfwort für seine katholischen Gegner. Daneben entwickelte sich für Wurm auch die Bedeutung „armer, hilfsbedürftiger Mensch“. Mit dieser Bedeutung wurde das Wort vor allem für kleine Kinder verwendet, zumeist in der Formel armes Würmchen.

Eine andere Geschichte liegt dem Wort Ohrwurm zugrunde, das ab dem 14. Jahrhundert begegnet. Ohrwurm bezeichnet ein kleines, braunes Insekt mit kurzen Vorderflügeln und Zangen am Hinterleib. In der spätantiken medizinischen Praxis wurden Insekten getrocknet und zerstoßen. Das so gewonnene Pulver wurde spätlateinisch auricula „Öhrchen“ genannt und als Medizin gegen Ohrenkrankheiten verwendet. In den nachfolgenden Jahrhunderten ging viel antikes Wissen verloren, die Bezeichnung wurde nicht mehr verstanden und mit Krankheitsdämonen in Wurmgestalt gleichgesetzt, die Ohrenkrankheiten verursachen. Daraus entwickelte sich der Volksglaube, die Ohrwürmer würden in die Ohren kriechen und so ins Gehirn gelangen. Dazu entstanden auch alternative Bezeichnungen wie Ohrenkriecher, Ohrenschlüpfer, Ohrenschliefer oder Ohrenkneifer. Die übertragene Bedeutung „einprägsames Musikstück, das den Hörenden noch lange in Erinnerung ist“ erhielt Ohrwurm erst im Verlauf des 20. Jahrhunderts.

Auf die Vorstellung von Krankheitsdämonen in Wurmgestalt geht auch die Redewendung jemanden die Würmer aus der Nase ziehen zurück. Um die Menschen von den Krankheitsdämonen in Wurmgestalt zu heilen, wurden in althochdeutscher und mittelhochdeutscher Zeit sogenannte Wurmsegen gesprochen, die den Krankheitsdämon dazu veranlassen sollte, den Körper des Menschen zu verlassen. In späterer Zeit war es vor allem das Geschäft von Quacksalbern und selbsternannten Heilern auf Jahrmärkten, die Wurmschneider genannt wurden, den Menschen weiß zu machen, sie könnten ihnen Würmer aus Nase und Ohren herausziehen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Redewendung die Würmer aus der Nase ziehen auch im übertragenen Sinn verwendet, mit der Bedeutung „jemandem durch geschicktes Fragen ein Geheimnis oder ein Geständnis entlocken, jemanden aushorchen“. Heute verwenden wir die Redewendung zumeist in gekürzter Form jemandem etwas aus der Nase ziehen. Oder wir sagen Lass Dir nicht alles aus der Nase ziehen, wenn jemand nur widerwillig etwas erzählt und für jede Einzelheit nachgefragt werden muss.


Schurz und Schürze – Die kurzen Kleidungsstücke

Kochschürzen

Das Wort Schurz begegnet ab dem 14. Jahrhundert und bezeichnet ein um die Hüften gebundenes kurzes Kleidungsstück, das vorne Unterleib und Beine bedeckt und über der Kleidung getragen wird.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Schurz geht zurück auf althochdeutsch scurz, scurt „kurz“, das sich von germanisch *skurta- „kurz“ ableitet. Auf germanisch *skurta- geht auch altenglisch scort „kurz, klein“ zurück, aus dem im heutigen Englischen short „kurz“ wurde. Daher auch shorts „kurze Hosen“. Ebenfalls auf *skurta- geht altenglisch scyrt zurück, woraus sich im Mittelenglischen skirt „Rock“ und schirte, shurte „Hemd“, heute shirt, entwickelte.

Bis Anfang des 17. Jahrhunderts wurde das Wort Schurz für Männer- und für Frauentracht gleichermaßen verwendet. Vor allem die Handwerker trugen einen Schurz, um ihre Kleidung vor Schmutz zu schützen. Mit der Zeit wurde der Schurz ein Teil ihrer Berufstracht. Die unterschiedlichen Gewerke hatten Schurze in unterschiedlichen Farben, die regional variieren konnten. So wird berichtet, die Gerber trugen gelbe Schurze, die Glaser grüne, die Tuchmacher braune oder grüne und die Färber blaue. Diese Unterschiede fanden auch ihren sprachlichen Niederschlag in unterschiedlichen Bezeichnungen. So war der Kochschurz, der Schurz des Koches, der Metzgerschurz, der Schurz des Metzgers, der Schusterschurz, der Schurz des Schusters oder der Töpferschurz, der Schurz des Töpfers, um hier nur einige zu nennen. Bei der Frauentracht wurden die verschiedenen Schurze sprachlich nicht unterschieden, sondern einfach als Frauenschurz bezeichnet.

Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts begegnet als Variante zu Schurz das Wort Schürze, zunächst mit identischer Bedeutung. Mit der Zeit entwickelte sich jedoch ein unterschiedlicher Gebrauch der beiden Worte. Schurz wurde zumeist für die Männertracht verwendet und Schürze für die Frauentracht. Zusätzlich erhielt Schürze auch die Bedeutung „Frauenrock“. Im Lauf des 18. Jahrhunderts wurde Schürze im Sprachgebrauch dominant und verdrängte Schurz. Heute findet sich Schurz zumeist nur noch in der Zusammensetzung Lendenschurz „Kleidungsstück, das Geschlechtsteile und Gesäß bedeckt“.

Durch die Verdrängung von Schurz im Sprachgebrauch wurde das Wort auch in Zusammensetzungen durch Schürze ersetzt. So wurde aus Kochschurz die Kochschürze, aus Metzgerschurz die Metzgerschürze, aus Glaserschurz die Glaserschürze, aus Töpferschurz die Töpferschürze usw.

Da das Wort Schürze zunächst überwiegend für die Frauentracht verwendet wurde, konnte das Wort synonym für Frau werden. Mit der Bedeutung „Frau“ findet sich Schürze auch in früheren Redewendungen, wie beispielsweise er ist in jede Schürze verliebt für „er ist in jede Frau verliebt“ oder jemandem die Schürze streichen „einer Frau schmeicheln, ihr den Hof machen“. Auch in dem Wort Schürzenzins hat Schürze die Bedeutung „Frau“. Der Schürzenzins war eine Abgabe, die Leibeigene dem Gutsherrn zahlen mussten, wenn sie heiraten wollten. Heute findet sich Schürze mit der Bedeutung „Frau“ nur noch in der Zusammensetzung Schürzenjäger „ein Mann, der emsig Frauen nachstellt“.

Ab dem Mittelhochdeutschen begegnet dann eine Tätigkeitsbezeichnung schürzen „kürzen, abkürzen“. So bedeutete die Rede schürzen „die Rede kürzen“, das Leben schürzen „das Leben kürzen“. Im speziellen wurde schürzen vor allem im Zusammenhang mit langen Frauenröcken verwendet. So bedeutete den Rock, das Kleid schürzen „den langen Rock, das Kleid aufheben und um die Hüften festgürten“. Mit der Zeit kam es zu übertragenen Verwendungen von schürzen, wie etwa den Arm schürzen „die Ärmel des Hemds zurückstreifen“. Zusätzlich erhielt schürzen die Bedeutung „winden, schlingen“, wie beispielsweise ein Seil um etwas schürzen „ein Seil um etwas winden“ oder einen Knoten schürzen „einen Knoten schlingen, knüpfen“.


Februar und Hornung – der zweite Monat im Jahr

Oichtenriede

Der Name Februar, für den zweiten Monat im Jahr, leitet sich von der lateinischen Monatsbezeichnung mēnsis februārius ab und wurde im 15. Jahrhundert ins Deutsche übernommen. Davor hatte der Monat den Namen Hornung.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Februar geht zurück auf den lateinischen Monatsnamen mēnsis (Monat) februārius „Reinigungsmonat“, der sich von lateinisch februāre „reinigen“ ableitet. Der Februar war im altrömischen Kalender der letzte Monat des Jahres in dem Reinigungs- und Sühneopfer abgehalten wurden. Erst im zweiten vorchristlichen Jahrhundert verlegten die Römer den Jahresbeginn auf den 1. Jänner.

Die Bezeichnung Februar gelangte im 15. Jahrhundert ins Deutsche. Davor wurde der zweite Monat im Jahr Hornung genannt. Diese Bezeichnung geht auf die Einführung einheitlicher deutscher Monatsnamen durch Kaiser Karl den Großen (747/748-814 n. Chr.) zurück und findet sich bis heute in regionalen Dialekten.

Das Wort Hornung leitet sich von Horn „harter Auswuchs am Kopf von Tieren“ ab und hatte in vergangener Zeit auch die Bedeutung „Winkel, Ecke“. Zum althochdeutschen Wort hornung finden sich Entsprechungen in anderen germanischen Sprachen, wie altnordisch hornungr oder altenglisch hornung – beide mit der Bedeutung „Bastard, Winkelkind“. Ein Winkelkind war ein uneheliches Kind, das in einem Winkel oder einer Ecke gezeugt worden war, im Gegensatz zu den im Ehebett gezeugten Kindern. Uneheliche Kinder waren gegenüber den ehelichen Kindern in Bezug auf das Erbe benachteiligt. Die althochdeutsche Bezeichnung hornungmânoth für den Februar hätte demnach die Bedeutung „Bastardmonat“. Die Gründe, warum Karl der Große diese Bezeichnung für den Februar als passend empfand, können nur vermutet werden. Allgemein wird angenommen, diese Bezeichnung für den Februar sei gewählt worden, weil der zweite Monat im Jahr am wenigsten Tage hat und damit quasi der zu kurz gekommene Monat, der benachteiligte Monat ist.

Ein anderer Erklärungsansatz legt dem Wort Hornung die Bedeutung „Geweihabwurf“ zugrunde. Die Benennung des Februars mit Hornung sei deshalb gewählt worden, weil um diese Zeit der Geweihabwurf der Hirsche beginnt. Diese Deutung hat zwei Schönheitsfehler. Erstens gibt es für die Bedeutung „Geweihabwurf“ keine Entsprechung in den anderen germanischen Sprachen und zweitens muss eine nicht belegte Tätigkeitsbezeichnung *hornen „die Hörner abwerfen“ angenommen werden, von der sich Hornung abgeleitet hätte.

Neben Februar und Hornung waren für den zweiten Monat im Jahr auch noch andere Namen in Gebrauch. Der Monat wurde Holzmonat, Fastnachtmonat und Lichtmessmonat genannt.

Die Bezeichnung Holzmonat ergab sich, da diese Zeit als geeignet für das Holzfällen angesehen wurde. Das Holz, das im Februar bei abnehmendem Mond gefällt wird, soll nicht so leicht faulen. So heißt es im Wald-, Forst- und Jägerey-Lexicon von 1764 für den Februar: Im Walde kann man bey guten Wetter und Froste in diesem Monath Bau-, Brenn-, Geschirr- und ander Holz fällen. Das in diesem Monat bey abnehmenden Monden gefällte Bauholz faulet nicht so leicht, und wird auch nicht von den Würmern gefressen.

Die beiden anderen Bezeichnungen Fastnachtmonat und Lichtmessmonat beziehen sich auf ein weltliches und ein kirchliches Fest, die im Februar stattfinden. Der Name Fastnachtmonat bezieht sich auf die Faschingszeit, die zumeist in den Februar fällt und mit dem Aschermittwoch endet. Der Namen Lichtmessmonat geht auf den kirchlichen Feiertag Lichtmess zurück, der am 2. Februar stattfindet. Zu Lichtmess werden in den katholischen Kirchen die Kerzen für die Gottesdienste geweiht. Mit Lichtmess endete früher die Weihnachtszeit, es begann das Bauernjahr und Knechten und Mägden war es möglich, ihren Dienstherren zu wechseln.


Straße – Vom gepflasterten Weg zur Meerenge

Ortseinfahrt bei Lamprechtshausen

Das Wort Straße bezeichnete ursprünglich gepflasterte Wege, die über Land führen. Im Zeitverlauf erhielt das Wort die zusätzliche Bedeutung „Öffentlichkeit“ und aufgrund eines Übersetzungsfehlers wurde Straße eine Bezeichnung für Meerengen.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Straße ist seit dem 8. Jahrhundert belegt und geht zurück auf lateinisch via strāta „gepflasterter Weg, gepflasterte Straße“. Im Althochdeutschen entfiel via und die Bezeichnung wurde zu strāta „die Gepflasterte“ gekürzt. Dieser Vorgang fand auch in anderen Sprachen statt. So begegnet im Altenglischen strǣt, woraus englisch street wurde, und in den romanischen Sprachen finden sich spanisch estrada und italienisch strada.

Althochdeutsch strāza bezeichnete zunächst primär die Landstraße und nicht die Wege in den Städten, die gazza „Gasse“ genannt wurden. Die Gassen waren Wege und Fahrbahnen zwischen den Häuserreihen der Stadt. Die Straßen hingegen waren Fahrbahnen, die über Land führten, keine seitlichen Begrenzungen hatten und der Ort der Reisenden waren. So hatte das Wort Straße noch im 16. Jahrhundert auch die Bedeutung „Reise“ und die Redewendung sich auf die Straße machen bedeutete „sich auf die Reise machen“.

Im Verlauf des 15. und 16. Jahrhunderts wurde Straße zur dominanten Bezeichnung. Der Bedeutungsunterschied von Straße und Gasse als Landstraße und Stadtstraße verlor sich. Das Wort Straße bezeichnete nun auch die städtischen Wege und Fahrbahnen. Zeitgleich entwickelte sich eine neue Bedeutungsunterscheidung zwischen Straße und Gasse, die sich bis heute erhalten hat. Mit Straße werden die breiteren Fahrbahnen bezeichnet und mit Gasse die schmäleren.

Mit der Entwicklung des städtischen Lebens wurde die Straße zu einem Ort der Öffentlichkeit, wodurch auch das Wort Straße synonym für Öffentlichkeit wurde. Im Mittelalter drückte die Formel zu Kirche und Straße gehen „öffentlich zusammen Erscheinen vor den Leuten, vor der Gemeinde“ aus und wurde für Verlobte oder Frischvermählte verwendet, die sich gemeinsam öffentlich zeigten. Dieses gemeinsame öffentliche Auftreten konnte mancherorts auch Rechtscharakter haben, der einer Eheschließung gleichwertig war oder die öffentliche Bekanntgabe einer Verlobung oder Eheschließung anzeigte.

Der Ausdruck auf der Straße erhielt die Bedeutung „draußen“ als Gegensatz zu „drinnen im Haus, in der Wohnung“. So erhielt die Redewendung jemanden auf die Straße setzen/werfen die Bedeutung „jemanden aus dem Haus hinauswerfen“ mit der Erweiterung „jemanden aus seiner Arbeitsstelle kündigen“.

Die Straße als Ort der Öffentlichkeit findet sich auch in der Redewendung auf die Straße gehen. Dieser Ausdruck hatte noch Anfang des 20. Jahrhunderts die Bedeutung „Prostitution treiben“. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts verlor sich diese Bedeutung im allgemeinen Sprachgebrauch. Heute bedeutet der Ausdruck auf die Straße gehen „demonstrieren“. Ebenfalls Ausdruck der Öffentlichkeit ist die Redewendungen der Druck der Straße „durch Demonstrationen, Protestmärsche politischen Druck ausüben“.

Das Wort Straße findet sich heute auch in Ausdrücken für die Allgemeinheit oder für jedermann, wie beispielsweise der (kleine) Mann von der Straße „der Durchschnittsbürger“. Straße steht auch für alle Einwohner, die in den Häusern entlang einer Straße wohnen. Der Ausdruck die ganze Straße mit der Bedeutung „alle Einwohner einer Straße“ findet sich seit dem 18. Jahrhundert. So sagen wir zum Beispiel die ganze Straße war zusammengelaufen für „alle Einwohner der Straße kamen zusammen“ oder die ganze Straße spricht darüber für „alle Einwohner der Straße sprechen darüber“.

Neben der Verwendung von Straße als Ort der Öffentlichkeit wird das Wort auch als Bezeichnung für Meerengen verwendet, so zum Beispiel die Straße von Gibraltar, eine Meerenge zwischen Mittelmeer und Atlantik, oder die Behringstraße, eine Meerenge zwischen Asien und Amerika. Die Bezeichnung Straße von Gibraltar ist seit dem 17. Jahrhundert ein feststehender Ausdruck. Diese Verwendung des Wortes Straße geht auf einen Übersetzungsfehler zurück, dem eine Verwechslung zwischen englisch strait „Meerenge“ mit englisch street „Straße“ zugrunde liegt.


Esel – Reittier, Schimpfwort und Geldquelle

Trabrennen in Altheim | Foto: Karl Traintinger, Dorfbild

Das Wort Esel ist seit dem 9. Jahrhundert belegt und geht zurück auf lateinisch asinus „Esel“. Das Wort begegnet nicht nur als Bezeichnung für das Tier, sondern auch in Zusammensetzungen wie Goldesel, Drahtesel, Eselsbrücke oder Eselsohr.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Bei der Übernahme in die germanischen Sprachen wurde lateinisch asinus zu asilus umgeformt. Diese Form findet sich im Gotischen, der ältesten belegten germanischen Sprache aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. Im Althochdeutschen verlor das Wort die lateinische Endung und wurde zu esil gewandelt.

In der christlichen Überlieferung ist der Esel positiv bewertet. Er gehört zu den Tieren, die in der Weihnachtskrippe stehen, Jesus ritt bei seinem Einzug in Jerusalem auf einem Esel und er war das Reittier von Maria, der Mutter von Jesus. Gleichzeitig gilt der Esel – so wie viele andere Tiere – als dumm und störrisch. So wird das Wort Esel auch als Schimpfwort mit der Bedeutung „Dummkopf“ gebraucht oder mit einem beigefügten Attribut ausgeschmückt, wie blöder Esel oder sturer Esel. Und auch der Ausdruck Eselei steht für eine dumme Handlung.

Das Wort Esel verwenden wir in mehreren Zusammensetzungen, wie beispielsweise Goldesel, Drahtesel, Eselsbrücke und Eselsohr.

Der Goldesel ist ein Esel, den vermutlich viele von uns gerne hätten. Die Bezeichnung Goldesel geht zurück auf das Märchen Tischlein deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack der Gebrüder Grimm und begegnet seit Ende des 18. Jahrhunderts. In diesem Märchen erhält ein Müllergeselle von seinem Meister zum Abschied einen Esel, der vorne und hinten Goldstücke ausspeit. Durch diese Geschichte wurde das Wort Goldesel ein Synonym für eine unerschöpfliche Geldquelle. Zu dem Wort hat der Volksmund eine Variante gebildet – den Geldscheißer.

Der Esel wurde als Arbeitstier in Mühlen eingesetzt, als Sackträger, Packtier (daher die Bezeichnung Packesel) und als Reittier. Als Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Fahrräder auf den Markt kamen, verpasste der Volksmund diesen Gestellen scherzhaft den Namen Drahtesel, eine Bezeichnung, die sich bis heute im unserem Sprachgebrauch erhalten hat.

Das Wort Eselsbrücke begegnet ab dem 18. Jahrhundert und ist eine Übersetzung des lateinischen Ausdrucks pōns asinōrum „Brücke der Esel“ bzw. pōns asini „Brücke des Esels“, der aus der philosophischen und mathematischen Gelehrtensprache des Mittelalters entstammt und dort mit unterschiedlichen Bedeutungen verwendet wurde. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts gelangte der Ausdruck in den allgemeinen Sprachgebrauch mit der Bedeutung „Schwierigkeit, vor der Unwissende zurückschrecken“. Diese Bedeutung geht auf eine Textstelle in der Naturalis Historia des römischen Gelehrten Plinius des Älteren (24-79 n. Chr.) zurück, der schreibt, Esel würden nicht über Brücken gehen, wenn sie durch die Brücke hindurch das Wasser unter sich sehen könnten.

Im Lauf des 19. Jahrhunderts löste sich die Bedeutung des Wortes von seinen gelehrten Ursprüngen und wurde uminterpretiert als Hilfsmittel für Schüler. So steht in Meyers Großes Konversationslexikon von 1905-1909 zu lesen: Eselsbrücke, literarisches Hilfsmittel für Träge und Unbegabte, die den Schüler Mühe und Arbeit ersparen, statt ihn zur Arbeit zu erziehen. Heute hat das Wort die wertfreie Bedeutung „Gedächtnisstütze, Verstehenshilfe“. Dazu zählen vor allem die Merkverse, die wir in der Schule gelernt haben, wie beispielsweise 753 Rom schlüpft aus dem Ei für das Gründungsjahr der Stadt Rom im Jahr 753 v. Chr.

Und schließlich findet sich seit Anfang des 17. Jahrhunderts das Wort Eselsohr. Dieser Bezeichnung liegt das Bild eines nach hinten gebogenen Ohres eines Esels zugrunde. Zunächst wurde mit Eselsohr die zum Zweck eines Merkzeichens sorgsam umgebogene Blattecke einer Buchseite bezeichnet. Heute verwenden wir das Wort im Allgemeinen für umgeknickte Blattecken, die durch sorglose Behandlung von Büchern und Heften entstanden sind.


Schloss – Vom Türverschluss zum Prunkbau

Ein Vorhängeschloss am Makartsteg verbindet

Das Wort Schloss ist seit dem 8. Jahrhundert belegt und leitet sich von der Tätigkeitsbezeichnung schließen ab. Die ursprüngliche Bedeutung von schließen war „etwas einen Riegel geben“. Althochdeutsch slōz war daher eine Bezeichnung für einen Türverschluss.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Die ältesten Türverschlüsse waren Holzbalken, die an der Innenseite der Türen quer vorgelegt werden konnten und Riegel genannt wurden. Eine Weiterentwicklung dieser Riegel waren im Mittelalter Türverschlüsse, bei denen der Riegel in mittlerer Höhe zum Öffnen der Tür mit einem Riemen gezogen wurde. Die Technik der Türverschlüsse wurde mit der Zeit verbessert und schließlich durch Eisenschlösser ersetzt, die mit einem Schlüssel gesperrt werden konnten. Die Bedeutung von Schloss erweiterte sich mit der technischen Weiterentwicklung der Verschlüsse und bezeichnete in mittelhochdeutscher Zeit sowohl das Schloss selbst als auch den Riegel an Türen. Die alte Verbindung von Riegel und Schloss hat sich sprachlich bis heute in der Redewendung hinter Schloss und Riegel erhalten. Jemanden hinter Schloss und Riegel bringen bedeutet „jemanden ins Gefängnis bringen“ und jemand sitzt hinter Schloss und Riegel „jemand sitzt im Gefängnis“.

Heute bezeichnet Schloss im Allgemeinen eine Vorrichtung zum Verschließen, die mit einem Schlüssel geöffnet werden kann. Um die Vielzahl der zur Verfügung stehenden Schlösser näher zu bezeichnen, wurden mit Schloss zahlreiche Zusammensetzungen gebildet, die sich auf den zu verschließenden Gegenstand beziehen, auf die Machart oder auf die Form des Schlosses. Hier sei genannt Fahrradschloss, Kofferschloss, Lenkradschloss, Speichenschloss oder Türschloss, Bügelschloss, Hängeschloss, Kastenschloss, Kettenschloss, Kombinationsschloss, Ringschloss, Sicherheitsschloss, Steckschloss, Vorhängeschloss, Zahlenschloss, Zylinderschloss und Zündschloss.

Ab dem 13. Jahrhundert wurden mit dem Wort Schloss auch Burgen bezeichnet. Diese Übertragung der Bezeichnung basiert auf der Vorstellung von Burgen als befestigte Bauten, die einerseits gut verschließbar sind und andererseits als Sperre für Täler, Straßen oder Flüsse dienten. Beispiel hierfür ist die Burg in Goldegg, die als Wehranlage konzipiert ist und den Namen Schloss Goldegg trägt. Schlösser wurden aber nicht nur auf festem Boden erbaut, sondern auch im Wasser. Diese Schlösser werden Seeschloss oder Wasserschloss genannt, wie beispielsweise Schloss Ort in Gmunden, das im Traunsee steht, oder Schloss Anif bei Salzburg, das in einem Weiher errichtet wurde.

Im 15. und 16. Jahrhundert veränderte sich die Architektur der Burgen. Die umgebenden Befestigungsanlagen wurden weniger und mit der Zeit vollständig aufgegeben. Die Bauwerke, die mit dem Wort Schloss bezeichnet wurden, erhielten ein prachtvolleres Aussehen und dienten zur Repräsentation als Fürsten- und Herrschersitze. Einhergehend mit diesen baulichen Veränderungen entwickelte sich für das Wort Schloss die Bedeutung „Palast“.

Für ihre Sommersitze ließen Fürsten und Herrscher eigene Schlösser errichten, die Lustschlösser genannt wurden. Diese Schlösser waren Privathäuser, in denen sich Fürsten und Adelige mit ihren Familien (oder Mätressen) vom Hofzeremoniell zurückziehen konnten. Prominente Beispiele dafür sind Schloss Hellbrunn in Salzburg und Schloss Schönbrunn in Wien. Die ersten Schlösser dieser Art entstanden in Frankreich im 17. Jahrhundert und wurden maison de plaisance „Haus des Vergnügens“ genannt. Nach französischem Vorbild ließ auch im deutschsprachigen Raum der Adel solche Schlösser errichten und übernahm die französische Bezeichnung maison de plaisance ins Deutsche als Lustschloss.

Und schließlich begegnet ab dem 17. Jahrhundert das Wort Luftschloss. Dieses Wort ist keine Bezeichnung eines realen Bauwerks, sondern geht auf die Redewendung Schlösser in die Luft bauen zurück, die seit dem 16. Jahrhundert belegt ist. Das Wort Luftschloss bezeichnet etwas, was sich jemand in seiner Phantasie ausmalt, aber nicht realisierbar ist und findet sich heute zumeist in den Ausdrücken Luftschlösser bauen oder das sind doch alles Luftschlösser für „das sind unrealistische Vorstellungen, Hirngespinste“.